Erst wenn die Ebbe kommt…

Tim Bröning, Fonds Finanz

…sieht man, wer keine Badehose trägt. Dieses Zitat von Warren Buffett traf wieder einmal auf die Entwicklung der Börsen zu. Mit dem Ausbruch des Coronavirus ging es mit den Aktienkursen weltweit teils erheblich bergab. Aktienindizes wie der DAX oder der Dow Jones verloren mit 38 % bzw. 36 % in der Spitze erheblich an Wert (in Euro). Dabei fiel eines auf: Vor allem Unternehmen mit einer starken Bilanz, einem robusten und zukunftsfähigen Geschäftsmodell sowie einem weitsichtigen Unternehmensmanagement verloren wesentlich weniger als konjunkturabhängige und (hoch-)verschuldete Firmen.

Eine solche Entwicklung ist erstmal nicht ungewöhnlich und zu erwarten. Wenn weltweit Lieferketten zusammenbrechen, der Ölpreis um ca. 80 % abstürzt (bzw. sogar wie die US-Rohölsorte WTI ins Negative rutscht) und wegen des verhängten Lockdowns Millionen Arbeitnehmer ihre Jobs verlieren, betrifft das auch den Konsum. Und zwar vor allem den Konsum, der aufschiebbar, nicht lebensnotwendig und eher luxusgetrieben ist. In einem solchen Umfeld werden einfach weniger neue Autos gekauft, keine teuren Fernreisen gebucht und größere Anschaffungen zurückgestellt. Das trifft ebenso auf die Investitionen von Unternehmen zu.

Strategie für die Altersvorsorge

Auch wenn sich die Börsen seit ihrem Tief im März aufgrund der massiven Hilfsprogramme stärker als von vielen Anlegern erwartet erholten, gilt der Grundsatz: Konjunktursensitive und zyklische Unternehmen, die oft von Rohstoffpreisen abhängig und stark verschuldet sind, halten in Krisenzeiten schlechter stand und sind schneller von einer Insolvenz bedroht. Mit dieser Erkenntnis im Hinterkopf sollten Privatanleger auch an ihre Altersvorsorge herangehen. Krisenresistente Unternehmen mit soliden Bilanzen, wenigen bzw. keinen Schulden und stetigen Wachstumsraten sind für die langfristige Geldanlage ein Erfolgsgarant. Solche Unternehmen sind oft in defensiven Bereichen wie dem Gesundheitswesen, der Nahrungsmittelproduktion oder der Herstellung von Gütern des täglichen Bedarfs angesiedelt. Die Produkte dieser Unternehmen werden unabhängig von der wirtschaftlichen Lage gekauft. Man erinnere sich nur an die Hamsterkäufe von Nudeln, Mehl und Toilettenpapier, als das Coronavirus immer stärker um sich griff.

Alternativen zu Anleihen und Tagesgeld

In Zeiten, in denen es keinen Zins mehr gibt oder dieser wie bei deutschen Bundesanleihen sogar negativ ist, müssen Anleger Ausschau nach Alternativen zu Anleihen und Tagesgeld halten. Wenn man bedenkt, dass die noch nie dagewesenen Hilfsprogramme der Regierungen und Notenbanken weltweit langfristig finanziert werden müssen, erscheinen Zinserhöhungen auf absehbare Zeit unmöglich. Und bei Zinsen am Nullpunkt bzw. wie bei deutschen Bundesanleihen im negativen Bereich, sind Zinsprodukte wie Sparanlagen oder Anleihen keine Alternative. Vor allem nicht, wenn man mindestens den realen Kapitalerhalt anstrebt. Anleger sollten zudem berücksichtigen, dass im Falle einer Pleite eines Unternehmens oder Staates die ausstehenden Anleihen wertlos werden. Sollte es zu einer Währungsreform kommen – manche Volkswirte und Strategen prophezeien seit vielen Jahren ein Auseinanderbrechen des Euros – ist zudem unklar, in welcher Währung der Investitionsbetrag zurückgezahlt wird.

Langfristig auf Qualitätsunternehmen setzen

Unter diesen Voraussetzungen drängen sich stabile, international tätige Qualitätsunternehmen als langfristige Geldanlage geradezu auf. Viele dieser Unternehmen bestehen seit Jahrzehnten, haben seither sämtliche Krisen überlebt und in vielen Fällen eine beständige Dividende an ihre Aktionäre bezahlt. Wer die zwischenzeitliche Schwankung solcher Aktien nicht als Risiko sieht und lieber in produktiven und rentablen Unternehmen als in zinslosen Anleihen oder Sparanlagen investiert sein möchte, der kann sich auf einen schönen Lebensabend freuen – und das ganz entspannt mit Badehose.




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