Handelskriege: günstig für die Metallpreise?

Im März kündigte die US-Regierung Zölle auf chinesische Importe im Wert von 50 Milliarden US-Dollar an und führte kurz darauf unter dem Vorwand von Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit weltweite Zölle auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren ein. Nitesh Shah, Rohstoffexperte bei WisdomTree, kommentiert.

Die USA scheinen einen Handelskrieg gegen den Rest der Welt führen zu wollen. Obgleich einige Länder Gegenmaßnahmen ergreifen, gehen wir davon aus, dass die meisten Länder keinen protektionistischen Tendenzen nachgeben werden. Zwar könnte der Welthandel beeinträchtigt werden, die Folgewirkungen für das Weltwirtschaftswachstum dürften jedoch gering ausfallen. Daher ist nicht mit einem Rückgang der globalen Gesamtnachfrage nach Rohstoffen infolge der protektionistischen Politik seitens der USA zu rechnen. Vielmehr dürfte es zu starken Störungen der Lieferketten sowie zu einem Anstieg der Rohstoffpreise infolge der zunehmenden Angebotsengpässe an den Zielmärkten kommen.

USA verhängen bilaterale Zölle

Im März 2018 kündigte die US-Regierung Zölle auf chinesische Importe im Wert von 50 Milliarden US-Dollar an und führte kurz darauf unter dem Vorwand von Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit weltweite Zölle auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren ein. Die USA haben eine nationale Sicherheitsuntersuchung zu Pkw- und Lkw-Importen eingeleitet, die ähnliche Zölle im Automobilbereich zur Folge haben könnte. An den Rohstoffmärkten gaben die Preise daraufhin zunächst reflexartig nach. Nach einer genaueren Betrachtung legten die Preise angesichts der zu erwartenden Störung der Lieferketten aber wieder zu.

Abbildung 1: Basismetallpreise seit Jahresbeginn (Index = 100 zum 01.01.2018)

Nachdem die Zölle auf chinesische Waren im Juni bestätigt wurden (es dauerte einige Zeit, zu bestimmen, welche Güter betroffen sind), fielen die Preise erneut. Unseres Erachtens bilden die Rohstoffpreise ihre Entwicklung aus dem März nach. Die Preise werden dabei eher von der Stimmung als den Fundamentaldaten bestimmt. Im Gegensatz zu vergleichsweise überschaubaren Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum, zeichnen sich bei den Lieferketten deutlich größere Störungen ab. Wie auch im April ist demnächst mit einer potenziellen Erholung der Preise zu rechnen.

Wirtschaftliche Folgen

Wir bedienten uns zu Illustrationszwecken einiger von Bloomberg formulierter Szenarien. Darin wird anstelle der Beschreibung spezifischer bilateraler Micro-Zölle davon ausgegangen, dass die USA Zölle in Höhe von 10 Prozent auf alle Importe aus allen Ländern erheben und dass die anderen Ländern im Gegenzug Vergeltungszölle einführen. Während der globale Handel im Vergleich zu einem Basisszenario (ohne Zölle) in diesem Beispiel bis 2021 insgesamt um über 7 Prozent nachgeben würde, beliefe sich der kumulative Rückgang des weltweiten BIP in diesem Zeitraum auf weniger als 1 Prozent. Zur Klarstellung sei erwähnt, dass die bislang angekündigten Maßnahmen bislang keinen umfassenden Zöllen von 10 Prozent entsprechen und deren Folgen beinahe vernachlässigbar sind.

Abbildung 2: Simulation bilateraler Zölle: Schäden am weltweiten BIP und Handel
Quelle: Bloomberg Economics, WisdomTree, Stand: 20. Juni 2018, Schlusskurse. Prognosen sind kein Indikator für die künftige Performance, und alle Investitionen unterliegen Risiken und Unsicherheiten.

Selbst die Auswirkungen auf das chinesische BIP, welches das Ziel eines Großteils der US-Politik darstellt, dürften selbst unter Annahme eines höheren Zollsatzes von 45 Prozent bis 2021 insgesamt weniger als 1 Prozent betragen.

 

Abbildung 3: Simulation des chinesischen BIP relativ zum Basisszenario mit Zöllen in Höhe von 10 Prozent und 45 Prozent
Quelle: Bloomberg Economics, WisdomTree, Stand: 20. Juni 2018, Schlusskurse. Prognosen sind kein Indikator für die künftige Performance, und alle Investitionen unterliegen Risiken und Unsicherheiten.

Lieferketten

Da sich die Schäden an der globalen Wirtschaftsleistung in Grenzen halten dürften, empfiehlt sich ein Blick auf die Lieferketten. Die USA sind in hohem Maße von Importen zahlreicher Basismetalle abhängig. Verarbeitende Unternehmen in den USA werden entweder höhere Preise für Einfuhren bezahlen oder inländische Zulieferer für diese Metalle finden müssen. Aluminium stellt hierfür ein gutes Beispiel dar: Zwar deuten die Gesamtzahlen darauf hin, dass die USA nur 37 Prozent ihrer Produktionskapazitäten bei Aluminium nutzen (und somit theoretisch die Produktion steigern könnten). Das Land besitzt jedoch keine Bauxit-Minen (der Hauptbestandteil in der Aluminiumherstellung) und muss beinahe den gesamten Bedarf importieren. Für Länder, die Gegenmaßnahmen planen, ist dieser Schwachpunkt klar ersichtlich.

Zwar können wir im Rahmen dieses Blogs nicht alle Lieferketten abdecken. Wir gehen aber davon aus, dass es bei zahlreichen gehandelten Rohstoffen zu Angebotsstörungen kommen wird. Daher rechnen wir bei den meisten Metallen mit Preisanstiegen.

Abbildung 4: Abhängigkeit der USA von Importen
Quelle: USGS 2018 Mineral Commodity Summaries, Stand: 25. Juni 2018, Schlusskurse. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.

Agrarrohstoffe

Während wir bei Metallen von einer positiven Preisentwicklung ausgehen, schätzen wir den Ausblick für zahlreiche Agrarrohstoffe pessimistisch ein (zumindest jene, die an US-Börsen gehandelt werden). Eine Möglichkeit für Vergeltungsmaßnahmen gegen die USA sind Zölle auf Agrarexporte. Dies hätte höhere Kosten oder eine Angebotsverknappung in Importländern wie China oder Mexiko zur Folge, könnte sich aber negativ auf die Preise in den USA auswirken, wo die meisten der liquiden internationalen Terminkontrakte bestehen. Es lassen sich bereits Preisunterschiede zwischen dem Chicago Board of Trade (CBOT) und der Dalian Commodity Exchange erkennen.

Abbildung 5: Preise für Sojabohnen in den USA und China scheinen sich angesichts der Androhung chinesischer Vergeltungsmaßnahmen zu entkoppeln
Quelle: Bloomberg, WisdomTree, Stand: 26. Juni 2018, Schlusskurse. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.

Zusammenfassung

Unseres Erachtens dürfte sich der anbahnende Handelskrieg positiv auf die Preise der international gehandelten Terminkontrakte für Metalle auswirken, da die Störungen der Lieferketten die negativen Folgen für das Wirtschaftswachstum überwiegen. Angesichts der Tatsache, dass die USA ein wesentlicher Exporteur landwirtschaftlicher Erzeugnisse sind und die großen, internationalen und liquiden Terminkontrakte in den USA gehandelt werden, dürften sich etwaige Vergeltungsmaßnahmen im Zuge des Handelskrieges negativ auf die Preise im Landwirtschaftssektor auswirken.

 




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