Ausschüttungen erreichen Allzeithoch

Die weltweiten Dividendenzahlungen legten im 2. Quartal um 12,9% zu und kletterten auf die Rekordsumme von USD 497,4 Milliarden. In fast allen Regionen stiegen die absoluten Ausschüttungen.  Eine aktuelle Studie von Janus Henderson Investors zeigt, dass in zwölf Ländern neue Rekorde aufgestell wurden.

Wechselkurseffekte trugen wesentlich zu einem höheren absoluten Dividendenwachstum bei. Dennoch war auch der wichtigste Trend-Indikator, das bereinigte Wachstum der globalen Ausschüttungen, mit 9,5% so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr.

Im 2. Quartal spielt Europa (ohne Großbritannien) eine dominierende Rolle, da in diesem Zeitraum zwei Drittel der jährlichen Ausschüttungen in der Region fließen. Das bereinigte Dividendenwachstum war dort so hoch wie zuletzt im 2. Quartal 2015. Die europäischen Unternehmen schütteten die Rekordsumme von USD 176,5 Milliar­den aus, was einen Anstieg um 18,7% gegenüber dem Vorjahr bedeutete. Darin spiegelten sich die höheren Unternehmensgewinne wider, die 2017 erwirtschaftet worden waren. Das um den Währungseffekt (die europäischen Währungen notierten höher als im 2. Quartal des Vorjahres) und andere, weniger bedeutsame Faktoren bereinigte Wachstum lag bei 7,5%. In Frankreich, Deutschland, der Schweiz, den Nie­der­landen, Belgien, Dänemark und Irland wurden neue Rekorde aufgestellt.

In Deutschland trugen vor allem Sonderdividenden und der festere Euro maßgeblich zu diesem Ergebnis bei. Auch bereinigt zeigten die Dividenden ein signifikantes Wachstum von 9,2%. In den letzten Jahren haben massive Kürzungen bei einzelnen großen deutschen Unternehmen die ansonsten erfreuliche Entwicklung beeinträchtigt. Nur die Deutsche Bank senkte im 2. Quartal ihre Ausschüttung je Aktie. Seit 2014 ist die Dividende des Geldhauses um rund 80% gesunken. Hintergrund sind Probleme bei der Behebung struktureller Schwächen. Bei anderen Unternehmen, die ihre Dividenden in der Vergangenheit stark gekürzt hatten, sind die Zahlungen an die Aktionäre wieder deutlich gestiegen. So hat beispielsweise VW seine Ausschüttungen nach der Erholung vom Abgasskandal nahezu verdoppelt und der Energiekonzern E.ON erhöhte seine Dividende um 60%.  Daimler, BMW und SAP erreichten ebenfalls zweistellige Zuwächse (auf bereinigter Basis). Zusammen haben die fünf genannten Firmen fast die Hälfte zum Dividendenwachstum in Deutschland beigetragen.

In den USA stiegen die Ausschüttungen um 4,5% auf ein Allzeithoch von USD 117,1 Mil­liarden. Das um niedrigere Sonderdividenden und Indexänderungen bereinigte Wachs­tum erreichte mit 7,8% den höchsten Wert seit zwei Jahren. Wenngleich die US-Divi­denden im 2. Quartal etwas langsamer gestiegen sind als im globalen Durchschnitt, war ihr Wachstum in der Vergangenheit doch stetiger als in jeder anderen Region – nur in vier Quartalen wurde innerhalb der letzten zehn Jahre ein Rückgang registriert. Nur 2% der US-Unternehmen senkten die Ausschüttung. Besonders zu erwähnen ist hier General Electric, dessen Dividendenkürzung das Gesamtwachstum der Ausschüttungen in den USA um ein Zehntel schmälerte. Gründe waren die Einleitung eines Restrukturie­rungsprogramms und Bemühungen des Mischkonzerns um einen Schuldenabbau. In Kanada wuchsen die Dividenden erneut schneller als in den USA.

In Japan bildet das 2. Quartal den Höhepunkt des Dividendenjahrs, und das starke absolute Wachs­tum von 14,2% (bereinigt: 12,3%) dort hatte einen spürbaren Effekt auf das globale Gesamt­ergebnis. Mit USD 35,9 Milliarden erreichten die japanischen Ausschüttungen einen neuen Rekord. Bekannte Großunternehmen wie NTT DoCoMo und Mitsubishi erhöhten ihre Dividenden um fast 25%.

In anderen asiatischen Ländern sorgten stattliche Sonderdividenden für einen rasanten Anstieg der absoluten Ausschüttungen, doch auch das bereinigte Wachstum war mit 13,5% in Hongkong und 46,9% in Singapur beeindruckend. In Singapur nutzte DBS Gewinnsteigerungen und Liquiditäts­über­schüsse für eine üppige Dividendenerhöhung. Die Großbank steuerte im Berichtsquartal rund die Hälfte zum Dividendenwachstum in der Wirtschaftsmetropole bei. In Hongkong leistete China Mobile den größten positiven Beitrag. In den Schwellenländern hob Sinopec, der weltgrößte Ölproduzent, seine Dividende auf fast das Dreifache an. Gründe dafür waren höhere Gewinnmargen im Raffinerie­geschäft und ein besserer Umsatz-Mix des chinesischen Konzerns.

Die starke Zunahme der Ausschüttungen in allen Regionen der Welt hat Janus Henderson veranlasst, seine Prognose für das bereinigte Dividendenwachstum im Gesamtjahr 2018 von 6,0% auf 7,4% anzuheben. Allerdings hat das Wiedererstarken des US-Dollars einen negativen Effekt, die Wechselkurse für die Umrechnung der Dividenden in US-Dollar werden in der zweiten Jahreshälfte ungünstiger ausfallen. Die Prognose von Janus Henderson für 2018 bleibt aus diesem Grund unverändert bei USD 1,358 Billionen – das entspricht einem absoluten Dividendenwachstum von 8,6% gegenüber dem Vorjahr.

Ben Lofthouse, Head of Global Equity Income bei Janus Henderson, sagte: „Das 2. Quartal übertraf unsere Erwartungen in allen Regionen der Welt. Dividendenorientierte Anleger können sich über Rekordausschüttungen und ein kräftiges Wachstum freuen. Potenzial für weitere Steigerungen ist ebenfalls vorhanden. Selbst in Regionen wie Europa, die bei Anlegern gerade nicht sehr gefragt sind, geht der Anstieg der Ausschüttungen weiter, angetrieben vom Wirtschafts- und Gewinnwachstum.

Mit Blick auf die Zukunft gilt es zu bedenken, dass die sich verschärfenden Zollkonflikte mit den USA die Unternehmensgewinne bremsen könnten – in wel­chem Maße, ist zurzeit allerdings noch völlig ungewiss. Wir bleiben dennoch optimistisch, dass die Unternehmen ihre Gewinne im nächsten Jahr insgesamt weiter steigern werden. In wichtigen Teilen der Welt, beispielsweise in Japan, haben zudem die Ausschüttungsquoten noch Luft nach oben. Die Dividenden sind auf jeden Fall weniger volatil als die Gewinne und wir sind zuversichtlich, dass auch 2019 ein Jahr wird, in dem das globale Ergebnis auf bereinigter Basis erneut wachsen wird. Die Entwicklung des US-Dollars kann das absolute Dividendenwachstum im kommenden Jahr beein­träch­tigen; längerfristig fallen Wechselkurseffekte allerdings kaum ins Gewicht.“




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