Fels in der Brandung

Thomas Böckelmann, leitender Portfoliomanager der Vermögensmanagement Euroswitch

Die gestrige Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed steht angesichts der wirtschaftlichen Stärke der USA einerseits, den greifbaren Bedrohungen andererseits für den verlässlich pragmatischen Ansatz dieser Institution. Leider sah sich Jerome Powell zu Beginn seiner Pressekonferenz genötigt, wohl angesichts anhaltender Schimpftiraden des US-Präsidenten die unabhängige Funktion der Notenbank und ihre Leistung zu erläutern. In einer Zeit, die von Populisten, Schönrednern und Moralpredigern geprägt ist, ist die Nüchternheit wertzuschätzen, mit der Fakten berichtet und Wahrscheinlichkeiten abgeschätzt werden. Dabei ist der in der Abstimmung festgestellte Dissens unter den Fed-Entscheidern keine Schwäche, sondern ein transparentes Bild abweichender Zukunftsszenarien in einer höchst unsicheren Welt. Wahrsagerei darf von einer Notenbank nicht erwartet werden – auch keine „Vision“, wie es sich Donald Trump wünscht – vielmehr solides, zwischen Besonnenheit und Entschlossenheit abwägendes Handwerk. Insbesondere beim Abstimmungsverhalten würde man sich zukünftig mehr Transparenz von der EZB wünschen. Der Entscheid der letzten Woche scheint gegen ein Murren zwar einer Minderheit an Council-Mitgliedern, aber gegen eine Mehrheit der durch diese Personen vertretenen Bevölkerung und Wirtschaftskraft der Eurozone erfolgt. Dies ist vertrauensgefährdend in einer Zeit, in der bedingungsloser Verlass auf die Notenbank und ihr Agieren erforderlich ist.




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