Auf der Suche nach dem Gleichgewicht

China steckt mitten im Trilemma aus flexiblen Wechselkursen, freien Kapitalströmen und geldpolitischer Unabhängigkeit. Für den Renminbi ergeben sich drei mögliche Szenarien.

Als die chinesische Notenbank im August 2015 den Renminbi (RMB) um fast zwei Prozent abwertete, stellte dies den größten Kursrückgang der chinesischen Währung an einem Tag seit 1994 dar. Nach der Korrektur hat sich die chinesische Notenbank einer weiteren Währungsabwertung durch verschiedene Maßnahmen zur Begrenzung von Kapitalflüssen entgegengestellt. Das verwundert vor dem Hintergrund der schwachen fundamentalen Verfassung des Landes, der lockeren Ausrichtung der Geldpolitik und der Pläne zur Liberalisierung des Kapitalverkehrs.

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Seit der Abkehr vom Regime fester Wechselkurse, die die laufenden Schritte zur Liberalisierung des Kapitalverkehrs ergänzte, befindet sich der Renminbi in einer schwierigen Übergangsphase von einem System stark gesteuerter Wechselkurse zu einem flexibleren Regime. China hat zwar versucht, dabei schrittweise vorzugehen; doch dies ist durch das steigende Volumen der Kapitalabflüsse – sowohl von Inländern als auch Ausländern – erschwert worden. Auslöser dieser Abflüsse waren die anhaltende Unsicherheit hinsichtlich der staatlichen Interventionen am Devisen- und Aktienmarkt sowie anhaltend enttäuschende Wirtschaftsdaten. So verlangsamte sich das Wachstum in China im vierten Quartal 2015 auf den niedrigsten Wert seit der weltweiten Rezession im Jahr 2009. Der GDP Tracker – ein Wachstumsindikator von Allianz Global Investors – deutet darauf hin, dass die chinesische Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr wahrscheinlich eher um fünf Prozent anstatt der offiziell angegebenen 6,9 Prozent gestiegen ist.

Das schwächere Wirtschaftswachstum und deflationärer Druck rufen die Fiskal- und Geldpolitik auf den Plan, deuten aber auch auf das Risiko weiterer Kapitalabflüsse und stärkerer Kursschwankungen an den Finanzmärkten hin. Zwar hat die chinesische Notenbank ihre Leitzinsen im Jahr 2015 bereits fünfmal und die Mindestreserveanforderungen dreimal gesenkt, dennoch hat es zu Beginn des Jahres 2016 diesbezüglich keine weiteren Anpassungen mehr gegeben. Vielmehr hat die Notenbank die Liquiditätsversorgung durch neue, stärker marktbasierte Instrumente wie Offenmarktgeschäfte, ständige Refinanzierungsfazilitäten und Direktkredite an einzelne Banken gesteuert. Von daher sind die Liquiditätsbedingungen seit Mitte 2015 im Wesentlichen gleich geblieben, ungeachtet der Auswirkungen der Kapitalabflüsse auf die Bilanz der chinesischen Notenbank. In Zukunft scheint die chinesische Notenbank kurzfristige Liquiditätsspritzen zu bevorzugen, da große länger anhaltende Liquiditätsprogramme wie in der Vergangenheit eine weitere Abwertung des Renminbi auslösen könnten. Der Spielraum für weitere Anreizmaßnahmen und Investitionen ist derzeit eher begrenzt, was Produktivitätssteigerung durch strukturelle Reformen umso dringlicher macht. Daher erwarten wir, dass die chinesische Geldpolitik sich im laufenden Jahr weniger als 2015 auf Leitzinssenkung stützen wird. Dabei besteht durchaus noch genügend Spielraum zur Herabsetzung beispielsweise der Mindestreserveanforderungen, um möglicherweise einen interventionsbedingten Abfluss von Devisenreserven auszugleichen.

Oberste Priorität: Stabilität des Wechselkurses

Während die Stabilität des Wechselkurses im gegenwärtigen Umfeld weiterhin oberste Priorität genießt, sollte der Renminbi nicht zu lange stabil bleiben, da China nach wie vor mit schwachem Außenhandel und anhaltenden Kapitalabflüssen zu kämpfen hat. Vor diesem Hintergrund hat der Chef der Notenbank, Zhou Xiaochuan, während der chinesischen Neujahrsferien Sorgen um eine Abwertung des Renminbi als unbegründet dargestellt und betont, dass die Regierung keinen solchen Schritt zur Förderung der Exporte oder des Wirtschaftswachstums beabsichtigt. Die offiziellen Angaben zu den Devisenreserven Chinas – die von ihrem Höchststand im Juni 2014 von fast vier auf 3,2 Billionen US-Dollar im Februar 2016 gesunken sind – deuten auf anhaltende Interventionen zur Stützung des Renminbi hin. Die Kapitalabflüsse sind eng mit der Abwertung des Renminbi korreliert, doch spiegelt diese Entwicklung auch die anhaltende Verschlechterung der Kapitalbilanzen der Schwellenländer weltweit wider. So sind die Devisenreserven der Emerging Markets insgesamt im Jahr 2015 um mehr als eine Billion US-Dollar zurückgegangen.




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