Alternativ(los)e Investments

Nicht nur negative Renditen auf Staatsanleihen und die gestiegenen Bewertungen an den Aktienmärkten erschweren Anlageentscheidungen, insbesondere für institutionelle Investoren, die durch Regulatorik und Risikobudgets begrenzt sind. Alternative Investments könnten die Antwort sein.

Die Renditen deutscher Staatsanleihen mit Laufzeiten von bis zu acht Jahren liegen im Minus, in solchen Zeiten müssen Investoren auf der Suche nach Rendite immer höhere Risiken eingehen. So sehen sich Anleger quasi gezwungen, in ihren Portfolios die Aktienquote zu erhöhen oder verstärkt in Anleihen mit niedriger Bonität oder längerer Laufzeit zu investieren. Doch dieser Handlungsspielraum ist bei institutionellen Anlegern oft durch das verfügbare Risikobudget oder regulatorische Vorgaben begrenzt. Deshalb finden alternative Anlagemöglichkeiten zunehmend Beachtung. Diese sind zwar auch nicht risikolos, aber ihre Risiken sind oftmals unabhängig von der Entwicklung der Zinsen oder des Aktienmarktes. Das macht sie zu einer sinnvollen Ergänzung klassisch diversifizierter Portfolios.

Der langfristige Ertrag einer Investition in Staatsanleihen stammt zu einem großen Teil aus der Wiederanlage der Zinseinnahmen. In den vergangenen zehn Jahren erwirtschafteten deutsche Staatsanleihen gemessen am Anleiheindex REXP einen durchschnittlichen Ertrag von 4,3 Prozent pro Jahr, wozu Zinseinnahmen und deren Wiederanlage mehr als die Hälfte beitrugen. In den vergangenen Jahren wurden die niedrigen Zinserträge von Anleihen zunehmend durch Kursgewinne aufgebessert. Diese Wertentwicklung wird sich aber kaum fortschreiben lassen, da die Zinsen von Bundesanleihen mit Laufzeiten von bis zu acht Jahren im Minus liegen und von den aktuellen Niveaus kaum noch nennenswert fallen können.

Eine Analyse der Bank of England zeigt, dass sich die Zinsen für Kredite an Staaten mit guter Bonität aktuell auf dem niedrigsten Niveau seit dem Babylonischen Reich befinden. Dieses historisch niedrige Zinsniveau ist eine Folge der expansiven Geldpolitik der wichtigsten Zentralbanken. Wenn höhere Inflationsraten eine Trendwende in der Geldpolitik einleiten sollten, würden die steigenden Renditen schmerzhafte Verluste bei Anleihen verursachen. Wenn man für eine Normalisierung des Zinsniveaus einen Zinsanstieg von insgesamt etwa 2,5 Prozent-Punkten über fünf Jahre annimmt, würden die Zinserträge der Anleihen über diesen Zeitraum durch Kursverluste aufgezehrt. Die Zentralbanken sind bereit, höhere Inflationsrisiken einzugehen, da die Konjunktursorgen überwiegen; in Kombination mit den aktuell stabilisierten Rohstoffpreisen spricht dies für tendenziell steigende Preise und damit für höhere Zinsen. Doch für einen anhaltenden Aufwärtstrend der Inflation ist vermutlich ein stabileres globales Konjunkturumfeld nötig.

Bewertungen am Aktienmarkt nicht mehr günstig

Im Gegensatz zu Staatsanleihen bieten Aktien eine Partizipation am Erfolg von Unternehmen. Langfristig kommt auch hier der Großteil der Erträge aus der Reinvestition der Dividenden und den daraus folgenden Zinseszinseffekten. Der deutsche Aktienindex Dax erzielte in den vergangenen zehn Jahren eine Gesamtrendite von 5,7 Prozent pro Jahr, wozu Dividenden und deren Wiederanlage ebenfalls mehr als die Hälfte beitrugen. Aktuell ist die Dividendenrendite deutscher Aktien im Dax mit ungefähr 2,6 Prozent höher als die Rendite deutscher Staatsanleihen. Diesem höheren Ertrag stehen aber deutlich höhere Kursschwankungen gegenüber. Dazu kommt, dass die Bewertungen am Aktienmarkt in den vergangenen Jahren aufgrund stagnierender und in einigen Regionen sogar sinkender Unternehmensgewinne auf Indexebene deutlich gestiegen sind und nach historischen Maßstäben nicht mehr als günstig gelten. Berücksichtigt man zusätzlich die politische Unsicherheit und die – zugegeben zaghafte – Zinswende in den USA, lässt sich mit wenig Fantasie ein düsteres Bild für Aktien zeichnen. Doch in den vergangenen Jahren gelang es den Zentralbanken immer wieder, den Aktienmarkt zu unterstützen.




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