Einfluss von Brexit, Handelskriege und geopolitische Spannungen

Esty Dwek, Head of Global Market Strategy bei der Dynamic Solutions Group

Nach einem insgesamt positiven ersten Halbjahr 2019 sollten globale Investoren in den nächsten sechs bis zwölf Monaten bereit sein, sich mit einer schwachen Performance auseinanderzusetzen – das ist das Ergebnis der jetzt vom Natixis Investment Institute veröffentlichten Umfrage unter 17 CIOs, Marktstrategen und Volkswirten aus dem gesamten Spektrum des Hauses Natixis, das sowohl die Investmentbank, ihren Asset Manager „Natixis Investment Managers“ als auch die dort angeschlossenen Boutiquen umfasst. Für den „Natixis Investment Managers Midyear Strategist Survey“ wurde diese Gruppe zum ersten Mal gemeinsam befragt.

Die Umfrage wurde im Juli abgeschlossen, mitten in der jüngsten Zuspitzung im Handelsstreit zwischen den USA und China. Trotz des zweijährigen Hin und Her zwischen den beiden globalen Supermächten, das sich oft (wie Anfang letzter Woche) auf die Weltmärkte auswirkte, rangierten die Spill-over-Effekte aus dem Handelskrieg jedoch nur auf Platz zwei der größten Abwärtsrisiken für die Weltwirtschaft. Auf Platz 1 sehen die Experten mit einer Wahrscheinlichkeit von 3,6 (wobei ein Wert von 5 die höchste Wahrscheinlichkeit anzeigt) einen ungeregelten Brexit. Viel weniger waren sie hingegen besorgt über die Möglichkeit einer Rezession und nannten eine US-amerikanische und/oder globale Rezession als das am wenigsten wahrscheinliche Abwärtsszenario.

Generell sehen die Experten aus der Holding und den Boutiquen von Natixis wenig Aufwärtspotenzial. Insbesondere erwarten nur wenige von ihnen positive Brexit-Szenarien, und während einige hoffen, dass neue geldpolitische Lockerungen durch die Zentralbanken eine Erholung des Wachstums bewirken könnten, glauben genauso viele, dass es nicht funktionieren wird. Noch bezeichnender ist, dass die Befragten in den nächsten sechs bis zwölf Monaten nicht mit einer Beschleunigung des globalen Wachstums oder der Aktiengewinne rechnen.

„Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich, dass unsere Kollegen insgesamt nicht viele positive Katalysatoren am Horizont sehen. Aber auch das Worst-Case-Szenario einer Rezession sehen sie kurzfristig nicht als sehr wahrscheinlich an“, kommentiert Esty Dwek, Head of Global Market Strategy bei der Dynamic Solutions Group.

Dwek: „Nach einem trüben Ende des Jahres 2018 haben sich Aktien und Anleihen in der ersten Jahreshälfte 2019 erholt. Die bisherige Performance wurde weitgehend von der Hoffnung auf neue Runden der geldpolitischen Lockerung getragen; aber nachdem das, was der Markt erhofft hat, mehr und mehr realisiert wird, sehen die Marktstrategen aus der gesamten Natixis-Familie nur noch wenig Nahrung für neuen Auftrieb. Vielleicht ist die beste Nachricht, dass sie trotz der Prognosen für eine schwache Performance nicht zu einem dramatischen Rückzug von den Märkten und zur Mitnahme der beeindruckenden Gewinne aufrufen.“ Für den Stand des S+P 500 zum Jahresende reichen die Schätzungen innerhalb der Natixis-Familie von 2.650 bis zu 3.200 Punkten. Am 12.8. notierte der US-Index bei 2.918 Punkten.

Mit einer starken Erwartung von Zinssenkungen der US-Notenbank am Horizont sind die Natixis-Strategen bei US-Staatsanleihen am optimistischsten, gefolgt von Aktien aus Schwellenländern, globalen REITs und Anleihen aus Schwellenländern aller Art (Hartwährung, lokale Währung und Unternehmen). Der rote Faden, der sich durch deren optimistische Prognosen zieht, ist die akkommodierende Politik der Zentralbanken und die ausreichende globale Liquidität. Im Gegensatz dazu sind sie am wenigsten optimistisch für Kryptowährungen, britische Aktien, US- Hochzinsanleihen und Bankkredite.

 




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