Die Fed muss Klartext sprechen

Bei der anstehenden US-Notenbanksitzung muss Janet Yellen Klartext sprechen, damit die Märkte ihre Erwartungen anpassen können. Durch Trump wird es viele fiskalpolitische Änderungen geben.

Frank Dixmier, Globaler Anleihenchef von Allianz Global Investors, sagt im Vorfeld der Fed-Sitzung: “Wir erwarten keine Änderung der Geldpolitik von der ersten Fed-Sitzung in diesem Jahr. Insbesondere die jüngsten Äußerungen von Janet Yellen zur Lohnentwicklung weisen darauf hin. Die Fed dürfte auch noch mehr über Präsident Trumps Pläne zur Ankurbelung der Konjunktur wissen wollen, bevor sie Anpassungen vornimmt.

Unterschiedliche Erwartungen

Wir erwarten jedoch, dass das Kommuniqué mehr Klarheit bringt, da diese Sitzung nicht von einer Pressekonferenz begleitet wird. Von besonderer Bedeutung ist der Unterschied zwischen den „Fed dots“ und den Erwartungen des Marktes. Die Punkte zeigen, dass der Konsens der Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed von drei Zinserhöhungen in diesem Jahr und drei weiteren im Jahr 2018 ausgeht. Allerdings erwartet der Markt nur insgesamt vier Zinserhöhungen in den nächsten zwei Jahren – ein deutlicher Unterschied.

Diese anhaltende Kluft zwischen den Erwartungen des Marktes und dem künftigen Tempo der Zinserhöhungen weisen auf die Fragilität der US-Märkte hin, vor allem angesichts des derzeitigen so genannten „Reflation Trade“ und des zunehmenden Drucks von Seiten des Arbeitsmarkts. Es ist im Interesse der Fed, genauer über das Tempo der Zinserhöhungen zu informieren, damit sich die Märkte reibungslos anpassen können, zumal Finanzstabilität zentral den Entscheidungsprozess der Fed bestimmt.

Mehr Inflation möglich

Es wird erwartet, dass die Trump-Administration plant, mit weiteren fiskalpolitische Maßnahmen eine US-Wirtschaft anzukurbeln, in der bereits Vollbeschäftigung herrscht. Dies sollte zu mehr Inflation führen, vor allem bei den Löhnen. Daher sind wir davon überzeugt, dass die Fed zumindest konsequent mit den im „dot plot“ vorgezeichneten Kurs fortfährt. Wenn sie davon abweicht, dann dürfte es eher mehr als weniger Zinsschritte geben.

Insgesamt ist die Glaubwürdigkeit der Fed das zentrale Thema. Der Markt muss davon überzeugt sein, dass die Fed bewusst „hinter der Kurve“ steht und die Inflation ansteigen lässt, bevor sie tätig wird. Es wird auf den Märkten auch nicht übersehen, dass die Fed sich bereithält, die US-Konjunktur abzukühlen, während Präsident Trump neue Konjunkturprogramme vorantreibt, und die Fed somit in eine missliche Situation bringt.“

Autor: Tim Rademacher




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt