Schwellenländer holen auf

Schwellenländer sind im Vergleich zu den Industrieländern attraktiver geworden, weil ihre Schwächen sich verringern. So haben sich die finanzpolitischen Rahmenbedingungen verbessert und die Zahlungsbilanzprobleme zeigen eine positive Stoßrichtung. Gonzalo Pángaro, Portfoliomanager Emerging Markets bei T. Rowe Price, analysiert die Chancen für Anleger.

Einige der bekannten Schwächen der Schwellenländer haben sich verringert. Dadurch sind die Emerging Markets im Vergleich zu den Industrieländern attraktiver geworden. Alles in allem haben sich die finanzpolitischen Rahmenbedingungen verbessert und die Zahlungsbilanzprobleme verringert. Außerdem sind die Verbindlichkeiten im Privatsektor gesunken und das politische Umfeld hat sich auf breiter Basis stabilisiert. Wir erwarten, dass diese Verbesserungen auch in Zukunft sowohl das Ertragswachstum in den Schwellenländern als auch die Finanzstärke der Emittenten von Staats- und Unternehmensanleihen der Emerging Markets unterstützen werden.

Schwellenländer bleiben eine Wachstumsstory

Obwohl das Wachstumstempo nicht mehr so hoch ist wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2008, setzt sich Wachstumsstory der Schwellenländer fort. So hat sich die Marge des überproportionalen Wachstums im Vergleich zu den Industrieländern in den vergangenen Jahren erholt. Zuvor – unmittelbar nach dem Ausbruch der Finanzkrise – hatte sich die Marge der Outperformance stetig verkleinert. Wir erwarten für etwa drei Viertel der Volkswirtschaften von Emerging Markets ein stärkeres Wachstum als im Jahr 2016. Dadurch dürften die traditionellen Schwachstellen der Schwellenländer zurückgehen.

Zu den Wachstumstreibern der Emerging Markets gehören derzeit Indonesien und Indien. Indonesiens Wirtschaft ist zuletzt innerhalb eines Jahres um fünf Prozent gewachsen. Angesichts der vorteilhaften Demografie hat das Land sogar Potenzial, eine Wachstumsrate von sechs bis sieben Prozent zu erreichen. Indien habe ebenfalls demografische Vorzüge, die jährliche Wachstumsraten von sieben oder mehr Prozent ermöglichen könnten. Die Wirtschaftsreformen, welche die Regierung von Narendra Modi umsetzen will – etwa Deregulierung und Steuerrationalisierung –, dürften das starke Wachstum weiterhin stützen.

Auch Russland ist nach der Rezession, die der Ölpreiseinbruch 2015 und die Sanktionen im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise verursacht hatten, auf Erholungskurs. Einen Wendepunkt gibt es auch in Brasilien, das sich nach einer schweren zweijährigen Rezession auf dem Weg der Besserung befindet. Die politischen Entscheidungsträger haben wichtige Strukturreformen eingeleitet – dies dürfte die langfristigen Wachstumsaussichten verbessern. Durch die Reformen sollen Governance-Standards in staatseigenen Unternehmen sowie eine Öffnung des Ölsektors für ausländische Investitionen gestärkt werden. In den kommenden Quartalen dürfte das Wachstum langsam zurückkehren – vorausgesetzt, das politische Umfeld bleibt relativ stabil.




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