Evolution versus Revolution: Banken der Zukunft

Digitale Anwendungen transformieren die Welt der Finanzdienstleistungen – allen voran das Bankwesen. Israels Fintech-Szene gestaltet den Wandel federführend mit.

Der tiefgreifende technische Wandel der letzten Jahrzehnte hat sowohl die Bankenlandschaft als auch die Art der Interaktion zwischen Banken und Kunden grundlegend verändert. Die Fortschritte und Entwicklungen in der Telekommunikation, der IT und in Finanztheorie und -praxis, gefolgt von der sogenannten Fintech-Revolution bescherten der Finanzwelt neue Technologien, alternative Einrichtungen und Anwendungen für Finanzaktivitäten, die einst ausschließlich von Banken betrieben wurden.

Bankfilialen auf dem Rückzug

In unserem digitalen Zeitalter erlebt der Kunde die Bank hauptsächlich durch Anwendungen und Mensch-Maschine-Schnittstellen. Diese Entwicklung geht mit einer massiven Reduzierung der Anzahl und Größe von Bankfilialen einher. Heute liegt die Zahl der Bankfilialen im Vereinigten Königreich wieder auf dem Stand von vor 60 Jahren; in Schweden hat sich die Anzahl seit 2008 um 40 Prozent verringert. In den USA haben Banken wie Chase und Wells Fargo in den letzten vier Jahren mehr als 15 Prozent ihrer Filialen geschlossen. Ein Blick auf die Filialgröße macht diesen Trend noch deutlicher: Die amerikanische Bank Wells Fargo zum Beispiel hat die Fläche ihrer Filialen in den vergangenen sechs Jahren um 22 Prozent verkleinert. Der Tätigkeitsschwerpunkt von Bankangestellten liegt heutzutage eher im Verkauf renditeträchtiger Produkte als in allgemeinen Tätigkeiten wie Ein- und Auszahlungen. Dabei ist in den nächsten Jahren mit einem weiteren Rückgang physischer Bankfilialen und verstärktem Angebot digitaler Filialen zu rechnen.

Die Dienstleistungswelt bewegt sich insgesamt in Richtung der totalen Digitalisierung: Schon heute werden viele Tätigkeiten, die bis vor Kurzem noch papierbasiert waren und auf persönlichen Begegnungen beruhten, auf digitale Kanäle umgeleitet und damit zu einem rein virtuellen Erlebnis. Eine zunehmend digitale Welt erfordert auch ein neues, digitales Bankwesen. Damit wird sich auch die Art und Weise, wie Banken Wert schaffen und wie sie die Bedürfnisse ihrer Kunden erfüllen, vollkommen verändern. Innerhalb des nächsten Jahrzehnts werden die typischen Produkte physischer Banken wie Kreditkarten, Scheckbücher, Antragsformulare usw. immer weniger gebraucht und vermutlich sogar ganz verschwinden. Die Digitalisierung der Banken bringt neue Geschäftsmodelle hervor, bei denen es weniger um das Ansammeln von Geld als vielmehr um das Ansammeln von Daten geht – und darum, die Kundenprofile und -bedürfnisse anhand dieser Daten zu verstehen. Dies setzt voraus, dass die Banken die ihnen zur Verfügung stehenden Daten nutzen, um entscheidende Erkenntnisse zu erlangen, die sie in ein datenintensives Risikomanagement und maßgeschneiderte Angebote übersetzen.

Daten als Optimierungsressource

Jeder digitale Kunde generiert bei seinen online ausgeführten Finanzaktivitäten riesige Datenmengen. Die Banken der Zukunft müssen deshalb mit Tools ausgestattet sein, die enorme Datenmengen bearbeiten können, um Analysen, Vorhersagen und Entscheidungsoptimierung in Echtzeit zu ermöglichen.

Wie Chris Skinner in seinem Buch „Digital Bank“ (2014) erklärt, liegt die Komplexität des Digitalisierungsprozesses unter anderem in der Struktur der Banken, deren Systeme meist aus mehreren, komplexen, aber auch historisch gewachsenen Ebenen bestehen. In dieser organisch entstandenen Struktur sind die einzelnen Ebenen voneinander getrennt und schwer zu integrieren, denn Banken bauten ursprünglich auf einem physischen Vertriebsmodell
auf – die elektronische Ebene kam erst später dazu. In der heutigen Welt sollten Banken jedoch als digitales Vertriebsmodell organisiert werden. Weiterhin argumentiert Skinner in seinem Buch, dass die Banken diejenigen Bereiche herausstellen müssen, in denen sie sich vom Wettbewerb abheben. Sie müssen sich darauf konzentrieren, in diesen Bereichen herausragende Wertbeiträge zu liefern und andere Finanzaktivitäten digitalen Prozessen und neu entwickelten Technologien überlassen.




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