Gewichtung in China reduziert

Projit Chatterjee, CFA, Senior Equity Specialist, Emerging Markets and Asia Pacific Equities, UBS Assetmanagement

Während einige der Risiken, denen die Schwellenländer im Jahr 2018 ausgesetzt waren, zurückgegangen sind, hat die jüngste Eskalation des Handelskonfliktes den kurzfristigen Ausblick für diese Länder eingetrübt. Das US-Exportverbot hindert Unternehmen aus den USA praktisch daran, Geschäfte mit Huawei zu tätigen. Dies könnte weitreichende Folgen erster und zweiter Ordnung weit über Huawei hinaus haben – auf chinesische, andere asiatische und US-amerikanische Unternehmen, die Teil der IT-Wertschöpfungskette sind.

Wir haben unsere Gewichtung in China reduziert, indem wir unsere Positionen in chinesischen Banken, die sich beim Markteinbruch 2018 relativ gut gehalten hatten, verringert haben. Dieses Gewicht wurde auf andere Aktien verteilt, die bei der Rally Anfang 2019 unterdurchschnittlich abgeschnitten hatten. Wir achten auch sorgfältig auf mögliche Gelegenheiten, da Aktien stärker abverkauft werden könnten, als ihre Fundamentaldaten rechtfertigen.

Auch wenn die Huawei-Episode einen Schatten auf die Lieferkette für IT-Hardware wirft, sehen wir den Sektor mittel- bis langfristig weiterhin positiv. Der Halbleiterspeichersektor hat sich in den letzten zehn Jahren stark konsolidiert, sodass nur noch drei große Akteure übrig sind. Solange die Endnachfrage nicht völlig einbricht, sollte der Verlust von Huawei der Gewinn von jemand anderem sein, der die gleiche Lieferkette nutzt. Darüber hinaus sollte das anhaltende Wachstum von Bereichen wie IoT (Internet der Dinge), Cloud Computing und AI (Künstliche Intelligenz) die Nachfrage nach Halbleitern langfristig vorantreiben.

Zu beachten ist, dass die Umsätze der Unternehmen in den Indizes MSCI EM und MSCI China ganz überwiegend im Inland erwirtschaftet werden – zu über 70 Prozent beim MSCI EM und über 90 Prozent beim MSCI China – und nur zu 7 bzw. 2 Prozent direkt aus den USA kommen. Zudem macht der Handel zwischen den Schwellenländern einen weiter wachsenden Anteil aller Schwellenländerexporte aus. In unseren Portfolios dominieren Positionen zu inländischen Anlagethemen; wir bevorzugen dabei Aktien, die vom zunehmenden Wohlstand der Verbraucher in den aufstrebenden Wirtschaften profitieren können – wobei die Ausweitung der mittleren Einkommen noch auf Jahre hinaus große Wachstumschancen bieten dürfte.

China ist bereit und in der Lage, die Folgen des Handelskonfliktes durch fiskalische, geldpolitische und regulatorische Maßnahmen teilweise zu kompensieren, wie dies seit dem vierten Quartal 2018 bereits geschehen ist. Im Durchschnitt weisen die Schwellenländer hohe Realzinsen auf, die Haushaltssalden haben sich verbessert, und die Inflation bleibt unter Kontrolle. Auch wenn es in den Schwellenländern einige kleinere Schwachstellen gibt, sind die meisten dieser Länder grundsätzlich gesund.

Die Bewertung des MSCI EM liegt mit einem KBV von 1,5 deutlich unter dem historischen Durchschnittswert von 1,8. Und dabei handelt es sich um eine Anlageklasse, in der der MSCI EM Index 10 Prozent p.a. in den vergangenen 20 Jahren erzielt hat, bedeutend mehr als die ~7,3 Prozent p.a. des MSCI World Index.

Wir möchten auch auf einige langfristige Trends in den Schwellenländern und China hinweisen, die zu ausgewählten guten Gelegenheiten führen:

  • Langfristige Trends als Wachstumstreiber für ausgewählte Unternehmen und Branchen
  • Wachsender Anteil diskretionärer Ausgaben und Premiumisierung
  • Chinas Neuausrichtung hin zu Dienstleistungen und Konsum
  • Steigende Ausgaben für F&E und Technologie führen zu Innovationen
  • Ungenügende Kreditdurchdringung in vielen Schwellenländern

    Zusammengefasst: Wir sind kurzfristig vorsichtig, bleiben aber aus langfristiger Renditesicht von einer signifikanten aktiven Allokation in dieser Anlageklasse überzeugt.

     




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