Das Dilemma der Sparer im Euroraum

Für Sparer besteht ein Handlungsbedarf, mittelfristig droht eine Abkühlung der Wirtschaft in Europa. Adrian Daniel, Fondsmanager bei MainFirst, rät zu eine globaleren und langfristigeren Portfolioausrichtung.

Europäische Sparer werden ihr Anlageverhalten anpassen müssen, um mittelfristig positive Renditen erwirtschaften zu können. Die Wachstumsdynamik im Euroraum kühle sich ab und die Niedrigzinsphase werde weiter anhalten. Sich lediglich auf die derzeit gute wirtschaftliche Situation zu stützen, ist angesichts eines Blicks auf die Frühindikatoren nicht ratsam. Ich rate Anlegern, globaler zu investieren und ihr Portfolio insgesamt stärker an langfristigen strukturellen Trends als an Konjunkturzyklen auszurichten.

Mögliche Abkühlung der Wachstumsdynamik

Zwar haben die europäischen Aktienmärkte zuletzt eine insgesamt positive Performance aufgewiesen, im globalen Vergleich fallen sie aber durch eine deutliche relative Underperformance auf. In den vergangenen sechs Jahren haben beispielsweise der MSCI EMU Index (European Economic and Monetary Union) währungsbereinigt rund 50 Prozent weniger Gewinn eingefahren als der MSCI USA. Eine globalere Ausrichtung hat sich also bereits rückwirkend ausgezahlt. In Zukunft dürfte sie aber noch wichtiger werden, denn Frühindikatoren haben Anfang des Jahres temporäre Höchstpunkte markiert und damit auf eine mögliche Abkühlung der Wachstumsdynamik im Euro-Raum gedeutet. So beispielsweise der ifo-Geschäftsklimaindex, der im November mit rund 105,2 Zählern auf einem langfristigen Hoch notierte und seitdem gesunken ist.

Der Dax befindet sich im längsten Aufschwung der Nachkriegsgeschichte, gleichzeitig befinden wir uns weiterhin in einem Niedrigzinsumfeld. Vor diesem Hintergrund stecken die Sparer im Euro-Raum vor der Herausforderung, andere Renditemöglichkeiten finden zu müssen.

Nachhaltige Erweiterung des Investmenthorizonts geboten

Denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die EZB (Europäische Zentralbank) das Zeitfenster für Zinsanhebungen verpasst – immerhin müsste sich die Europäische Zentralbank nach einem geplanten Stabwechsel Mitte 2019 zunächst sondieren. Und falls der wirtschaftliche Aufschwung in den Vereinigten Staaten kippen sollte und die Federal Reserve ihre Politik der Zinsnormalisierung beende, sei es fraglich, dass die EZB die Zinsen anheben könne. Die Renditemöglichkeiten festverzinslicher Anlagen dürfte vergleichsweise gering bleiben, während der Trend an den europäischen Aktienmärkten recht fortgeschritten erscheint.

Einen Ausweg aus dieser verzwickten Situation nur eine nachhaltige Erweiterung des Investmenthorizonts. Ich setze hier auf eine Mischung aus Anleihen und Aktien. Ich bin von einer Titelauswahl überzeugt, die nach einem langfristigen Ansatz erfolgt und sich vor allem auf strukturell wachsende Investmentthemen konzentriert. Strukturelle Trends sind für uns bedeutend wichtiger als Wirtschaftszyklen. Ihr Einfluss auf die Performance eines Portfolios ist deutlich nachhaltiger.




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