Bankkonten für alle

In Schwellenländern haben viele Menschen noch immer kein Bankkonto. Die Erschließung der Finanzmärkte hat viel unternehmerisches Potenzial, doch viele haben das noch nicht erkannt.

Rund die Hälfte der Weltbevölkerung im erwerbsfähigen Alter gilt als „banklos“: Sie hat nicht einmal ein einfaches Konto. Neue Technologien helfen, Versorgungslücken im Bankwesen zu schließen. Sie unterstützen zudem Schwellenländer und Frontier Markets dabei, Industrieländer einzuholen. Die Verbreitung von Finanzprodukten und -dienstleistungen sorgt für dramatische Veränderungen in den Schwellenländern – und für Anlagechancen.

Geld auf die Bank zu bringen oder ein Konto kurzfristig zu überziehen, gehört für viele Menschen zum Alltag. Das gilt allerdings nicht für rund 1,7 Milliarden Menschen weltweit. 94 Prozent der Erwachsenen in entwickelten Volkswirtschaften haben ein Bankkonto, in Entwicklungsländern sind es nur 63 Prozent. Während mehr Konsumenten Bankkonten besitzen als je zuvor, bleibt der Geschlechterunterschied in den Entwicklungsländern unverändert bei 8 Prozentpunkten (67 Prozent bei Männern gegenüber 59 Prozent bei Frauen).

Allerdings wird einiges unternommen, um das zu ändern. Regierungen weltweit gehen an die Arbeit: Der Weltbank zufolge haben sich seit 2010 über 55 Länder für die finanzielle Eingliederung engagiert, über 30 von ihnen befassen sich mit der Einführung oder Entwicklung von landesweiten Strategien.

Schwellenländer: klassische Bankfilialen sind überflüssig

In den meisten Fällen ist die geringe Verfügbarkeit von Bankdienstleistungen ein Schwellenlandproblem. Nahezu die Hälfte der in dieser Hinsicht unterversorgten Weltbevölkerung lebt in einem dieser sieben Länder: China, Indien, Pakistan, Indonesien, Nigeria, Mexiko und Bangladesch.

Erwachsene ohne Bankkonto nach Volkswirtschaften (in Prozent; Quelle: Global Findex Database)

Dank des technologischen Fortschritts bessert sich die Lage in abgelegenen Regionen, da der Zugang zu Finanzprodukten nicht länger von Bankfilialen abhängt. Die Versorgung mit Internetzugängen und Mobiltechnologie verbessert sich laufend. Somit dürfte sich die Versorgungslücke bei Finanzdienstleistungen immer schneller schließen: 2014 nutzten 42 Prozent aller Erwachsenen mindestens einmal den digitalen Zahlungsverkehr, im Jahr 2017 waren es bereits 52 Prozent.

Die finanzielle Eingliederung sowie die umfassendere wirtschaftliche Formalisierung vieler Schwellenländer sind zentrale Aspekte des Fortschritts. Langfristige strukturelle Veränderungen wie der Übergang von Barzahlungen zum elektronischen Zahlungsverkehr und der Trend zu Zahlungen über Mobilgeräte dürften Geschäftsmodellen für Finanzdienstleistungen zugutekommen. Dies gilt insbesondere für Unternehmen in den sogenannten Frontier Markets und den Schwellenländern, in denen der Markt das Potenzial des Wandels noch nicht erkannt hat.

Entwicklung der Finanzmärkte als Schlüsselfaktor für Lateinamerika

Brasilien ist ein Paradebeispiel: Das Land zählt zu den größten Schwellenländern und dennoch wandelt sich die Finanzindustrie nur zaghaft. Im Jahr 2017 besaßen nur 27 Prozent der über 15-jährigen BrasilianerInnen eine Kreditkarte. Nahezu die Hälfte (48 Prozent) aller Konsumausgaben werden in Brasilien bar bezahlt. Itau Unibanco gehört zu den Unternehmen, die vom technologischen Fortschritt im Banking profitieren dürften. Die seit 1993 börsennotierte Gesellschaft ist die meiste Zeit sehr profitabel und hat sich selbst bei Konjunktureinbrüchen behauptet. Die anhaltende Schwäche der staatlichen Banken kommt Itau Unibanco zugute. Ihre Bilanz ermöglicht zudem weiteres mittelfristiges Wachstum ohne Gefahr der Kapitalverwässerung.




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