Alle Pfeile zeigen Richtung USA

Wie eigentlich schon zu erwarten, hat sich Europa für die schlechteste Lösung im Umgang mit den US-Strafzöllen entschieden. Ab Juli treten die von der EU ausgearbeiteten Zölle gegenüber der USA in Kraft. Uwe Zimmer, Arthur Vott sowie Jörn Schimanski von Fundamental Capital, erläutern was zu erwarten ist.

Der EU gehen die Optionen aus

Und da ist es passiert. Wie eigentlich schon zu erwarten, hat sich Europa für die schlechteste Lösung im Umgang mit den US-Strafzöllen entschieden. Ab Juli treten die von der EU ausgearbeiteten Zölle gegenüber der USA in Kraft. Getroffen hat es insbesondere Konsumgüter wie Jeans, Bourbons, Zigaretten oder Motorräder. Produkte, die eben typisch „America“ sind.

Nun ist es das gute Recht der EU auf eine wahrgenommene Provokation zu reagieren. Aber die Reaktion – vor allem bestätigt durch die skurrile Auswahl der betroffenen Produkte – ähnelt eher einem Kindergartenspiel. Das Schlimme daran ist, dass sich alle Beteiligten in der EU ihrer Handlung durchaus bewusst sind. Noch im März polterte Jean-Claude Juncker: „Wir können auch dumm sein. Wir müssen also auch so dumm sein.“

Rückt man die Zahlen in ein Verhältnis, so streitet man sich gerade wegen Peanuts. Europas Stahl- und Aluminium Exporte an die USA repräsentieren ca. 0,05 Prozent des eigenen BIPs (Bruttoinlandsprodukt). Wegen 0,05 Prozent ist man aktuell also bereit ein Risiko einzugehen, weitere Tarife zu provozieren. Und das die als Reaktion folgen werden, ist fast schon sicher. Nochmal, für Trump geht es nicht darum, wie einige denken, den Welthandel auszubeuten, sondern um Gleichstellung. Und da laut US-Brille das Handelsdefizit mit der EU bei ca. 150 Milliarden US-Dollar liegt, wovon rund 20 Prozent Autoexporte ausmachen, liegt bei ihm ein großes Interesse daran, sich als nächstes die Autoindustrie vorzunehmen. Und die hat bei weitem eine größere Auswirkung auf die Wirtschaft der EU.

Besonders gefährlich ist die Tatsache, dass alle wichtigen Beteiligten (China, USA, EU) aktuell denken, sie würden als Sieger aus so einem Kampf hervorgehen. In gewisser Weise ähnelt die aktuelle Lage also einer kindlichen Mutprobe. Dass langfristig alle Beteiligten einen Schaden davonziehen, ist historisch gesehen schon sicher. Relativ betrachtet, bleiben wir bei unserer Aussage: Europa hat in diesem Kampf mehr zu verlieren als die USA. Nicht nur, weil die Wirtschaft dort besser läuft, sondern auch, weil Exportnationen für Handelskriege anfälliger sind. Schließlich wird damit der Wohlstand erwirtschaftet.

Sollte darüber hinaus Trump durch sein Handeln die Weltwirtschaft tatsächlich in eine Krise stürzen, so hat die Fed dann prognostiziert ca. drei Prozentpunkte mehr an Zinsen als die EZB (Europäische Zentralbank) vorzuweisen, um einen Abschwung zu bekämpfen. Auf der anderen Seite, sollte durch die Zölle die Inflation in Europa ansteigen, haben wir wegen den Schulden der Euro-Länder kein Spielraum für die nötigen Zinserhöhungen, um eine Überhitzung zu vermeiden. In der Tat, eine Sackgasse für die EU. China liegt irgendwo dazwischen. Aufgrund der gemanagten Währung, könnte der Staat intervenieren, um seine Währung absichtlich zu schwächen und die Zölle damit teilweise auszugleichen.

Achtung, Zins-Inversion vorraus

Aufgrund der unveränderten Lage in Europa konzentrieren wir uns in dieser Ausgabe auf die Zinspolitik der USA. Zum Ende des Monats hob die FED ihr Leitzinsziel erneut auf ein Level von mittlerweile 2 Prozent an. Aufgrund der von der Fed bekundeten Absicht, die Zinsen weiter steigen zu lassen, kam diese Entwicklung jedoch kaum überraschend. Erwartet werden in diesem Jahr mindestens zwei weitere Erhöhungen in jeweils 0,25 Prozent Schritten. Damit treten die Amerikaner im weltweiten Vergleich weiterhin am stärksten auf das Gaspedal im Versuch aus der Nullzinspolitik zu entkommen.

Einige Investoren und Journalisten haben diese Entwicklungen zum Anlass genommen, sich besorgt darüber zu äußern, dass aufgrund der steigenden kurzfristigen Zinsen die Zinsstrukturkurve abflacht und im schlimmsten Fall aufgrund des Drucks durch den zusätzlichen Anleihen-Verkauf invertiert (d.h. kurzfristige Anlagen bringen mehr Zinsen, als langfristige Anlagen). Historisch gesehen wäre das ein äußerst bedenklicher Zustand, da flache oder invertierte Zinskurven fast immer einen wirtschaftlichen Abschwung oder eine Rezession innerhalb von 1-2 Jahren vorausgesagt haben.

Bevor man nun zu schnell auf den Verkaufs-Knopf drückt, ist es in diesem Zusammenhang wichtig zu erkennen, dass die Form der Zinskurve durch eine Vielzahl von möglichen Ursachen beeinflusst werden kann. Wir können also nicht davon ausgehen, dass alle Inversionen gleich sind und daraus automatisch eine Rezession entsteht.

Ein Präzedenzfall, der unserer aktuellen Lage sehr nah kommt, lässt sich jedoch vor nicht allzu langer Zeit finden. Zu Beginn der 2000er Jahre schien sich die Fed bewusst zu sein, dass aufgrund der hohen Liquiditätsnachfrage (aufgrund der damaligen Krise und den angefangenen Kriegen) die Zinsen gesenkt werden müssen. Als nach der Erholung die Zinserhöhungen begannen, hat die Fed nur langsam auf die neuen Umstände reagiert. So hat sie 2006 in einer Phase von steigender Liquiditätsnachfrage – der Zins invertierte in 2006 – eine straffe Geldpolitik umgesetzt. Die unzureichende Liquidität führte zu einer Verlangsamung des Wachstums der Gesamtausgaben, gerade in der Hochphase der Immobilienpreise, was den Druck auf das Finanzsystem verstärkte. Als dann 2007 die Aktienpreise fielen, kam es zum Abschwung.

Und heute? Heute finden wir uns durchaus in einer ähnlichen Situation wieder. Nur, dass wir in dieser Dekade wesentlich geringere Wachstumsraten aufweisen – d.h. der Spielraum für Fehler ist deutlich geringer. Fängt das Wachstum darüber hinaus an zu bröckeln, so sind weitere Erhöhungen des Leitzinses ungerechtfertigt und würden demnach bei einer Invertierung der Zinskurve eine echte Gefahr repräsentieren. Es bleibt also abzuwarten, ob die Fed aus ihren Fehlern gelernt hat.

Weltweiter Dollar-Schwund

Blickt man vom aktuellen Zinsniveau der USA auf mögliche Konsequenzen für andere Länder, so muss man feststellen, dass aufgrund der Erhöhungen die Schwellenländer zunehmend in Druck geraten. Aktuell „bietet“ die USA einfach am meisten. Das hat zur Folge das sich die internationalen Kapitalströme zunehmend (stärker als bevor) Richtung USA bewegen.

Verstärkt wird dieser Effekt insbesondere durch Trumps Steuerprogramm, welches massive Erleichterungen für Unternehmen und Bürger vorsieht. Irgendwoher müssen die Steuerschnitte finanziert werden, also werden zunehmend Staatsanleihen der USA emittiert, die natürlich auf Dollar laufen.

Die Kombination dieser beiden Umstände (Dollar-Noten werden einerseits entzogen und andererseits Richtung USA gelenkt) trocknet die weltweite Dollar-Liquidität aus und hinterlässt Lücken bei der Finanzierung. Nicht nur auf den Märkten für Staatsanleihen, sondern auch auf den Märkten für kurzfristige Finanzierungen, sowie der jüngste Anstieg des Libor-OIS-Spreads aufzeigt. Für Schwellenländer ist dies besonders problematisch, da diese im hohen Maße von der Leitwährung abhängen.

Besonders betroffen sind die Türkei und Argentinien. Ein hohes Staatsdefizit, hohe Dollarschulden, geringe Reserven und eine geringe Bereitschaft die landesweite Inflation zu kontrollieren – Konditionen, die nicht gerade für wirtschaftlich rosige Zeiten in diesen Ländern sprechen. Man darf sich also generell auf turbulente Zeiten in Schwellenländer einstellen.

Fazit

Wir fassen zusammen: Im Moment zeigen alle Pfeile Richtung USA.

 




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt