Bauzinsen markieren erneut historische Tiefststände

Jörg Haffner, Geschäftsführer der Qualitypool GmbH

Lübeck, 11. Juli 2019 – Die geldpolitische „Taube“ Christine Lagarde wird voraussichtlich die Nachfolgerin von EZB-Chef Mario Draghi. Fed-Chef Powell machte den Weg frei für mögliche Zinssenkungen. Und die Bauzinsen sanken in den letzten Wochen noch einmal auf neue Tiefststände.

Das Rennen um die Nachfolge für den EZB-Chefposten hat eine entscheidende Wendung genommen: Christine Lagarde wurde offiziell als EZB-Präsidentin nominiert und soll beim EU-Gipfel im Oktober endgültig ernannt werden. „Die bisherige IWF-Chefin Lagarde wird vom Markt als ‚Taube‘ eingeordnet. Folglich ist davon auszugehen, dass sich die bisherige lockere Geldpolitik der EZB nach ihrer Ernennung fortsetzen wird“, kommentiert Jörg Haffner, Geschäftsführer der Qualitypool GmbH. „Darüber hinaus wird es äußerst spannend, wie Lagarde, die keine klassische Notenbankerin ist und als IWF-Chefin auch politisch Stellung bezogen hat, ihre Rolle als EZB-Präsidentin gestalten wird.“

Gleichzeitig spekuliert der Markt deutlicher auf eine Zinssenkung des aktuellen EZB-Rats Ende Juli oder – noch wahrscheinlicher − bei der folgenden Sitzung im September. Eine dauerhaft niedrige Inflation und konjunkturelle Schwierigkeiten wecken bei der EZB zunehmend Bereitschaft für neue geldpolitische Maßnahmen. Haffner ergänzt: „Aktuell wartet der Rat auf weitere Konjunkturdaten, um auf deren Basis eine endgültige Entscheidung zu treffen. Für eine anhaltende Schwächeperiode sprechen derzeit auch verhaltene Zahlen etablierter Unternehmen, z. B. der korrigierte Ausblick von BASF und die Nachricht, dass im verarbeitenden Gewerbe mehr Kurzarbeit eingeführt wird.“

Dass die Fed kurz vor einer Zinssenkung steht, galt in den vergangenen Wochen als ziemlich sicher. Zumindest bis die neuesten Arbeitsmarktdaten veröffentlicht wurden, die deutlich besser ausfielen als erwartet. „Fed-Chef Jerome Powell gab inzwischen bei einer Anhörung vor dem US-Kongress den weiteren Kurs vor, indem er betonte, dass die Chancen für eine Zinssenkung zugenommen haben. Die Gründe dafür sind aus Sicht der Fed die weltweite Abkühlung der Konjunktur und die internationalen Handelskonflikte. Auch die US-Inflation ist zuletzt deutlicher zurückgegangen als erwartet. Das alles spricht für eine Leitzinssenkung der Fed Ende Juli.“

„Für die Bestzinsen für Baufinanzierungen ging es seit Anfang Juni noch etwas abwärts. Bei den 10-jährigen Zinsbindungen sank der Zinssatz von 0,74 auf 0,71 Prozent, bei den 15-jährigen von 1,08 auf 1,04 Prozent“, fasst Haffner die jüngste Zinsentwicklung zusammen. „Die historischen Tiefststände wurden bereits unterboten. Die Aussicht auf eine dauerhaft lockere Geldpolitik unter Führung von Christine Lagarde scheint zusätzlich auf den Anleihe- und Zinsmarkt gedrückt zu haben.

Inzwischen ist bei den Swapsätzen seit einigen Tagen eine leichte Aufwärtsbewegung zu erkennen. Das spricht dafür, dass die Nachrichten vorerst verarbeitet wurden und der Markt durchschnauft. Unsicherheiten durch Handelskonflikte, die schwächelnde Konjunktur und geldpolitische Maßnahmen der Zentralbanken bleiben aber bestehen.“

Mit Blick auf Vermittler und deren Finanzierungskunden fährt Haffner fort: „Für Immobilienkäufer bedeutet die jetzige Situation auf den Punkt gebracht: Erstens erhalten sie für ihre Baufinanzierungen so niedrige Zinssätze wie niemals zuvor. Und zweitens hat sich die Chance auf eine noch ausgedehntere Periode mit sehr niedrigen Zinssätzen noch einmal vergrößert.“

Tendenz:
Kurzfristig: seitwärts
Langfristig: leicht steigend




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