Das Mittel gegen eine Corona-Rezession sind Ausgabenprogramme

Andreas Billmeier, Sovereign Research Analyst bei Western Asset Management

Die Fed hat angesichts des Corona-Schocks die Zinsen bereits gesenkt. Europa wird einen anderen Weg gehen, ist Andreas Billmeier, Sovereign Research Analyst bei Western Asset Management, überzeugt. Ausgabenprogramme, Steuersenkungen und eine erhöhte Liquiditätsversorgung des Finanzsystems sind zu erwarten – und könnten gute Wirkungen zeigen.

 

Wird Europa eine Rezession erleben?
Billmeier: Die Eurozone als Ganzes wahrscheinlich nicht, aber einige Teile könnten in eine Rezession geraten. Das Wachstum der Eurozone wurde für das letzte Quartal 2019 mit plus 0,1 Prozent gegenüber dem dritten Quartal bestätigt. Das macht es unwahrscheinlich, dass die gesamte Eurozone nach dem, was wir jetzt über die Auswirkungen des Virus wissen, in eine Rezession rutschen wird. Denn dazu müssten sowohl Q1 wie Q2 negative Wachstumsraten zeigen – und danach sieht es nicht aus. Auf der anderen Seite ist die Wirtschaft in Frankreich und Italien im 4. Quartal 2019 geschrumpft und die Wahrscheinlichkeit einer technischen Rezession in diesen Ländern ist recht hoch.

Wie kann die Politik reagieren?
Billmeier: Mit Ausgabenprogrammen und Steuersenkungen sollte die Wirtschaft angekurbelt werden. Italien bereitet zwei Schritte vor, die ein Volumen von rund 0,3 Prozent des BIP ausmachen. Werden diese umgesetzt, werden sie das Wachstum deutlich anschieben. Zwei weitere wichtige Länder in diesem Zusammenhang sind Großbritannien und Deutschland. Im Vereinigten Königreich ist der Haushalt am 11. März fällig. Dieser Haushalt wäre ohnehin schon expansiv gewesen, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus bieten jetzt einen schönen Deckmantel, um noch mehr auszugeben. In Deutschland wird viel über den fiskalischen Spielraum durch frühere Überschüsse gesprochen. Es wäre möglich, dass diese genutzt werden, um für 2021 geplante Steuersenkungen vorzuziehen. Da diese vor allem Bezieher niedriger bis mittlerer Einkommen entlastet, sollten sie eine gute Wirkung zeigen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass andere Zentralbanken der Fed folgen werden?
Billmeier: Ziemlich wahrscheinlich, aber mit weniger Eile. Die Federal Reserve hat in einer Dringlichkeitssitzung ihre Zinsspanne schnell um 50 Basispunkte gesenkt. Dies erhöht zwar die Wahrscheinlichkeit, dass andere große Zentralbanken folgen, doch bisher sahen diese anders als die Fed keine Notfallsituation. Das zeigt, dass ein „Notfall“ immer im Auge des Betrachters liegt. Klar ist, dass viele Zentralbanken eher früher als später die Zinsen senken werden, darunter viele in Schwellenländern. In dem Maße, in dem der von Covid-19 ausgehende wirtschaftliche Schock zumindest teilweise als Nachfrageschock empfunden wird, kann eine Lockerung des geldpolitischen Kurses sinnvoll sein.

Aber was können die europäischen Zentralbanken tatsächlich bewegen?
Billmeier: Nicht viel bei den bereits erreichten Zinssätzen. Wenn die europäischen Zentralbanken den Corona-Schock als etwas ansehen, worauf sie reagieren sollten – vielleicht auch nur aus Gründen des öffentlichen Drucks – dann halten wir es für wahrscheinlich, dass die BoE die Leitzinsen senkt, einfach weil sie in einer besseren Position sind. Für die EZB ist die Hürde für eine Zinssenkung aus zwei Gründen höher: Erstens sind die Einlagenzinsen bereits im negativen Bereich. Zweitens wird es eine sehr aufwendige Kommunikationsanstrengung erfordern, um die „Notfallkürzung“ später rückgängig zu machen, ohne den Markt zu verunsichern. Die EZB wird mehr auf zusätzliche Liquiditätsversorgung achten, als eine Zinssenkung beschließen. Am Aktienmarkt werden die Europäer wohl nicht eingreifen, das spielt in Europa eine deutlich geringere Rolle als in den USA, wo Kursrückgänge die Menschen direkter betreffen.




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