Der Held von Kesennuma

Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat in Deutschland die Energiewende bewirkt. In Japan dagegen bleibt vieles beim Alten. Welche Nation investiert besser in die sicherere Zukunft?

Damals als die Welle kam, saß Masaki Takahashi im kargen Besprechungszimmer einer seiner Tankstellen. Er kramte in Bewerbungsmappen. Die Tankstellen hatte er von seinem Vater übernommen. 15 waren es, sie waren sein Leben. Alle lagen in Kesennuma, einem japanischen Fischerort etwa 250 Kilometer Luftlinie entfernt von Fukushima. Dann kam der Tag, an dem sich das Wasser auftürmte.

Takahashi dachte an seine vier Kinder, an seine Frau, die Eltern, an seine 160 Mitarbeiter. Er dachte an alle gleichzeitig, an keinen allein. „Es ist schwer, darüber zu sprechen, aber gar nicht zu sprechen, geht auch nicht“, sagt der 53-Jährige.

Masaki Takahashi, der
Tankstellenbesitzer, der sein eigenes Biokraftwerk gebaut hat. In der Hand hält er einen Geldschein seiner eigenen Währung, die er nach der Katastrophe entwarf, um die regionale Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. (Bildquelle: Oliver Stock)

Beginn der deutschen Energiewende

Sechs Jahre ist es bald her, dass ein Tsunami am 11. März 2011 die Ostküste von Japan überrollte, das Atomkraftwerk in Fukushima zerstörte und bislang mehr als 18.000 Menschen sterben ließ. Eine Welle, die Japan zeitweise zwang, seine Energieversorgung komplett durch importiertes Öl und Gas sicherzustellen.

In Deutschland veranlasste die Katastrophe Angela Merkel vier Wochen später, die Energiewende auszurufen. Die Folgen spüren Energieversorger heute, deren Geschäftsmodell genauso zusammengebrochen ist wie ihr Aktienkurs. Ehemalige Börsengiganten wie RWE und Eon haben sich aufgespalten in einen alten und einen zukunftsträchtigen Teil. „Bad Bank“ nennen Börsianer jene Nachfolgefirmen, unter deren Dach heute die herkömmlichen Kraftwerke betrieben werden. Die Folgen der Entscheidung spüren Stromverbraucher, die mehr bezahlen als jemals zuvor, weil sie den teuren Ausbau erneuerbarer Energien seither mitbezahlen. Mittelständler überlegen öffentlich, große Teile ihrer Produktion ins Ausland zu verlagern, weil sie die Energiekosten in Deutschland nicht mehr bezahlen wollen. In Japan machen dagegen, im Land der Betroffenen, machen sie weiter wie zuvor. Wie kann das passieren?




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