Faktoren, die den Boom- Rezessionszyklus anheizen

Jacob Vijverberg, Co-Manager des Aegon Global Diversified Income Fund

„No free lunch“ Rekordschulden und fallende Zinsen könnten den Boom- und Rezessionszyklus anheizen. Ein Kommentar von Jacob Vijverberg, Co-Manager des Aegon Global Diversified Income Fund.

Die steigende Verschuldung in der ganzen Welt wird die Zinssätze jahrelang auf Tiefstständen halten – oder sie sogar in den negativen Bereich drängen – und einen Anstieg der Boom- und Rezessionszyklen anheizen. Die globale Pandemie hat bereits zu einem weltweiten Schuldenstand auf Rekordniveau geführt und synchrone Reaktionen der Zentralbanken ausgelöst, die alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um Zahlungsausfälle von Staaten zu vermeiden.

In unserem jährlichen Long Term Outlook Report* warnen wir davor, dass Anleger auf Jahre hinaus den Preis für Zentralbankintervention zahlen werden. Es wird leider keinen «free lunch» geben. Die Schulden müssen zurückgezahlt werden. Die meisten Zentralbanken werden ihre Staaten unabhängig von der Höhe ihrer Schulden oder Defizite unterstützen müssen, da ein Verzicht darauf zu einer Finanzkrise führen würde. Anhaltend negative Realzinsen erhöhen jedoch auch die Wahrscheinlichkeit von finanziellen ‚Boom and Bust‘-Zyklen.

Aktien weiterhin eine gute Beimischung

Hohe Realzinsen werden immer unwahrscheinlicher. Zentralbanken werden dafür sorgen, dass die Zinsen niedrig bleiben, um die fiskalische Belastung der Regierungen zu verringern. Viele Länder haben jetzt negative Realzinsen in Teilen der Renditekurve, und es wird häufig von der Einführung negativer Basiszinsen gesprochen. Gerade hier kann das Übergreifen auf andere Vermögenswerte zu Boom- und Rezessionszyklen führen.

Anhaltend negative Realzinsen werden tiefgreifende Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben. Erstens bedeuten negative Realzinsen eindeutig negative Realrenditen für viele festverzinsliche Vermögenswerte und zweitens werden negative Realzinsen den Wert der realen Vermögenswerte stützen, nachdem die Pandemie vorüber ist. Dazu gehören Wohnimmobilien und Infrastruktur, die von Investoren, die keine Alternative sehen, beliebig hochgehandelt werden könnten. Aktien bleiben in diesem Umfeld weiterhin eine gute Beimischung, wobei einige Sektoren florieren und andere wiederum mit Problemen zu kämpfen haben werden.

Die Weltwirtschaft in der tiefsten Rezession der Geschichte

Die Aktien der Welt verloren einen Drittel ihres Wertes zwischen dem Höchststand im Februar bis Ende März. Die anschließende Erholung war ebenso spektakulär, wobei große Teile des Aktienmarktes den Großteil des verlorenen Bodens wieder wettgemacht haben. Dies ist besonders bemerkenswert, da sich die Weltwirtschaft in einer der tiefsten Rezessionen der Geschichte befindet. Obwohl Aktien auch durch negative Realzinsen gestützt werden, sind die Auswirkungen je nach Sektor unterschiedlich. Typischerweise leiden Banken und Versicherungsgesellschaften unter den niedrigen Zinsen, während viele andere Sektoren profitieren werden.




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