Globale Konjunktur: Langsames Wachstum erwartet

Guy Wagner, Chefanlagestratege von BLI – Banque de Luxembourg Investments

Politische Unwägbarkeiten wie der Handelskonflikt drücken auf die Stimmung an den Märkten. Europa und Japan bleiben zwar robust, müssen sich jedoch ebenfalls den Auswirkungen politischer Entwicklungen unterordnen. Ein Kommentar von Guy Wagner, Chefanlagestratege von BLI – Banque de Luxembourg Investments.

Die allgemeine Schwäche der Fertigungsbranche drückt weiterhin auf das Wachstum der Weltwirtschaft. In den USA breitete sich die Verschlechterung der Einkaufsmanagerindizes auf die Dienstleistungsbranche aus, wobei die Indizes sowohl für Industrie als auch für Dienstleistungen über der kritischen Marke von 50 blieben.

„Werte über 50 Punkte signalisieren Wachstum, Werte unter 50 Punkten zeigen eine negative Geschäftsentwicklung“, erklärt Guy Wagner, Chefanlagestratege und Geschäftsführer der Kapitalanlagegesellschaft BLI – Banque de Luxembourg Investments. „Für das zweite Jahresviertel erwarten die meisten Analysten ein BIP-Wachstum in den USA von maximal zwei Prozent, was einer deutlichen Abkühlung der Konjunktur entspräche. Die Gefahr einer Rezession bleibt indessen immer noch gering.“

In Europa bleibt der Dienstleistungssektor trotz der anhaltenden Schwäche der Industriebranche erstaunlich robust, weshalb sich die Arbeitsmarktlage momentan nicht verschlechtert. In China scheint sich das Wachstum zu stabilisieren, weil die geringere Dynamik im Industriesektor vom nach wie vor kräftigen Einzelhandel ausgeglichen wird.

In Japan wird das aktuelle Wachstumspotenzial von der starken Exportabhängigkeit der Wirtschaft begrenzt. „Solange der Handelsstreit zwischen den USA und China nicht deutlich abnimmt, dürfte die Fertigungsbranche nur schwer wieder in Schwung kommen.“

Erwartungsgemäß beließ die US-Notenbank bei der Sitzung des Offenmarktausschusses im Juni ihren wichtigsten Leitzins unverändert. Damit bleibt der obere Eckwert der Fed Funds Rate bei 2,5 Prozent. Dennoch sprach Fed-Präsident Jerome Powell mit Blick auf den nächsten Zinsschritt nicht mehr von „geduldig“ und betonte die Verschärfung der wirtschaftlichen Unwägbarkeiten, die vom Handelskonflikt und der Verlangsamung der globalen Konjunktur herrühren.

„Nach diesen Äußerungen zu schließen, scheint eine Leitzinssenkung bei der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses Ende Juli sehr wahrscheinlich“, meint der luxemburgische Ökonom. Beim jährlichen Forum der Europäischen Zentralbank sprach EZB-Präsident Mario Draghi von einer neuerlichen geldpolitischen Lockerung, weil sich die konjunkturellen Aussichten eingetrübt hätten und die Inflation nach unten tendiere. „Eine weitere Zinssenkung sowie eine Neuauflage der quantitativen Lockerung vor dem Ende von Draghis Amtszeit Ende Oktober können daher nicht mehr ausgeschlossen werden.“

Nach den Verlusten im Mai nahmen die Aktienmärkte im Juni ihren Aufwärtstrend wieder auf. Die Aussichten auf eine zinspolitische Lockerung auf beiden Seiten des Atlantiks stützten die Aktienkurse deutlich. Alle großen Indizes legten im Monatsverlauf zu. Der US-Hauptindex S&P 500 erreichte im Monatsverlauf ein neues historisches Rekordhoch und schloss die erste Jahreshälfte mit einem Plus von 17,4 Prozent als bestes erstes Halbjahr seit 1997 ab.




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