Droht in den USA eine Rezession?

Yu-Ming Wang, Global Chief Investment Officer von Matthews Asia

Der „Schwarze Montag“ am 9. März 2020, der den Börsen weltweit starke Verluste zufügte, die globalen Folgen des Coronavirus‘ sowie die Einbrüche am Ölmarkt, hervorgerufen durch den jüngsten Streit zwischen Saudi-Arabien und Russland, werden sich langfristig auf die Bedeutung Chinas und Asiens für die gesamte Weltwirtschaft auswirken. Diese Auffassung vertreten Portfoliomanager und Investmentexperten des Asien-Spezialisten Matthews Asia.

Yu-Ming Wang, Global Chief Investment Officer von Matthews Asia, verwies darauf, dass die momentane Volatilität im Vergleich zu früheren Markteinbrüchen noch jung sei. Die aktuelle Marktkrise werde sich voraussichtlich weiter entwickeln, wie an mehreren Anzeichen zu erkennen sei. Geldpolitische Unterstützungsmaßnahmen werden wahrscheinlich nicht so wirksam ausfallen wie in früheren Krisen. „Angesichts der geopolitischen Spannungen der vergangenen zwei Jahre rechne ich nicht mit einem global koordinierten Programm“, sagt Yu-Ming Wang. „Die Ansteckung mit dem Virus hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Hinzu kommt, dass der Energiesektor den Kreditmarkt stark belastet.“

Nach den gescheiterten Verhandlungen bei der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) würde ein Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland auch vielen Schieferölproduzenten in den USA Probleme bereiten, vermutet Teresa Kong, die bei Matthews Asia für alle festverzinslichen Anlagen verantwortlich ist. Ungefähr zehn Prozent des US-High-Yield-Marktes sind energieverbunden. Der derzeitige Ölpreis werde deshalb Stress im US-Hochertragsenergiesektor verursachen und zu mehr Ausfällen von Hochzinsanleihen führen. „Im Vergleich dazu beträgt der Anteil asiatischer Hochzinsanleihen aus dem Energiesektor nur etwa zwei Prozent des Marktes“, erklärt Frau Kong. Sie verweist darauf, dass die meisten asiatischen Unternehmen im Energiebereich einen Investment-Grade-Status haben und sich in der Regel im Staatsbesitz befinden.

Für Andrew Mattock, Manager des Matthews China Fund, lautet die wichtigste Frage: „Geraten wir jetzt in ein Szenario von massenhaften Arbeitsplatzverlusten, oder werden es die Unternehmen aussitzen?“ Auch wenn er sich selbst als Optimisten bezeichnet, glaubt Mattock, dass, je länger die Furcht vor dem Virus anhalte, das Potenzial für nachhaltige Auswirkungen auf die Realwirtschaft umso größer sei. Dadurch könnten sich Unternehmen zum Stellenabbau gezwungen sehen. „Dann ist alles möglich, da die Regierungen, außer der Chinas, nicht über die Feuerkraft verfügen, um aus dieser Zwickmühle wieder herauszukommen.“

„Meine beste Schätzung ist, dass die Unternehmensgewinne in China im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent und im zweiten Quartal noch einmal um zehn Prozent zurückgehen werden“, sagt Tiffany Hsiao. Danach geht die Portfoliomanagerin des Matthews China Small Companies Fund von einer Erholung aus, so dass für das Gesamtjahr zumindest nicht mit Verlusten zu rechnen sei. Frau Hsiao schätzt, dass es vor allem Chinas kleine Unternehmen sein werden, die das allgemeine Gewinnwachstum im Land tragen werden.

Robert Horrocks, Chief Investment Officer und Portfoliomanager, erwartet für die Vereinigten Staaten eine Rezession. „Es ist möglich, dass wir in eine längere Phase langsamen Wachstums in den Industrieländern eintreten, die einen dauerhaften Anreiz erfordert“, sagt er. Die Volkswirtschaften Asiens, die immer noch ein positives Investitionswachstum und eine positive langfristige Rendite aufwiesen, könnten ihre Wirtschaftspolitik vielleicht leichter durch diese Phase steuern als die Länder der entwickelten Welt. „Das Wachstum Chinas und Asiens wird für die globale Gesamtnachfrage dadurch noch wichtiger“, lautet Horrocks‘ Fazit.




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