Innovationen als Gewinnmotor

2016 ist für die Gesundheitsbranche kein gutes Jahr gewesen. Vor allem Preisdiskussionen, die im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf geführt wurden, setzten die Aktienkurse immer wieder unter Druck. Doch die Aussichten für innovative Unternehmen sind weiter positiv.

Während Indizes wie der Dow Jones oder S&P 500 im zurückliegenden Jahr von Rekord zu Rekord geeilt sind, verloren Aktien aus dem Gesundheitswesen gemessen am MSCI World HC 7,9 Prozent an Wert. Zum Vergleich: Der „große Bruder“, der MSCI World, der weltweit Aktien aus allen Branchen umfasst, legte 2016 um 6,2 Prozent zu (alle Angaben in US-Dollar). Damit wurde der fünfjährige Bullenmarkt im Healthcare-Sektor vorerst gestoppt.

Es gibt verschiedene Anhaltspunkte, warum auch 2017 für die Branche ein herausforderndes Jahr werden könnte. Erstens hat sich generell das Makro-Umfeld verändert. Das gilt vor allem für die Zinsen, die insbesondere in den USA wieder gestiegen sind. Zweitens bestehen weiterhin politische Unsicherheiten. In den Vereinigten Staaten ist die Zukunft von Obamacare ungewiss. Erst wollte der neue Präsident, Donald Trump, die Krankenversicherung (Affordable Care Act) ganz abschaffen, später „nur“ noch optimieren. Nun soll Obamacare durch eine neue Gesundheitsreform ersetzt werden. Aber wie genau die Alternative zum Affordable Care Act aussehen soll, bleibt ungeklärt. Drittens flammt die Preisdiskussion aus dem Wahlkampf auch danach – zum Beispiel durch Tweets von Trump – immer wieder auf.

Bei einer genaueren Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die aufgeführten Punkte auch andere Schlüsse zulassen. So sind zwar in den USA in der zweiten Hälfte 2016 die Zinsen tatsächlich wieder gestiegen. Amerikanische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentierten Ende 2016 mit 2,4 Prozent und damit in etwa doppelt so hoch wie zur Jahresmitte. Allerdings ist in den Vereinigten Staaten die Inflation ähnlich stark gestiegen, sodass die Realzinsen – und die sind entscheidend – kaum angezogen haben.

Außerdem ist noch nicht klar, wie Trump das Steuersystem konkret ändern möchte. Es zeichnet sich jedoch schon heute ab, dass vor allem Firmen aus dem Gesundheitswesen mögliche Nutznießer einer Steuerreform sein könnten. Denn Healthcare-Unternehmen zahlen in den USA nach Angaben der Schweizer Bank UBS einen durchschnittlichen Steuersatz in Höhe von 35 Prozent. Dementsprechend könnten Arzneimittelproduzenten stark von der angekündigten Steuersenkung profitieren. Gleichzeitig zählen die Gesellschaften aus dem amerikanischen Gesundheitswesen zu jenen Firmen, die überproportional große Barreserven im Ausland lagern.

Hier will Trump Anreize schaffen, dass das Geld in die Vereinigten Staaten zurückkehrt. Allein die sechs großen US-Pharmakonzerne Johnson & Johnson, Merck & Co., Pfizer, AbbVie, Eli Lilly und Bristol-Myers Squibb bunkern annähernd 100 Milliarden US-Dollar außerhalb der USA. Bei einer steuergünstigen Lösung könnte das Geld in die Vereinigten Staaten zurückfließen und dort zum Schuldenabbau, für Dividenden oder Aktienrückkäufe genutzt werden. Vor allem aber könnten die amerikanischen Pharma- und Biotech-Unternehmen die repatriierten Gewinne für Fusionen und Übernahmen (M&A) einsetzen.




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