Deutsch-Schwedische Wirtschaftsbeziehungen

In der deutschen Nationalmannschaft beginnt vor dem Gruppenspiel gegen Schweden die Rechnerei. Doch während das DFB-Team fleißig die Stärken und Schwächen seines Gegners studiert, beschäftigt sich Fundamental Capital in seinem aktuellen Kommentar mit den Kennzahlen der deutsch-schwedischen Wirtschaftsbeziehungen.

Nach der WM-Auftaktniederlage gegen Mexiko beginnt nun im deutschen Lager die Rechnerei vor dem Gruppenspiel gegen Schweden am Samstag. Doch während das DFB-Team fleißig die Stärken und Schwächen seines Gegners studiert, beschäftigen wir uns doch lieber mit den Kennzahlen der deutsch-schwedischen Wirtschaftsbeziehungen.

Im Fußball wie in der Wirtschaft hat Deutschland klar die Nase vorn. Während Deutschland die Fifa-Weltrangliste auf dem ersten Platz anführt, schafft es Schweden gerade mal auf Platz 24. Ähnlich groß ist der Abstand beider Länder auch beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) – hier liegt Deutschland mit einem BIP von 3,26 Billionen Euro international auf Platz vier, während es bei Schweden mit 477,86 Milliarden Euro Platz 23 ist.

Pro-Kopf Leistung Schwedens höher als Deutschlands

Diese Zahlen können jedoch am Anfang täuschen. Grob gesagt ist die wirtschaftliche Lage Schwedens sogar besser als die von Deutschland. Das hat natürlich mit der relativ kleinen Bevölkerung von Schweden – rund 10 Millionen Einwohner – zu tun, was die Verwaltung eines Landes deutlich erleichtert. Dies zeigt sich besonders am BIP. Runtergerechnet auf die pro-Kopf Leistung liegt Schweden mit 51.845€ sogar noch vor Deutschland. Dennoch, im direkten Kräftemessen, punktet Deutschland aufgrund der größeren Bevölkerungsdichte und den daraus resultierenden größeren Output. Nicht zuletzt zeigt sich auch auf dem Aktienmarkt, dass deutsche Unternehmen nach wie vor von internationalen Investoren bevorzugt werden, obwohl beide Länder ähnlich wachsen und ähnliche wirtschaftliche Bedingungen aufweisen.

Demgegenüber sind sich beide Länder aber außerordentlich nahe, was die wirtschaftlichen Beziehungen untereinander betrifft. Deutlich wird das etwa mit Blick auf die Direktinvestitionen. So gibt es in Schweden rund 900 deutsche Unternehmen mit etwa 60.000 Beschäftigten und einem geschätzten Jahresumsatz von etwa 37 Milliarden Euro. Regionale Schwerpunkte sind dabei Stockholm, Göteborg und Malmö. Umgekehrt sind sogar über 1.250 schwedische Unternehmen mit rund 104.000 Arbeitsplätzen und einem Jahresumsatz von 71,4 Milliarden Euro in Deutschland tätig. Die größte Anziehungskraft haben hier die Standorte Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main und Düsseldorf.

Hohe Nachfrage lockt deutsche Unternehmen an

Zu den größten deutschen Investoren in Schweden gehören Bosch, Siemens, DB Schenker, DHL und die Volkswagen-Gruppe – letztere insbesondere seit dem Kauf der schwedischen Automarke Scania. Der starke Privatkonsum in Schweden hat zahlreiche weitere deutsche Unternehmen, insbesondere Einzelhandelsketten, wie Lidl, Media Markt, Hornbach und Bauhaus, angelockt. Darüber hinaus haben angesichts großer Infrastrukturprojekte in Stockholm und anderen Städten Baukonzerne wie Bilfinger, Hochtief, Strabag und Züblin den Sprung in den hohen Norden gewagt.

Demgegenüber flossen in den vergangenen Jahren viele der schwedischen Investitionen in Deutschland in den IT-Sektor, gefolgt von der Textil- und Modebranche. Schwedische Einzelhändler zieht es dabei vor allem nach Hamburg, wo in den vergangenen beiden Jahren Ketten wie Stadium, Clas Ohlson, Granit und Indiska Filialen eröffnet haben. Darüber hinaus erobert in den letzten Jahren ein relativ neues schwedisches Unternehmen unser Leben. Wir sprechen von Spotify, dem Musik-Streamingdienst. Seit Start im Jahre 2006 haben sich laut unserer Schätzung schon mehr als zwei Millionen Deutsche für ein Streaming-Abo registriert. Das Unternehmen ist kürzlich an die Börse gegangen und hat derzeit einen Markt-Wert von ca. 27 Milliarden Euro.

Handelsaustausch ist von großer Bedeutung

Die Grund-Basis der guten Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern bildet allerdings die verarbeitende Industrie, die sich mitunter stark ähnelt, aber auch perfekt ergänzt. Es werden daher viele Waren zunächst ex- und später dann wieder importiert, weil etwa in einem Zwischenschritt erst noch ein Produkt eingebaut werden muss. Daher scheint es kaum verwunderlich, dass die deutsch-schwedischen Wirtschaftsbeziehungen mit Fokus auf den Handelsaustausch von großer Bedeutung erscheinen. So ist Deutschland mit einem Gesamtvolumen von 38,6 Milliarden Euro (Stand: 2017) Schwedens wichtigster Handelspartner – noch vor den USA und den skandinavischen Nachbarn Dänemark, Norwegen und Finnland. Dabei flossen von Schweden nach Deutschland Waren und Dienstleistungen im Wert von 14 Milliarden Euro, was zehn Prozent der schwedischen Exporte ausmacht. In der umgekehrten Richtung waren es 25 Milliarden Euro Wert, was Deutschland mit einem Anteil von 20 Prozent zum bei weitem wichtigsten Herkunftsland schwedischer Importe macht.

Die Deutschen importieren von den Schweden dabei vor allem Papier und Papierprodukte, Maschinen und Maschinentechnik, Fahrzeuge, Metalle sowie chemische und pharmazeutische Erzeugnisse. Andersherum machen Maschinen, Kraftfahrzeuge und Fahrzeugkomponenten, chemische Erzeugnisse sowie Elektronik die größten Warengruppen aus. Darüber hinaus waren in den vergangenen Jahren Lebensmittel ein Wachstumssegment.

Schweden abhängig von Exportmärkten

Wirtschaftlich gesehen sind Deutschland und Schweden somit, wenn man das so sagen will, ein eingespieltes Team. Gleichsam sind beide Länder aufgrund ihrer jeweils starken Integration in die globalen Wertschöpfungsketten an der freien Bewegung von Waren und Dienstleistungen interessiert. Für Schweden gilt dies in einem besonderen Maße, da sein vergleichsweise winziger Inlandsmarkt mit rund 10 Millionen Einwohnern die globale Präsenz schwedischer Konzerne nicht ersetzen könnte. Volvo, Nordea und auch Spotify zeigen, dass das Land durchaus über seine eigenen Grenzen hinausdenkt und dementsprechend für die Zukunft gewappnet ist. Nichtdestotrotz, Investoren, die sich derzeit mit Europa beschäftigen, sollten weiterhin deutsche Unternehmen gegenüber schwedischen bevorzugen. Die Liquidität deutscher Firmen ist ein großer Überzeugungspunkt. Aber einzelne gute Geschäfte gibt es derzeit im schwedischen Materialsektor sowie IT-Sektor.




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