Giro-Guthaben in Deutschland auf Rekordhoch

Dr. Tim Sievers, CEO und Gründer von Deposit Solutions

Die Deutschen sammeln immer mehr Geld auf ihren Girokonten an. Das zeigen die Ergebnisse einer heute veröffentlichten Analyse des FinTech-Unternehmens Deposit Solutions. Demnach hat sich das Giroguthaben der Deutschen seit dem Jahr 2011 auf insgesamt 890 Milliarden Euro fast verdoppelt. Voraussichtlich im Dezember dieses Jahres wird die Grenze von 1 Billionen Euro fallen. Auch das Guthaben auf deutschen Tagesgeldkonten steigt trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase deutlich. Zwischen 2011 und 2018 belief sich der Zuwachs auf insgesamt 40 Prozent. Auffällig ist hierbei, dass im Jahr 2018 zum ersten Mal die Anzahl der Tagesgeldkonten leicht zurückgegangen ist.

„Die Menschen sparen mehr Tagesgeld als noch vor ein paar Jahren, nutzen dafür aber weniger Konten. Auch das wachsende Guthaben auf unverzinsten Girokonten deutet darauf hin, dass Sparern der Aufwand für die Eröffnung neuer Konten zur verzinsten Anlage in Tages- oder Festgeldern zu hoch erscheint. Viele lassen ihr Geld einfach unverzinst auf dem Girokonto liegen.“, sagt Dr. Tim Sievers, CEO und Gründer von Deposit Solutions. „Wachsende Giroguthaben sind aber weder im Sinne des Kunden noch im Sinne der Bank. Der Kunde erhält keine Rendite auf sein Erspartes und die Bank wird durch den negativen Einlagenzins der EZB womöglich zusätzlich belastet.“

Plattformnutzer bauen Sparportfolios auf

Anders stellt sich die Situation dar, wenn Kunden das Tages- oder Festgeldprodukt einer Bank nutzen können, ohne dort extra ein Konto eröffnen zu müssen – so wie bei den Zinsplattformen, die einige Banken und auch Nicht-Banken für ihre Kunden betreiben. So zeigt die Auswertung des Anlageverhaltens von 80.000 Nutzern von Zinsplattformen, dass die Menschen Tages- und Festgeld intensiver nutzen, sobald der Aufwand für zusätzliche Kontoeröffnungen entfällt: Im Jahr 2018 haben Plattformnutzer ihr Geld im Schnitt in 2,3 Tages- und Festgeldangebote gleichzeitig angelegt. Dem gegenüber stehen lediglich 1,5 Tages- und Festgeldangebote, die deutsche Sparer nutzen, wenn sie die Konten selbst eröffnen und führen müssen. Auch beim Sparvolumen gibt es deutliche Unterschiede. Nutzer von Tages- oder Festgeldkonten haben im Jahr 2018 rund 21.000 Euro angelegt. Auf Plattformen waren es hingegen 57.400 Euro pro Kopf.

Wie tiefgreifend die durch die Zinsplattformen getriebene Veränderung im Sparverhalten der Deutschen ist, wird deutlich, wenn man sich langfristige Nutzerdaten anschaut. So starten Plattformnutzer in ihrem ersten Monat im Schnitt mit 1,1 bis 1,3 verschiedenen Tages- und Festgeldprodukten. Nach 18 Monaten verdoppelt sich dieser Wert bereits auf 1,8 bis 2,9 Produkte. Nach etwas mehr als dreieinhalb Jahren nutzt die Spitzengruppe der Plattformsparer bereits 6,8 Produkte und selbst die Geringnutzer haben ihr Geld im Schnitt in über 4 verschiedenen Tages- oder Festgeldprodukten angelegt.

„Nutzer von Zinsplattformen bauen sich über die Zeit gezielt Sparportfolios auf. Dies beobachten wir unabhängig davon, ob der Marktplatz von einer Bank oder einem FinTech angeboten wird“, sagt Dr. Tim Sievers. „Banken, die eine eigene Zinsplattform betreiben, lösen damit ein zentrales Problem für ihre Kunden. Statt ihr Geld unverzinst auf dem Girokonto lassen oder gar zu einer anderen Bank gehen zu müssen, erhalten die Kunden über die bestehende Kontoverbindung Zugang zu attraktiv verzinsten Tages- und Festgeldprodukten anderer Banken. Die Hausbank selbst erzielt Provisionserlöse und tut darüber hinaus etwas für die Kundenbindung. So entsteht eine Win-win-Situation.“




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