Brexit würde Großbritannien teuer zu stehen kommen

Der Finanzplatz London gibt bei dem Börsengeschehen in Europa eindeutig den Ton an. Ein Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU würde daher auch die Kapitalmärktestark beeinflussen. Dies meint auch Euan Munro, Chef bei Aviva Investors.

Das Ergebnis des bedeutsamen Referendums in Großbritannien über den zukünftigen Verbleib des Königreichs in der EU steht noch in den Sternen. Wir behaupten, nicht mehr zu wissen als die Meinungsforscher und Buchmacher, die das Ergebnis auf der Kippe sehen. Mehr Vertrauen haben wir hingegen in unsere Ansicht, dass der sogenannte Brexit einen negativen Einfluss auf die britische Wirtschaft und die Preise von Finanzanlagen haben wird. Im Folgenden bündeln wir die Ansichten unseres Teams von Ökonomen und Anlageexperten, um Investoren bei ihren Anlageentscheidungen zu unterstützen.

Am 23. Juni 2016 muss die britische Bevölkerung eine der folgenschwersten Entscheidungen treffen, mit der sie seit langer Zeit konfrontiert wurde. Die Argumente dafür und dagegen sind nicht nur politischer, sondern auch wirtschaftlicher Natur. Für Investoren ist es nun wichtig, die finanziellen und wirtschaftlichen Auswirkungen eines Brexits genauer unter die Lupe zu nehmen.

Artikel 50

Ein Beschluss, die EU zu verlassen, würde von der britischen Regierung verlangen, Artikel 50 der EU-Verträge auszulösen. Dieser verpflichtet die EU dazu, über ein Austrittsabkommen zu verhandeln. Natürlich wäre es das erste Mal, dass Artikel 50 ausgelöst werden würde, womit das genaue Prozedere im Anschluss etwas ungewiss bleibt. Die Bedingungen des Austritts müssten mit einer Frist von zwei Jahren ausgehandelt werden, in der eine Einigung erzielt werden muss (es sei denn, es gibt eine einstimmige Entscheidung für eine Verlängerung der Verhandlungszeit). Während dieser Verhandlungen bliebe Großbritannien ein Vollmitglied der EU, mit unverändertem Zugang zum Binnenmarkt. Da jedoch sowohl die Bedingungen als auch der Zeitplan eines Abkommens sehr ungewiss sein würden, erwarten wir erhebliche Beeinträchtigungen für Investitionsentscheidungen. Insbesondere stark in die EU exportierende Unternehmen wären davon betroffen. Tatsächlich würden wir sowohl komplexe als auch schwierige Verhandlungen erwarten. Die EU-Volkswirtschaften befinden sich aufgrund der globalen Finanzkrise und der europäischen Schuldenkrise nach wie vor in einem fragilen Zustand. In vielen Ländern haben nationalistische Bewegungen an Zuspruch gewonnen und drohen, den Block zu destabilisieren. Wir gehen davon aus, dass die EU-Chefs Großbritannien keinen Freifahrtschein ausstellen werden, aus Angst, andere Länder zu ermutigen, das Gleiche zu tun. Darüber hinaus glauben wir, dass einige in der EU die Gelegenheit nutzen könnten, Großbritannien Marktanteile abzunehmen, zum Beispiel im Finanzdienstleistungsbereich.




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