Kommt es zu einer Deglobalisierung der Wirtschaft?

Nicholas Grace, Portfoliomanager für Aktien bei Capital Group

Zunehmender Protektionismus und Nationalismus wird ein Trend sein, der durch COVID-19 noch verstärkt wird, sagt Nicholas Grace, Portfoliomanager für Aktien bei Capital Group. Seiner Meinung nach sind ein langfristiger Anlagehorizont und eine Bottom-up-Aktienauswahl der Schlüssel, um auf diese Trends zu reagieren.

Die Einstellung zu ausländischen Direktinvestitionen aus China hat sich verschoben. Wir sehen bereits einen sich abzeichnenden Trend, dass Länder ihre nationalen Champions‘ schützen. Nehmen wir als Beispiel Indien, das in der vergangenen Woche ein neues Gesetz zur Begrenzung von Auslandsinvestitionen verabschiedete, das die Hürde für Direktinvestments aus China erhöht. In Europa haben auch Deutschland und Spanien ihre Regeln verschärft und für strategisch wichtige Unternehmen eine Obergrenze von zehn Prozent eingeführt. Es besteht die Sorge, dass ausländische Unternehmen die schwachen Bewertungen der Aktienmärkte ausnutzen werden, um über Fusionen und Übernahmen ihre Beteiligung zu erhöhen.

Ein weiterer wichtiger Trend, den wir sehen werden, ist eine Verlagerung von Deregulierung hin zu Regulierung und eine Zunahme der staatlichen Interventionen. Wir werden nicht nur viel höhere Steuern auf individueller und Unternehmensebene sehen, sondern auch viel mehr Regulierung für Unternehmen. In der Vergangenheit haben wir bereits bedeutende Eingriffe im Bankensektor in Bezug auf die Höhe des Tier-1-Kapitals, die Vergütung von CEOs sowie Dividenden- und Rückkaufausschüttungen erlebt. Es wird erwartet, dass sich dieser Trend auf andere Branchen ausbreitet und eine ganze Reihe von Unternehmen betrifft. Branchen, die Unterstützung von Regierungen in Anspruch genommen haben, werden einer besonderen aufsichtsrechtlichen Prüfung unterzogen werden.

Was die Portfoliopositionierung betrifft, so sind wir aufgrund eines zunehmenden Trends zur Deglobalisierung dem Welthandel weniger ausgesetzt. Wir konzentrieren uns mehr auf Unternehmen die stark im Inland sind und vermeiden aktiv Unternehmen, die vom Protektionismus betroffen sind.




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