Alpha in allen Formen und Größen

Dell, Peugeot und Heinz haben nicht nur ihre Markenbekanntheit gemeinsam. Sie sind alle auch Emittenten von Hochzinsanleihen. Der schnell wachsende Hochzinsmarkt umfasst inzwischen Tausende von Unternehmen aus allen Branchen.

Der Hochzins- oder High-Yield-Sektor ist in den USA seit Jahrzehnten ein Investorenmagnet; Ende Dezember 2016 betrug das Marktvolumen mehr als 1.313 Milliarden US-Dollar. In Europa ist der Markt deutlich kleiner; hier betrug das Volumen zum gleichen Zeitpunkt 301 Milliarden Euro. Doch weil Banken bei der Kreditvergabe zurückhaltender geworden sind und sich Investoren im
Niedrigzinsumfeld weniger attraktive Investmentmöglichkeiten bieten, zeigt der Trend auch hier nach oben und der High-Yield Sektor wächst. Der amerikanische Hochzinsmarkt bietet nach wie vor eine größere Tiefe. Zudem werden die Kapitalströme auf dem US-Hochzinsmarkt von der zu erwartenden Aktienrendite der Investoren getrieben.

Manche Anleger setzen den Hochzinsbereich mit hohem Risiko gleich, die Daten unterstützen diesen Eindruck aber nicht. Die Volatilität ist bei Hochzinsanleihen erheblich geringer als bei zehnjährigen Staatsanleihen und ähnlich wie bei Investmentgrade-Anleihen. Unterdessen haben Hochzinstitel im dargestellten Fünf-Jahres-Zeitraum eine annualisierte Rendite von etwas mehr als acht Prozent erzielt.

Aktien vs. High-Yield

Die Aktienmärkte haben im Lauf von fünf Jahren zwar eine ähnliche Performance erzielt, dabei mussten die Anleger aber eine dreimal so hohe Volatilität in Kauf nehmen wie bei Hochzinsanleihen.
Der Hochzinsmarkt scheint fair bewertet zu sein. High-Yield-Bonds bieten eine Verzinsung von 502 Basispunkten bei einer Standardausfallquote von drei Prozent. Zudem sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld sowohl in Europa als auch in den USA die Nettofinanzierungskosten attraktiv.

Hochzinsanleihen haben meist eine niedrigere Laufzeit als die sichereren Investmentgrade-Anleihen. Daher sind die negativen Auswirkungen von potenziellen Zinserhöhungen der Fed auf Hochzinsanleihen geringer, diese Titel sind weniger stark mit der Leitzinsentwicklung korreliert als Investmentgrade-Anleihen und weisen dafür eine stärkere Korrelation mit den Aktienmärkten auf. Außerdem werden dieses Jahr Zinserhöhungen erwartetet, ausgelöst durch die nach Trumps Wahlsieg erstarkendeUS-Wirtschaft. Da sich das konjunkturelle Umfeld positiv auf die Fundamentaldaten der Unternehmen auswirkt, geht Candriam davon aus, dass das aktuelle Wirtschaftswachstum in den USA zu niedrigen Ausfallquoten und höheren Gewinnen führt. Die Gesellschaft prognostiziert für die USA mittelfristig einen Rückgang der Risikoaufschläge (Credit Spreads), der die negativen Auswirkungen der Zinsentwicklung kompensieren wird.

Bond-Picking als Performance-Treiber

Das Renditeniveau der vergangenen Jahre wird wohl nur noch mit einer geschickten Anleiheauswahl zu halten sein; Bond Picking dürfte sich deshalb zum stärksten Performance-Treiber entwickeln. In einem wachstumsschwachen Umfeld können hoch verschuldete Emittenten manchmal ihren Schuldendienst nicht mehr leisten, und kleinere Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihre gewünschten Preise durchzusetzen. Dadurch entstehen Diskrepanzen bei der Qualität der Emittenten und somit Chancen für geschickte Anleiheinvestoren, die Relative-Value-Strategien verfolgen und mit Arbitrage-Ansätzen Unterschiede zwischen Emittenten und Emissionen ausnutzen oder zwischen Cash Bonds und Derivaten.

In Europa werden dank der außergewöhnlichen und anhaltenden Liquiditätsunterstützung durch die EZB etwas geringere Ausfallquoten erwartet. Die prognostizierte Wachstumsschwäche wird aber zum Beispiel einzelhandelsorientierte Sektoren sowie die Pharma-, Papier- und Zellstoffindustrie unter Druck setzen.

In den USA, wo es keine Unterstützung durch die Zentralbank geben wird, ist das Wirtschaftswachstum deutlich stärker. Deshalb werden sich der Telekommunikations-, Öl- und Gassowie der Dienstleistungssektor gut entwickeln. Zu guter Letzt entscheiden auch das Emissionsvolumen, die Größe des Emittenten, die Zahl der Market-Maker sowie die Verfügbarkeit von Credit Default Swaps für die Emittenten über die Liquidität und Performance.

Investoren dürften auf der Suche nach Alpha mehr Möglichkeiten vorfinden, dank eines wachsenden und stärker diversifizierten Hochzinsmarkts und der zu erwartenden Zinsvolatilität. Für das Management eines Hochzinsportfolios versprechen Bond Picking und Fundamentalanalyse mehr Erfolg als ein Standard-Beta-Ansatz.




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