Ethenea: Allenfalls milde Rezession in den USA

Frank Borchers, Portfolio Manager bei Ethenea

Das Wirtschaftswachstum in den USA lässt nach, der US-Binnenmarkt beibt trotz Handelskonflikt weiterhin stark und Präsident Trump wird die Wirtschaft stabil halten, um seine Wiederwahl zu sichern. Was diese Gemengelage für Anleger bedeutet.

Die US-amerikanische Volkswirtschaft verzeichnet aktuell ein nachlassendes Wirtschaftswachstum, was die Sorgen hinsichtlich einer möglichen Rezession in den USA größer werden lässt. Die jüngsten Indikatoren belegen diese Verlangsamung: Während das Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr noch um 2,9 Prozent gewachsen ist, lag es für die ersten beiden Quartale 2019 mit 2,7 Prozent und 2,3 Prozent schon deutlich darunter. „Für das dritte Quartal rechnen Analysten sogar mit einem durchschnittlichen Wachstum von nur noch zwei Prozent“, sagt Frank Borchers, Portfolio Manager bei Ethenea.

„Zudem dürften auch weiterhin die Wachstumsaussichten eher trüb ausfallen, zumindest laut Umfragen der US-Einkaufsmanager (PMI).“ Der Index für das verarbeitende Gewerbe notiere seit August 2016 zum ersten Mal wieder unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, nachdem er diesen Juli von 51,2 auf 49,1 Punkte im August gefallen sei. Im September lag dieser bei nur noch 47,8 Punkten. „Verstärkt werden die Sorgen um eine mögliche Rezession noch durch den Handelskonflikt, der zu zusätzlicher Unsicherheit an den globalen Aktienmärkten geführt hat und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen als Folge davon beeinträchtigt.“

Größerer Einfluss auf Weltkonjunktur durch den Handelskrieg

Jedoch, so der Experte, dürfte der Handelskonflikt stärkeren Einfluss auf die Weltkonjunktur haben als auf den US-amerikanischen Binnenmarkt selbst. „Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten bleiben Verbrauchervertrauen und Einzelhandelsumsätze in den USA weiterhin stark. Der private Konsum, der mehr als zwei Drittel des BIPs ausmacht, stellt damit nach wie vor eine zentrale Stütze für die US-amerikanische Wirtschaft dar“, erklärt Borchers.

Doch trotz des starken Binnenkonsums könnten die USA in eine Rezession rutschen. „Von einer sogenannten technischen Rezession ist dann die Rede, wenn die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den Vorquartalen nicht wächst oder sogar einen Rückgang verzeichnet“, sagt Borchers. „Eine Folge dessen können deutliche Aktienkursverluste und Zinsrückgänge an den Kapitalmärkten sein, daher kann sich eine technische Rezession negativ auswirken.“

Entscheidender Unterschied zu Europa

Allerdings bestehe insbesondere im Vergleich zu Europa ein möglicherweise entscheidender Unterschied: „Anders als andere Notenbanken, wie zum Beispiel die EZB, hat sich die US-amerikanische Notenbank Fed in den vergangenen Jahren mit Zinserhöhungen die Möglichkeit geschaffen, auf eine anhaltend schwache Wirtschaft mit weiteren Zinssenkungen reagieren zu können und darüber die Konjunktur anzukurbeln“, sagt Borchers. So habe sich die Fed im Juli und September diesen Jahres entschieden, das Potenzial zu nutzen und jeweils die Leitzinsen um 25 Basispunkte gesenkt, um mögliche negative Folgen aus dem Handelsstreit zwischen China und den USA abzuschwächen.

„Aufgrund des weiterhin starken privaten Konsums sowie einer starken Notenbank und trotz wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten gehen wir daher allenfalls von einer milden Rezession aus“, sagt Borchers. „Zudem glauben wir, dass Präsident Donald Trump alles dafür tun wird, die Wirtschaft stabil zu halten, um seine mögliche Wiederwahl im November 2020 nicht zu gefährden.“




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