Der Höhenflug und die Realität

Nachdem sie im Februar 2016 die Talsohle erreichten, haben die Zuflüsse in Schwellenländeranleihen und deren Kurse wieder zugelegt. Ein nachhaltiger Aufschwung ist wahrscheinlich, denn die Lage war nie so schlecht, wie es die Stimmung suggerierte.

Die Asienkrise und der Zahlungsausfall Russlands Ende der 1990er-Jahre führten in den Schwellenländern zu bedeutenden politischen Veränderungen. Diese hatten, auch dank einer neuen Ära des Wachstums, einen starken Rückgang der Staatsverschuldung und eine Zunahme der Fremdwährungsreserven zur Folge. Ein Ausdruck dieser Entwicklung war die Outperformance von Schwellenländeranleihen oder auch die Robustheit, mit der viele Schwellenländer durch die Finanzkrise 2007 bis 2009 navigierten.

Kapitalabzug durch chinesische Konjunkturschwäche

Nur wenige Jahre später jedoch wurden Ökonomen ebenso wie Anleger von den Auswirkungen der sich abschwächenden Konjunktur in China überrascht. Das Wachstum kam zum Stillstand, und in den meisten Ländern nahm die Schuldenlast seit 2007 zu. Nach einem Jahrzehnt steigender Bonität drehte sich 2015 der Trend, wobei vor allem die Herabstufung Russlands und Brasiliens zu nennen sind. Zu dem breiten Rückzug aus Währungen von Schwellenländern gesellte sich eine Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen. Dies alles ereignete sich vor dem Hintergrund zunehmender politischer und geopolitischer Risiken.

So waren die Nettokapitalflüsse von Schwellenländern 2015, erstmals und kaum überraschend, seit fast 30 Jahren negativ, wie der internationale Bankenverband Institute of International Finance (IIF) mitteilte.

Erholung seit Jahresanfang 2016

Seit Februar dieses Jahres hat sich die Marktstimmung indes deutlich verbessert. Dazu trugen ein erwarteter langsamer Anstieg des amerikanischen Leitzinses und ausdrückliche Verweise der Federal Reserve auf die globalen Risiken bei. Auch scheinen Schwellenländeranleihen immer noch attraktiv bewertet im Vergleich zu Industrieländern trotz ihrer Erholung von den Tiefständen zum Jahresanfang. Trotzdem lässt sich die jüngste Outperformance der Schwellenmärkte nur schwer aus fundamentaler Sicht erklären. Vielleicht hilft die bessere globale Stimmung den Anlegern zu erkennen, dass es um die Schwellenländer doch nicht so schlecht bestellt war.




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