„Der australische Investmentmarkt ist einzigartig“

Die Nähe zu China ist zugleich Chance und Risiko für die australische Wirtschaft. Drohen den australischen Aktien in Zeiten niedriger Rohstoffpreise und einer instabilen chinesischen Wirtschaft jetzt Kursverluste? Interview mit Portfolio Managerin Pak-Luan Yeoh über die Risiken.

Wie unterscheidet sich der australische Investmentmarkt von anderen Märkten?

Yeoh: Innerhalb der Gruppe der entwickelten Länder ist der australische Markt einzigartig. Er profitiert von strukturellen Trends wie dem Bevölkerungswachstum, das eines der schnellsten aller OECD-Länder ist, einer Regierung mit einer relativ geringen Verschuldung und einem Bergbausektor, der mit den niedrigsten Kosten weltweit abbaut, da qualitativ hochwertige Ressourcen so nah an der Oberfläche liegen.

Was macht Australien für Anleger interessant?

Yeoh: Der Unternehmenssektor ist in Australien gut konsolidiert, was ihm viel Preissetzungsmacht gibt. Der Sektor hat zudem hohe Corporate-Governance- Standards, eine Kultur effizienten Kapitalmanagements und hohe Dividendenauszahlungen. Der Markt bietet daher attraktive Dividendenrenditen. Australien hat es geschafft, andere entwickelte Märkte über einen langen Zeithorizont hinweg outzuperformen. Laut der Quellsammlung weltweiter Investitionsrenditen, die im Februar 2016 von Credit Suisse veröffentlicht wurde und die Kapitalrenditen von 21 Ländern über 115 Jahre lang untersucht, haben australische Beteiligungspapiere insgesamt die höchsten Rückflüsse innerhalb der entwickelten Länder erwirtschaftet. Betrachtet man alle 21 untersuchten Länder, so liegt Australien ebenfalls weit vorn, auf Platz zwei. Das Land profitiert außerdem von seiner Nähe zu Asien, wo das Wirtschaftswachstum eines der schnellsten der Welt ist. Über die nächsten Jahre wird Australiens Attraktivität für die asiatische Mittelklasse als Ziel für Tourismus, Bildung und Investitionen eine Schlüsselkraft des Wirtschaftswachstums werden.

Wie würden Sie Ihren Investmentansatz beschreiben?

Yeoh: Ich verwende eine recherchebasierte Bottom-up-Aktienauswahl und konzentriere mich darauf qualitative Unternehmen mit hohen Kapitalflüssen und robusten Bilanzen zu finden, die zudem angemessen bewertet sind. Ich achte weniger auf die Gewinnentwicklung eines Unternehmens, da gemeldete Gewinne leichter manipulierbar sind. Daher liegt mein Fokus auf den zugrundeliegenden Kapitalflüssen um sicherzugehen, dass die Gewinne auch wirklich existieren und ausgezahlt werden können. Obwohl ich in hochwertige Aktien investiere, verfolge ich dabei einen konträren Ansatz. Das bedeutet, dass ich an Wertpapieren mehr interessiert bin, wenn sie unterbewertet sind, weil der Markt sie zu kritisch einschätzt. Dieser Ansatz wird von Investoren selten befolgt und bietet daher eine höhere Chance, unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial zu finden.




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