LFDE: Technologie-Blase in Sicht?

Olivier de Berranger, CIO bei LFDE

Seit Anfang Juni ist Tesla um satte 67 % in die Höhe geklettert, Amazon und Apple um 30 % bzw. 20 %. Zwar wachsen Bäume nicht in den Himmel, doch es scheint, als hätten die Elektronen einen Weg gefunden! Deuten der Markt und insbesondere der Technologiesektor also darauf hin, dass sich gerade eine Blase aufbaut, die bald platzen könnte? Ein Kommentar von Olivier de Berranger, CIO bei LFDE

Gleichzeitig ist auch die Anzahl der Corona-infizierten Personen in den USA und andernorts explodiert; auch wenn die Anzahl der Todesfälle pro Tag nicht proportional gestiegen ist. Es werden gigantische Sozialprogramme verkündet, und über ganze Regionen wie Melbourne, mit seinen vier Millionen Einwohnern, wurde erneut ein Lockdown verhängt.

Zunächst einmal sollten wir zwischen Tesla und Technologiewerten im Allgemeinen, insbesondere jenen aus dem Internetbereich, unterscheiden. Tesla ist zwar ein Technologieunternehmen, jedoch hat es mit dem Internet sehr wenig zu tun. Der Titel bleibt eine sehr spekulative Position, während viele Technologietitel, deren Kurse gerade emporschießen, ihre Rentabilität bereits nachweisen konnten. Es wäre auch etwas vermessen, kategorisch von einer Blase zu sprechen. Die Zukunft wird es zeigen, aber wir gehen derzeit nicht davon aus, denn aus unserer Sicht mangelt es nicht an Gründen, die den Kursanstieg bei Technologietiteln rechtfertigen.

Hauptgrund dafür ist, dass die Top-Titel aus dem Internetbereich automatisch von der wachsenden Unsicherheit im Zuge der Gesundheitskrise profitieren. Sollten erneut lokale Lockdowns beschlossen werden, werden die Menschen weiterhin im Homeoffice bleiben, und sollte die Unsicherheit über die gesundheitliche Lage über Monate oder gar Jahre anhalten, spricht alles für einen weiteren Anstieg von Titeln, die auf Dematerialisierung und Roboterisierung setzen. Diese fungieren trotz des ihnen innewohnenden Risikos als Fluchtwerte: Je länger die Krise dauert, desto mehr profitieren sie.

Der zweite Grund besteht darin, dass die große Mehrheit der Anleger erwartet, dass die Zinssätze auf Jahre oder gar Jahrzehnte bei (fast) null bleiben werden, wie dies in Japan seit mehr als 20 Jahren der Fall ist. Es gilt also, die Zeit zu überbrücken. Das betrifft auch die Bewertungsannahmen für die teuren Aktien. Diese sollten für einen längeren Zeitraum gelten – ein Zeithorizont, bei dem sie angemessener sind als auf kurze Sicht.

Zudem haben manche Technologietitel einen Bezug zu langfristig aussichtsreichen Themen wie ESG: Die CO2-Bilanz der betreffenden Unternehmen ist generell vertretbar, sie sind an der Forschung zu Energie- oder Produktionseffizienz beteiligt und leisten einen Beitrag zu universellen Herausforderungen wie dem Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung, Unterhaltung und sozialen Kontakten.

Zwar mögen einige Bewertungen überzogen sein, doch in unserer gegenwärtig im Krisenmodus befindlichen Welt sollte die Gesundheit dieser Unternehmen nicht verteufelt werden.




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