Fondsgesellschaften müssen Sparer überzeugen

Noch sind die finalen Statistiken für die Entwicklung der Publikumsfonds in Deutschland im Jahr 2016 nicht veröffentlicht. Doch die jüngsten BVI-Zahlen belegen, dass die abgelaufene Zwölfmonatsperiode herausfordernd war. Der Rademacher-Kommentar

Die November-Zahlen des Bundesverbands für Investment und Asset Management für das Gesamtjahr 2016 sind für die Betreiber von Publikumsfonds nicht gerade berauschend. Insgesamt beliefen sich die Nettomittelzuflüsse auf nur noch knapp 6,0 Milliarden Euro. Noch in der vergleichbaren Vorjahresperiode wurde ein Plus von 67,4 Milliarden Euro erreicht.

Rückgang auf breiter Front

Bei nahezu allen wichtigen Fondsgattungen ging die Vertriebsleistung zurück. Bei dem derzeitigen Verkaufsschlager, den Multi-Asset-Fonds schrumpfte der Nettoverkauf im relevanten Zeitraum von 36,2 Milliarden auf nur noch 10,5 Milliarden Euro zusammen. Aktien und Rentenfonds verbuchten sogar deutliche Nettomittelabflüsse von jeweils knapp zwei Milliarden Euro. Lediglich offene Immobilienfonds waren gefragter als im Vorjahr und peilen ein kräftiges Wachstum im Gesamtjahr an.

Sicherlich hat der schlechte Start ins Jahr 2016 die Gesamtbilanz verhagelt. So rauschten vor rund zwölf Monaten die Kurse aufgrund von Konjunktursorgen in China in den Keller. Auch der Brexit sowie die Trump-Wahl drückten auf die Stimmung der Anleger. Dennoch muss schon jetzt das Fazit gezogen werden, dass die Fondsgesellschaften das Niedrigzinsumfeld in der Summe nicht im Endkundenvertrieb nutzen konnten.

Mühevolle Arbeit muss geleistet werden

Die Herausforderungen in Deutschland für den Sektor sind groß. Die Risikoscheu ist in den Köpfen der allermeisten Bürger tief verankert. Dennoch besteht für die Strategen in den jeweiligen Vertriebsabteilungen ein deutliches Steigerungspotenzial. Sicherlich ist es keinesfalls einfach, die Endverbraucher für stärker rentierlichen Anlagen, die auch mit einem gewissen Risiko verbunden sind, zu begeistern. Allerdings zeigen die jüngsten Inflationsdaten von 1,9 Prozent hierzulande, dass die Kaufkraft der kaum verzinsten Spareinlagen langsam aber sicher schwindet.

Viele Fondsgesellschaften haben begonnen, massiv an der Thematik zu arbeiten und produzieren auch verstärkt eigenen Content zu dieser Thematik. Entsprechend steigt die Auswahl an Informationen zu den entsprechenden Fonds und der ökonomischen Entwicklung im Allgemeinen. Dieser Einsatz dürfte auf Dauer auch Früchte tragen. Allerdings muss verhindert werden, dass die Masse der Retailinvestoren erst einsteigt, wenn die Kurse dank einer starken Euphorie bereits deutlich gestiegen sind und nahe auf einem vorläufigen Hoch notieren. Ein Phänomen, das bereits im großen Stil zur Jahrtausendwende der Fall. Damals konnte sich der Dax binnen weniger Jahre vervielfachen und sackte danach ab. Viele Sparer warfen danach enttäuscht das Handtuch und kehrten der Börse den Rücken.




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