Der Wachstumsmarkt Green Financing wartet nicht auf Regulatorik

Stefan Meine, Head of Corporate Banking ABN AMRO Deutschland

 

  • 1. Frankfurter ESG Roundtable von ABN AMRO: In der Praxis entwickelt sich immer klarer ein gemeinsames Verständnis der Marktteilnehmer über Anforderungen und Ziele nachhaltiger Finanzierungen 

    Green Financing entwickelt sich dynamisch – und zwar auf Basis freiwilliger Standards. Während über eine geeignete Regulatorik für nachhaltige Finanzierungen diskutiert wird, haben die Marktteilnehmer längst ein tiefgreifendes Verständnis für die Anforderungen und Funktionsweisen von Green Financing entwickelt. Das ist die Quintessenz des 1. ESG Roundtable der ABN AMRO Deutschland in Frankfurt. So haben sich längst die Green Bond und Social Bond Principles der International Capital Market Association (ICMA) als führendes Regelwerk für die Emission von nachhaltigen Finanzierungen etabliert. Zudem plant die ICMA u.a. die Einführung eines Green Project Mapping, das Green Bond-Projekte klarer einzelnen Umweltzielen zuordnet. Währenddessen arbeitet die Europäische Union mit Nachdruck an der sogenannten grünen Taxonomie, also der Einführung eines einheitlichen Klassifizierungssystem für nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten, und einem EU-Green Bond-Standard.

    Die ABN AMRO verfolgt mit dem hochkarätig besetzten Roundtable das Ziel, Emittenten und Investoren von Green Bonds und Green Loans an einem Tisch zusammenzubringen und ein gemeinsames Verständnis für die Anforderungen und Herausforderungen in dem stark wachsenden Segment zu schaffen. Der ESG Roundtable (ESG: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) hatte in den vergangenen Jahren mit großem Erfolg am Hauptsitz der ABN AMRO in Amsterdam stattgefunden und wurde nun erstmals auf den Kernmarkt Deutschland ausgeweitet.

    Die wesentlichen Themen der Diskussionen waren:

    Förderung einer Kreislaufwirtschaft: Die ABN AMRO arbeitet als Pionier in der Branche an der Transformation von Unternehmen hin zu einer sogenannten Kreislaufwirtschaft (Circular Economy), in der u.a. die Lebensdauer von Produkten maximal verlängert und der Verbrauch neuer Ressourcen somit stark minimiert werden. Die Teilnehmer diskutierten, welche Geschäftsmodelle in einer Kreislaufwirtschaft erfolgreich sind und wie Unternehmen finanziert werden können, die sich hin zu einem Kreislauf-Modell wandeln. Die Circular Economy wird in mehreren Ländern zügig an Bedeutung gewinnen, so die Meinung der Teilnehmer.

Standardisierung des Green Bond-Markts: Der Markt für Green Bonds ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Die Teilnehmer des Roundtables kamen zu dem Schluss, dass eine Standardisierung des Markts ein weiteres Wachstum unterstützen kann. Jedoch sollte diese darauf abzielen, die Transparenz im Markt zu erhöhen, damit Investoren geeignete Anlagen leichteridentifizieren können. Eine Regulierung sollte nicht Emittenten behindern, die sich um eine deutlich stärkere Nachhaltigkeit ihrer Geschäftstätigkeiten bemühen und Anstrengungen zur Begebung von Green Bonds unternehmen.

Identifikation nachhaltiger Emittenten: Ein Emittent ist nicht als nachhaltig zu identifizieren, nur weil er einen Green oder Social Bond begibt. Vielmehr muss die Bond-Emission Teil einer unternehmensweiten Nachhaltigkeitsstrategie sein und klaren Zielen folgen. Die Teilnehmer des Roundtables haben dabei die Erfahrung gemacht, dass ein ESG-Rating ein zunehmend wichtiger Indikator für die Nachhaltigkeits-Performance eines Unternehmens ist und häufig von Investoren verwendet wird. Daher ist es für Emittenten wichtig, mit Anbietern von ESG-Ratings zusammenzuarbeiten und so sicherzustellen, dass ihre Bewertungen korrekt sind und ihrer Nachhaltigkeitsperformance entsprechen.

Christoph Anhamm, Managing Director Financial Institutions Debt Capital Markets and Debt Solutions von ABN AMRO Deutschland: „Der Markt für Green Financing wartet nicht auf wirkungsvolle Regeln – er hat sie bereits etabliert und arbeitet fortlaufend an ihrer Weiterentwicklung. Die Ergebnisse unseres 1. ESG Roundtables in Frankfurt zeigen, dass Nachhaltigkeits- und Klimaziele keine kurzfristigen Modethemen sind, sondern von den Marktteilnehmern mit großer Ernsthaftigkeit verfolgt werden. Investoren erwarten daher einerseits von Emittenten eine ausformulierte und glaubhafte Nachhaltigkeitsstrategie. Diese Strategie sollte sich in der konkreten Geschäftstätigkeit widerspiegeln und intern gelebt werden. Andererseits erwarten Emittenten inzwischen die Erfüllung ähnlicher Anforderungen auf Seiten der nachhaltigen Investoren. Zudem bestehen längst fest etablierte Branchenregeln wie die Green Bond Principles. Eine Emission, die diesen Regeln nicht entspricht, ist praktisch nicht am Markt platzierbar.“

Stefan Meine, Head of Corporate Banking von ABN AMRO Deutschland: „Wir befinden uns längst auf dem Weg zu einem nachhaltig orientierten Markt für Finanzierungen. Viele Unternehmen haben ihre eigene Transformation in Richtung Nachhaltigkeit bereits angestoßen, zahlreiche Investoren suchen nach geeigneten nachhaltigen Anlagemöglichkeiten. Dabei zeigt sich, dass sich immer stärker ein gemeinsames Verständnis aller Akteure für die Anforderungen und Ziele nachhaltiger Finanzierungen entwickelt. Ein deutliches Zeichen dafür ist auch die jüngste Initiative der ICMA zur Einführung eines Green Project Mapping. Eine Regulatorik ist somit sicherlich hilfreich, kann die Best Practice des Marktes jedoch nicht ersetzen.“

Über ABN AMRO:

ABN AMRO ist eine niederländische Bank für Kunden im Retail-, Corporate- und Private Banking. International sind wir mit spezifischem Know-how auf aussichtsreichen Marktpositionen tätig, etwa im Private Banking oder der Finanzierung von Energie-, Rohstoff- und Transportgeschäften. Wir bieten unseren Kunden umfassende – auch digitale – Produkte und Dienstleistungen sowie fundiertes Finanz-Know-how und Spezialwissen in zahlreichen Industriesektoren. ABN AMRO ist in mehr als 20 Ländern vertreten, hat den Hauptsitz in Amsterdam und beschäftigt rund 22.000 Mitarbeiter weltweit.

Mehr unter www.abnamro.com




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