Klimaschutz mit ETFs: Im Angesicht des nötigen Wandels

Heike Fürpaß-Peter, Head of Lyxor ETF Deutschland & Österreich

Die Covid-19-Krise macht wieder einmal deutlich, wie abhängig Menschen von funktionierenden Ökosystemen sind. Das gilt für Infektionen genauso wie für die Auswirkungen des Klimawandels. Letzterer ist mitunter Auslöser für extreme Wetterereignisse und den kontinuierlichen Verlust der biologischen Vielfalt – mit all den damit verbundenen Konsequenzen.

Zielsetzung beim Klima

Mehr als vier Jahre ist es her, dass in Paris 194 Länder einen zukunftsweisenden Vertrag zur Bekämpfung des Klimawandels geschlossen haben: Ziel des Abkommens war es, den Anstieg der globalen Erderwärmung langfristig auf 2 Grad gegenüber den vorindustriellen Werten zu reduzieren, um die Risiken und Folgen des Klimawandels zu vermindern. Später wurde dieses Ziel in einem Sonderbericht des Weltklimarats auf 1,5 Grad Celsius angepasst. Damit dies gelingt, muss die Welt bis 2030 die CO2-Emissionen um 45 Prozent senken und bis 2050 auf null reduzieren.

Doch die Eindämmung des Klimawandels erfordert massive Investitionen in die Infrastruktur, in die Transformation von Unternehmen, in den Produktwandel (z. B. Elektrofahrzeuge), aber auch eine Beschleunigung von technologischen Innovationen, Verhaltensänderungen und natürlich starke politische Maßnahmen, wie die Kohlenstoffpreisgestaltung, die Energiesteuer oder Energienormen. Laut IPPC (Intergovernmental Panel on Climate Change) werden hierfür bis 2035 in jedem Jahr 2,4 Billionen Dollar benötigt, um so die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Warum es auf die Finanzindustrie ankommt

Mit ihrem Aktionsplan zur „Finanzierung von nachhaltigem Wachstum“ hat die EU-Kommission 2018 deutlich gemacht, dass sie dabei vor allem auch auf die Finanzindustrie setzt. Der Aktionsplan zielt darauf ab, das Kapital von Anlegern und Investoren auf nachhaltig agierende Wirtschaftszweige und Unternehmen umzulenken. Anleger können und sollen also mit ihren Investitionen erheblich zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen. Ihr Einfluss ist dabei größer, als manch einer womöglich glaubt. Denn entsprechende Kapitalumschichtungen sind ein großer Anreiz für Unternehmen, ihre Energieeffizienz zu überdenken und ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren. Tun sie dies nicht, hat das bereits heute Auswirkungen auf ihre Kapitalkosten, ihre Eigenkapitalbasis, ihren Zugang zu Bankkrediten und damit nicht zuletzt auf ihren Aktienkurs. Gerade große institutionelle Anleger wollen keine Risiken mehr eingehen und ziehen sich schon seit einigen Jahren aus Unternehmen zurück, die nicht bereit sind, sich zukunftsorientiert aufzustellen.

Anleger, die auf Unternehmen setzen möchten, die zeitgerecht den Sprung schaffen könnten, sollten daher über eine Umstellung ihres Portfolios nachdenken. Für diejenigen, die selbst nicht die Zeit und die Fachkenntnis haben, klimafreundliche Unternehmen zu identifizieren, bieten entsprechende ETFs eine gute Möglichkeit, in den Markt nachhaltiger Geldanlagen zu investieren und damit zum Beispiel die Bekämpfung des Klimawandels zu unterstützen.

Vielzahl von Klimaschutzindizes

So hat der US-Finanzdienstleister MSCI spezielle Klimaschutzindizes entwickelt, die konsequent die Vorgaben des Pariser Übereinkommens zur CO2-Reduktion berücksichtigen. Hierfür orientieren sich die Indizes eng an den Empfehlungen der Technischen Expertengruppe (TEG) der EU, um die Messlatte der EU für den Klimawandel (Climate Transition Benchmark, CTB) zu erreichen. Darin ist die sofortige Reduzierung des Kohlenstoffausstoßes um 30 Prozent und bis 2050 eine jährliche absolute Emissionsreduktion von 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingeschlossen. Es werden somit nur Unternehmen in die Indizes aufgenommen, die besonders erfolgreich dekarbonisieren, also ihren CO2-Ausstoß reduzieren.

Die Gewichtung der Unternehmen in den MSCI-Indizes basiert auf ihrem Low Carbon Transition-Score (LCT). Dieser misst das Risiko der Neuausrichtung von Unternehmen, indem er einerseits deren CO2-Intensität berücksichtigt, andererseits aber auch das Management der Risiken, die mit der Umstellung ihrer Geschäftstätigkeit einhergehen könnten, etwa wenn die Unternehmen auf falsche Technologien setzen. Zielgerichtete Unternehmensführung, Strategie, Reporting und Zielfestsetzungen spielen bei der Erstellung des LCT-Scores ebenfalls eine Rolle.

Anleger, die in ETFs investieren, die sich auf die MSCI-Klimaschutzindizes beziehen (wie zum Beispiel die neuen Lyxor ETFs gegen den Klimawandel), können somit unkompliziert in Portfolios investieren, die nicht nur dazu beitragen, die CO2-Intensität zu reduzieren, sondern entsprechend der jüngsten Empfehlungen der TEG gezielt die langfristige Dekarbonisierung der Wirtschaft verfolgen.

Vorteile von ETFs

Dabei ist einer der Vorteile des passiven Ansatzes von ETFs gegen den Klimawandel, dass sie im Gegensatz zum klassischen Stock-Picking auf enormen Datenmengen basieren, die wissenschaftlich ausgewertet werden. Die Rohdaten, die dafür verwendet werden, beruhen sowohl auf obligatorischen als auch auf freiwilligen Unternehmensdaten sowie auf den Bewertungen von spezialisierten Ratingagenturen. Somit kann Kapital bei Bedarf auf transparente und disziplinierte Weise in großem Umfang umgeschichtet werden. Gleichzeitig bleiben jedoch Diversifikation und Liquidität erhalten.

Nach Jahren mit Hitzerekorden und Feuerkatastrophen zeigt sich mit der Covid-19-Krise ein weiteres Mal, wie anfällig unser globales System und wie machtlos der Mensch angesichts solch unvorhersehbarer Ereignisse ist. Um dem Klimawandel und seinen Auswirkungen zu begegnen, braucht es Investitionen. Und diese rechnen sich nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Investoren. Zahlreiche Studien belegen bereits, dass die Rendite nachhaltiger Investments immer stärker wächst und mittlerweile die von Anlagen ohne diesen Filter sogar häufig übertrifft: Laut Scope Analysis lieferten nachhaltige Strategien in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt eine Mehrrendite von 0,5 Prozentpunkten pro Jahr gegenüber Investments ohne entsprechenden Filter. 2019 erreichte dieser Vorsprung sogar 3,1 Prozent.




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