Aufbruch mit Hindernissen

Indien ist ein Land der gigantischen Gegensätze. Armut, Korruption, mangelnde Infrastrukturen sind nach wie vor ein Problem. Dennoch beeindruckt das enorme Wachstumspotenzial der indischen Wirtschaft die Finanzwelt.

Indiens Währungsreform im November 2016 war dilettantisch vorbereitet. Dennoch könnten kleine und mittelgroße indische Unternehmen von Premierminister Narenda Modis Initiative profitieren, da es der Schattenwirtschaft an den Kragen gehen soll.

Extremer als in Indien könnten die Gegensätze kaum ausfallen. Auf der einen Seite hat das südasiatische Schwellenland Hightech-Unternehmen hervorgebracht, die sich eine führende Position auf den Weltmärkten erobert haben. Auf der anderen Seite grassieren Armut, Mangelwirtschaft und Korruption. Egal ob Straßen, Bahnlinien, Wasserversorgung oder Kraftwerke – die öffentliche Infrastruktur befindet sich vor allem in den ländlichen Regionen immer noch auf dem Niveau eines Entwicklungslandes. Und wenn doch einmal größere Fortschritte auf die Tagesordnung gesetzt werden, steht häufig die Bürokratie im Weg. Zu viele Gremien reden mit, Entscheidungen fallen erst nach langwierigen Verfahren und natürlich gehen auch in den Verwaltungen Gefälligkeiten vor Effizienz.

Indiens (eigentlich) gute Voraussetzungen

Trotzdem bringt Indien gute Voraussetzungen mit, zu den höher entwickelten Volkswirtschaften aufzuschließen. Die ehemaligen britischen Kolonialherren haben neben Hindi auch Englisch als Amtssprache verankert; Staatsform ist die parlamentarische Demokratie. Damit bestehen gute Voraussetzungen, sich in den wachsenden Welthandel einzubringen. Zudem kann das weitläufige Land auf ein großes Reservoir an gut ausgebildeten Arbeitskräften zurückgreifen. Indien zählt momentan schätzungsweise knapp 1,3 Milliarden Einwohner und ist China in dieser Hinsicht dicht auf den Fersen. Mit 2,1 Billionen US-Dollar erwirtschaftet das Land bis jetzt gerade einmal ein Neuntel der Wirtschaftsleistung der USA. Investoren jedoch goutieren den gigantischen Nachholbedarf des Subkontinents. Einen Vorgeschmack auf dieses schlummernde Potenzial gaben die vergangenen Jahre, in denen der Wirtschaftsmotor so richtig auf Touren kam. Als Nettoimporteur von Rohstoffen zählte Indien zuletzt auch zu den Profiteuren des Ölpreisrückgangs.

Im Frühjahr 2014 ging ein Ruck durchs Land. Mit Narendra Modi gewann ein wirtschaftsfreundlicher Reformer die Nationalwahlen. Der liberal-konservative Premierminister vereinte sogar die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich. Modi leitete überfällige Reformen ein und agierte dabei zunächst sehr geschickt. Er sagte Korruption und Bürokratie den Kampf an, hielt die Preise für Grundnahrungsmittel niedrig und startete Milliardeninvestitionen zur Modernisierung der rückständigen Infrastruktur. Der wirtschaftsfreundliche Kurs zahlte sich schnell aus: Die Konjunktur florierte, die Inflation sank, die Staatsfinanzen blieben ausgewogen und die Notenbank erfreute sich stattlicher Währungsreserven.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt