„Deutschland ist auf die Zusammenarbeit angewiesen“

Was lässt sich nach der Wahl Trumps über die Auswirkungen auf Welthandel und Handelsbeziehungen sagen? Sicher ist nur die Unsicherheit. Ein Interview mit Dr. Claudia Brucker, Leiterin des Programms Globalisierung und Weltwirtschaft der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Beginnen wir mit der deutschen Reaktion auf Trumps Sieg: Hätte Angela Merkel, die Trump als Erstes an demokratische Grundwerte erinnert hat, diplomatischer handeln müssen?

Dr. Schmucker: Man muss vorab sagen: Dieser Wahlkampf ist so schmutzig geführt worden wie noch nie, und wir sehen in den USA den Partner, der unsere Werte teilt und der uns am nächsten ist. Deswegen war es Merkel – im Namen der Deutschen, die diesen Wahlkampf mit verfolgt haben – ein Anliegen, die Grundwerte zu betonen, an die wir und auch die Amerikaner glauben. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass die Amerikaner eine Supermacht sind, auf die wir als Europäer und gerade auch Deutschland angewiesen sind. Es war natürlich ein Statement, aber ich glaube, es war richtig, besonders im Hinblick auf die Ängste, die auch die deutsche Bevölkerung hat nach diesem Wahlkampf. Frau Merkel hat sehr souverän reagiert. Es wäre ein Fehler, gegen Trump zu wettern oder zu sagen, dass es der falsche Präsident ist. Wir sind auf die Zusammenarbeit angewiesen. Aber die Werte zu erneuern, zu sagen, auf der Basis arbeiten wir gern zusammen, das war das richtige Vorgehen.

Hätten sich Deutschlands Politiker besser auf Trump vorbereiten müssen?

Dr. Schmucker: Vorbereiten ist schwer, weil wir gar nicht wissen, was uns erwartet. Wir haben uns durch die Vorhersagen in die Irre führen lassen, nach denen Trump als der Außenseiter dargestellt wurde und Clinton als diejenige, die das Amt übernimmt, obwohl das amerikanische Volk sie nicht mag. Wir hätten natürlich mit allem rechnen müssen, haben uns aber auf Clinton eingestellt. Auch ich war mir sicher, dass es Clinton werden würde.

Wie sollten Frau Merkel und Frank-Walter Steinmeier jetzt handeln und reagieren?

Dr. Schmucker: Also ich würde sagen: abwarten. Ich kann es nicht oft genug betonen, wir in Deutschland brauchen die Amerikaner, und zwar sehr viel mehr, als die Amerikaner uns brauchen. Militärisch brauchen wir die Amerikaner, wirtschaftlich brauchen wir die Amerikaner, politisch brauchen wir die Amerikaner, das heißt, wir sollten so mit den Amerikanern umgehen, wie man unter Freunden miteinander umgeht. Wir sollten immer das Gespräch suchen, und wir sollten abwarten. Ein Möchtegern-Präsident im Wahlkampf ist jemand ganz anderes als ein Präsident. Mr. Trump wird sehr viel moderater werden als im Wahlkampf. Wir müssen sehen, wer die Berater sind, und in welche Richtung er geht; er hat ja auch schon viele seiner Ankündigungen aus dem Wahlkampf wieder zurückgenommen. Kurz: Wie Merkel und Steinmeier damit umgehen sollen ist abwarten und freundlich das Gespräch suchen, so oft es geht.

Trumps Präsidentschaft könnte auch langfristige Folgen haben, über die Zeit seiner Präsidentschaft hinaus.

Dr. Schmucker: Ja. Das ist sehr ungewiss. Was vielleicht am schwierigsten für die Wirtschaft ist, ist diese Ungewissheit. Deswegen habe ich immer gesagt, es ist wichtig, wer Berater wird. Trump hat schon sehr viel Leute eingestellt für das Weiße Haus, die sich widersprechen, teilweise Washington-Insider, teilweise Berater, die seine sehr populistischen Themen teilen, die auch Schwierigkeiten haben werden zusammenzukommen. Diese Unsicherheit ist natürlich das Schlimmste, sowohl für die amerikanische Wirtschaft als auch für die Europäer, weil man nicht weiß, in welche Richtung er will. Auch wenn ich von Konjunkturprogrammen rede, die Unsicherheit über das weitere Vorgehen ist immer das, was die Wirtschaft einbrechen lässt.

Könnte Trumps politische Unerfahrenheit sogar ein Vorteil sein, weil er sich dann mehr auf seine Berater verlassen muss, die sehr wahrscheinlich gemäßigter sind als er?

Dr. Schmucker: Ja, deswegen sagt man immer, die Berater sind wichtig. Aber es kommt darauf an, welche Berater er hat. Und Trump hat gegen das Establishment kandidiert. Er hat gesagt: Ich bin einer, der ehrlich ist, der von außen kommt, gegen das, was in Washington passiert. Die ersten Posten wirken schon relativ schwierig. Im White House hat er einen Washington Insider genommen und gleichzeitig jemanden, der ein Fernsehprogramm macht, das sehr antizionistisch und rassistisch ist. Wenn er die Populisten mit den Washington-Insidern verbindet, dann gibt es Spannungen innerhalb dieses ganzen Betriebes. Dann haben wir nicht wie erhofft die erfahrenen, moderaten Republikaner, sondern Trump wird immer, auch aufgrund des Wahlkampfs, die extremen Outsider einbinden. Und wie die Zusammenarbeit klappt, da bin ich mir nicht sicher. Trump muss auch die Wähler bedienen, die er im Wahlkampf gefunden hat. Er kann jetzt nicht alle moderaten Republikaner des Establishments nehmen. Genau dagegen hat er den Wahlkampf geführt. Von daher wird es meiner Meinung nach ziemlich schwierig; weil er Berater einstellen wird, die gegen Washington sind und gleichzeitig braucht er die, die in der republikanischen Partei schon gut vernetzt sind. Und da einen Weg zu schaffen, ohne Konflikte, halte ich für schwierig.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt