Globaler Abschwung lastet auf Schweizer Wirtschaftswachstum

Das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) nahm im zweiten Quartal dieses Jahres gegenüber dem Vorquartal und gegenüber dem Vorjahr um 0,3 Prozent (auf nicht-saisonbereinigter Basis um 0,2 Prozent) zu. Auf Basis der vom Bundesamt für Statistik im August publizierten volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung 2018 (VGR) hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) auch das Wachstum der letzten Quartale revidiert. Die […]

Das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) nahm im zweiten Quartal dieses Jahres gegenüber dem Vorquartal und gegenüber dem Vorjahr um 0,3 Prozent (auf nicht-saisonbereinigter Basis um 0,2 Prozent) zu. Auf Basis der vom Bundesamt für Statistik im August publizierten volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung 2018 (VGR) hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) auch das Wachstum der letzten Quartale revidiert.

Die Schweizer Wirtschaft wuchs bis Mitte 2018 sehr stark, verlor danach aber deutlich an Schwung. Im zweiten Halbjahr fiel sie gar in eine technische Rezession, das BIP schrumpfte in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen. Im zweiten Quartal dieses Jahres registrierte die Schweizer Wirtschaft ein stabiles Wachstum leicht unter dem langfristigen Trend von 0,4 bis 0,5 Prozent.

Der private Konsum profitierte wiederum von der soliden Lage am Schweizer Arbeitsmarkt und wuchs um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Die Investitionen zeigten sich wie schon in den vorhergehenden Quartalen schwach (-0,7 Prozent im Vorquartalsvergleich). Sowohl die Exporte als auch die Importe gingen im Vorquartalsvergleich zurück, eine leichte Zunahme der Vorräte zeigte sich in einem leicht positiven Wachstumsbeitrag. Am Arbeitsmarkt zeigte sich die Konjunkturabschwächung bisher nur zögerlich. Das Beschäftigungswachstum schwächte sich nur leicht ab.

Die Industrieproduktion bewegte sich mit einer Wachstumsrate von 5,5 Prozent auf dem Niveau der vorhergehenden zwei Quartale – deutlich über dem Mittel von 2,7 Prozent seit 2005. Während die Industrie im zweiten Quartal weiterhin positiv zum Wachstum beitrug, belastete der Dienstleistungssektor. Hier schlug zu Buche, dass in diesem Jahr im Gegensatz zum letzten kein Sportgrossereignis stattfand, sodass der Zufluss an Fernsehgeldern zu den in der Schweiz domizilierten Sportverbänden ausblieb.

Die Unternehmensstimmung dunkelte sich in den letzten Monaten deutlich ein. Der Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes fiel im Sommer auf das tiefste Niveau seit der Finanzkrise und zeigt ein deutlich schwächeres Wachstum für das zweite Halbjahr an . Vor diesem Hintergrund könnte die Schweizer Wirtschaft im dritten Quartal stagnieren oder gar schrumpfen. Auch der Blick auf das nächste Jahr bereitet keine Freude. Der Grund liegt in erster Linie beim Handelsdisput zwischen den USA und China. Dieser dürfte vor allem zur Jahreswende das globale Wachstum empfindlich bremsen. In Europa gesellt sich zu dieser Unsicherheit die Frage nach dem Ablauf des Brexits.

All dies ist vor einem globalen Konjunkturaufschwung zu sehen, der mittlerweile zehn Jahre alt ist und stark an Spannkraft verloren hat. In den nächsten Quartalen ist daher auf globaler und insbesondere auf europäischer Ebene kaum mit einer Erholung zu rechnen. Diese weltwirtschaftliche Flaute trifft auch die Schweizer Exporte und die Investitionen. Letztere zeigen bereits eine deutliche Schwäche. Hinzu kommt die verstärkte Nachfrage nach dem Schweizer Franken als sicheren Hafen bei einer Zunahme der globalen Risiken. Der Franken dürfte deshalb auch in den kommenden Quartalen überbewertet bleiben, insbesondere gegenüber dem Euro, was die Exporte weiter belastet. Erst wenn die globale Wirtschaft zu einem robusten Wachstum zurückfindet, dürfte die Schweizer Wirtschaft auch von neuen Impulsen profitieren. Damit rechnen wir aber nicht vor Mitte 2020.

Aufgrund des schwierigen Umfelds und der Revisionen der zurückliegenden BIP-Daten durch das SECO reduzieren wir unsere Prognose für das diesjährige BIP-Wachstum von 1,3 auf 0,7 Prozent. Rechneten wir bisher mit einem Aufschwung der Schweizer Wirtschaft im Jahr 2020 und einem BIP-Wachstum von 1,6 Prozent, so gehen wir nun erst im übernächsten Jahr von deutlich stärkerem Wachstum aus. Wir reduzieren die BIP-Prognose für das nächste Jahr auf 0,9 Prozent. Ohne Olympische Spiele und Fussball-Europameisterschaften fiele das Wachstum 2020 noch schwächer aus, da die Einnahmen aus Fernsehrechten der in der Schweiz domizilierten Sportverbände eine Stütze darstellen.

Die globale Wirtschaft bewegt sich in den nächsten Quartalen am Rande einer Rezession, dürfte aber nicht in diese hineinschlittern. Das gilt auch für die hiesige Wirtschaft. Zwar ist die Schweiz gegenüber dem globalen Handel exponiert, aber eine robuste Binnenwirtschaft sollte die Schweizer Konjunktur stabilisieren. Zudem erwarten wir, dass die Schweizerische Nationalbank in diesem Umfeld keine starke Frankenaufwertung zulässt. Wenn aber die globale oder nur schon die europäische Wirtschaft in eine Rezession fällt, dürfte es für die Schweizer Wirtschaft schwierig werden, sich einer solchen zu entziehen. Die Gründe für eine globale Rezession dürften politischer Natur sein. Dazu gehören ein ungeordneter Brexit, ein Übergreifen des Handelsstreits auf Europa oder möglicherweise ein starker Ölpreisanstieg im Falle einer Eskalation der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten.




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