BMO Global Asset Management benennt die Markttreiber für 2020

Steven Bell, Chefökonom, BMO Global Asset Management

BMO Global Asset Management hat heute seinen jährlichen Global Investment Forum Bericht veröffentlicht, der detaillierte Perspektiven zu Schlüsselthemen und Asset Allocation von BMO GAM’s Investmentmanagern, Ökonomen und Strategen aus aller Welt enthält.

Der Bericht des Global Investment Forum blendet den täglichen Marktlärm aus und konzentriert sich auf die mittelfristig relevantesten Marktimpulse. Im Folgenden skizziert BMO Global Asset Management die sechs wichtigsten Markttreiber, die anlässlich des Global Investment Forum 2019 identifiziert wurden:

Auf dem Weg zu einer US-Rezession?

Die Besorgnis über eine mögliche Rezession in den USA nimmt zu. Diese Befürchtungen wurden durch die inverse Zinsstrukturkurve der Treasury-Anleihen verstärkt, die in der Vergangenheit als zuverlässiges Frühwarnsystem für Rezessionen fungiert hat. Handelsspannungen erhöhen die Risiken: Ein Zoll von 25 Prozent würde das chinesische Wachstum um 1 Prozent und das US-Wachstum um 0,5 Prozent verringern. Die direkten Auswirkungen mögen begrenzt sein, aber trotzdem sinkt das Vertrauen der Unternehmen und Investitionen werden in Mitleidenschaft gezogen. Die US-Wirtschaft hat sich sicherlich verlangsamt, aber eine Rezession ist auf kurze Sicht nicht zu erkennen. Die Federal Reserve hat die Zinsen bereits gesenkt und es besteht noch Spielraum für weitere Maßnahmen. Die Konsumenten, die sich ihrer Arbeitsplätze sicher sind und angemessene Lohnerhöhungen bekommen, halten die Höhe ihrer Ausgaben gerne weiterhin aufrecht. Und da 2020 ein Wahljahr ist, wird Präsident Trump bestrebt sein, ein Handelsabkommen mit China zu schliessen. Ein diesbezüglicher Erfolg würde ihm Stimmen einbringen und damit die Gemütslage der Bevölkerung verbessern.

Für die Weltwirtschaft steht „Durchwurschteln“ auf der Tagesordnung, da der Produktionssektor sich nur langsam erholt.

Anhaltende Unsicherheit nach Brexit

Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union wird zweifellos und in vielerlei Hinsicht ein Erdbebenszenario für das Land mit sich bringen. Die EU ist mit Abstand der größte Handelspartner des Vereinigten Königreichs, und die Finanzmärkte und einige Ökonomen erwarten eine schwere britische Rezession bei einem Brexit ohne Abkommen. Wenn das Vereinigte Königreich die EU ohne Deal verlässt, erwartet der Markt, dass die Bank of England die Zinsen senkt und weitere Anstrengungen unternimmt, die Geldpolitik zu lockern. Während der potenzielle Wachstumseinbruch durch ein No-Deal-Ergebnis sehr ernst zu nehmen ist, würde ein dynamischer britischer Dienstleistungssektor dennoch weiterhin erfolgreich auf der ganzen Welt tätig sein. Tiefere Auswirkungen von Brexit waren in der politischen Arena zu spüren, da die Wiedervereinigung Irlands und die schottische Unabhängigkeit scheinbar näher rückten. Die britische Politik könnte möglicherweise weiter polarisieren, da die Agenda der Labour Party zum Thema Massenverstaatlichung die Perspektiven für Versorgungsunternehmen trübt. Selbst wenn es ein Abkommen gäbe, müsste das Vereinigte Königreich noch über seine künftigen Beziehungen zur EU im Bereich des Handels und einer Vielzahl anderer Bereiche verhandeln. Das politische Risiko und die wirtschaftliche Unsicherheit dürften anhalten.

Optionen für die Geldpolitik neigen sich dem Ende zu

Angesichts des Tiefststands der Zinssätze und der offenbar nachlassenden Wirkung der Ankaufsprogramme für Finanzanlagen gehen den Zentralbanken die geldpolitischen Optionen zur Bewältigung der nächsten globalen Konjunkturabschwächung aus. Die Fiskalpolitik gewinnt als nächste Lösung zunehmend an Rückhalt, wobei sich die Befürworter der „Modernen Geldtheorie“ für die Nutzung der quantitativen Lockerung zur Finanzierung der Staatsausgaben einsetzen. Angesichts der niedrigen und stabilen Inflation, die ihnen mehr Flexibilität gibt, sprechen die Zentralbanken von der Notwendigkeit einer fiskalischen Expansion, und die Spekulationen nehmen zu, dass sie zur Finanzierung grüner Politik verwendet werden könnten.

Das Ende der Globalisierung?

Die letzten 25 Jahre standen im Zeichen der Globalisierung. Angetrieben von der Geburt des Internets und der Entstehung multinationaler Technologieriesen ist die Internationalisierung ein Phänomen, das eine beispiellose Expansion des Handels und der Finanzströme bewirkt hat. Aber das Pendel scheint jetzt in die entgegengesetzte Richtung zu schwingen. Sowohl Stimmen der politischen Linken als auch der politischen rechten Seite lehnen die Globalisierung ab, weil sie entweder zu kapitalistisch oder zu zentralistisch sei. Der Rückzug der USA aus der globalen Führung dürfte diesen Strömungen Auftrieb verschaffen. Da China auch in seiner Wirtschaftspolitik introspektiver wird, beginnt die Globalisierung der Regionalisierung Platz zu machen. Jegliche Verlagerung auf die Regionalisierung wird wahrscheinlich zunehmende wirtschaftliche und politische Risiken mit sich bringen. Es ist zwar nicht zu erwarten, dass die Globalisierung sich umkehren wird. Sie ist aber ins Stocken geraten, und die rasante wirtschaftliche Expansion der letzten zwei Jahrzehnte wird sich wahrscheinlich nicht wiederholen.

Die Herausforderung der Dekarbonisierung hält an

Es gibt kein aktuelleres und relevanteres Thema im Zusammenhang mit dem Klimawandel als die Notwendigkeit, die Weltwirtschaft zu dekarbonisieren. Das Vereinigte Königreich, Frankreich und Schweden gehören nun zu den Ländern, die sich das Ziel gesetzt haben, Netto-Null-Kohlenstoffemissionen zu erreichen. In der Zwischenzeit haben große Unternehmen wie Amazon.com, Daimler und Duke Energy, eines der größten Elektrizitätsunternehmen der USA, ihre eigenen Nettoverpflichtungen zur CO2 Neutralität formuliert. Um das Ziel von Null Netto-Kohlenstoffemissionen zu erreichen und einen gefährlichen globalen Temperaturanstieg zu verhindern, muss die Bevölkerung die derzeitige Lebensweise grundlegend verändern. Der Weg zur Dekarbonisierung ist in einigen Sektoren einfach. In der Energieerzeugung zum Beispiel stellen die erneuerbaren Energien einen immer größeren Anteil – bei sinkenden Preisen. Problematischer ist es jedoch, eine wachsende Weltbevölkerung klimaneutral zu ernähren. Die Technologie der negativen Emissionen bietet die Hoffnung, dass der CO2-Haushalt ausgeglichen werden kann, aber das Tempo dieser Art von Innovation muss beschleunigt werden.

Möglicher Zusammenbruch des deutschen Automobilsektors

Der weltweite Verkauf großer Mengen an hochwertigen Automobilen war in den letzten Jahrzehnten die Grundlage für die Wirtschaftskraft Deutschlands. Doch mit dem Beginn der strukturellen Umstellung auf Elektrik ist dieses sehr erfolgreiche Modell in Gefahr. Da auch andere Schlüsselbranchen wie Chemie und Kunststoffe vor Herausforderungen stehen, wird die wirtschaftliche Dominanz Deutschlands auf den Prüfstein gelegt. Das Ausmaß könnte so umfassend werden, dass Frankreich mit seiner geringen Abhängigkeit von Autoexporten und den jüngsten Arbeitsmarktreformen die Wirtschafts-Führung innerhalb der Eurozone übernehmen könnte.

Aufgrund der obengenannten Einschätzungen kommt BMO Global Asset Management mit Hinblick auf die übergreifende Asset Allocation zum Schluss, dass die Stimmung bei Aktien angesichts der allgemein gemäßigten Rhetorik der wichtigsten Zentralbanken und der angemessenen Performance der Unternehmensgewinne insgesamt positiv bleibt. Die Positionierung in Bezug auf Staatsanleihen ist neutral, wo der Nutzen einer unterstützenden Geldpolitik und einer niedrigen Inflation durch überzogene Bewertungen und extrem niedrige Renditen ausgeglichen wird. Auch in den Schwellenländern lasten üppige Bewertungen auf dem Kreditmarkt, aufgrund der unterstützenden Zentralbankpolitik und der niedrigen globalen Inflation sieht der Markt für Schwellenländer-Staatsanleihen aber besser aus. Bei Währungen ist die Positionierung gegenüber dem US-Dollar angesichts der Aussicht auf eine weitere Lockerung durch die Federal Reserve negativ. Der Ausblick für Euro und Yen ist aufgrund relativer Bewertungsüberlegungen positiv.

Steven Bell, Chefökonom, BMO Global Asset Management, kommentiert: „Die Gesamtnachfrage wird sich unserer Ansicht nach zwar verlangsamen, wir haben aber nicht das Gefühl, dass wir uns einer Rezession nähern. Die Gewinne sind hoch, die Erträge steigen, und die Verbraucher haben ihre Ersparnisse aufgestockt, was zu einem weiteren Zufluss in die Wirtschaft führen wird. Wir haben wichtige Chancen identifiziert und Bereiche hervorgehoben, in denen wir Risiken wie die Inflation sehen. Wir glauben, dass die größte Chance für 2020 darin besteht, in Risikoaktiva zu investieren, von denen wir erwarten, dass sie im kommenden Jahr outperformen werden.“




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