M&A: Finanzinvestoren besser als ihr Ruf

Für einige Unternehmen kann es hilfreich sein, sich die Unterstützung eines Finanzinvestors zu holen, um ungeahnte Entwicklungspotentiale zu entfalten. Die Interessen vieler Private-Equity-Häuser sind längst nicht mehr so kurzfristig und einseitig wie oftmals angenommen.

Bei Investitionen in nicht-börsennotierte Unternehmen werden Strategen gegenüber Finanzinvestoren oftmals bevorzugt, weil man ihnen ein Interesse an der finanziellen und operativen Nachhaltigkeit des Zusammenschlusses nachsagt. Finanzinvestoren dagegen soll es lediglich um schnelle und hohe Renditen gehen.

Die Realität am M&A-Markt (Mergers and Acquisitions) sieht allerdings anders aus. Sie ist bei Weitem nicht so schwarz-weiß wie das öffentliche Bild. Tatsächlich sind Finanzinvestoren für einige Unternehmen eine Alternative zu den herkömmlichen Strategen.

Kreativität teilweise wichtiger als Erfahrung

Finanzinvestoren sollen verglichen mit Strategen das Branchenumfeld nicht genügend kennen, in dem sich das Investitionsobjekt behaupten muss. Dies mag auf einzelne hochspezialisierte Märkte wie etwa das Pharma-Segment zutreffen, muss aber nicht immer der Fall sein. Gerade in disruptiven Branchen wie Technologie ändern sich die Gegebenheiten häufig. Hier zählt Kreativität oft mehr als reine Erfahrung. Die letzten Jahre haben hier gezeigt, dass Private Equity eine echte Alternative darstellt und durchaus entscheidende neue Impulse liefern kann.

So ist es kaum verwunderlich, dass Finanzinvestoren bei ihren Investments durchaus beliebt sind. Bei einer Übernahme durch einen Strategen beziehungsweise dem Zusammenschluss mit ihm geht man immer das Risiko ein, langfristig in der Bedeutungslosigkeit des Großkonzerns zu verschwinden. Finanzinvestoren dagegen können das Unternehmen gezielt optimieren und besser aufstellen, ohne die etwaige Unabhängigkeit aufzugeben. Hier lassen sich grob drei Kooperationsszenarien unterscheiden, die auch die Interessen der Zielgesellschaft wahren.

Vorbereitung für den Kapitalmarkt

Klassischerweise kann die Zusammenarbeit mit einem Finanzinvestor dazu genutzt werden, das eigene Unternehmen auf den Eintritt in den Kapitalmarkt vorzubereiten. Unternehmensteile können gezielt optimiert und ausgebaut werden, um die nötige Marktreife zu gewährleisten. Bereiche wie etwa Buchhaltung, Controlling oder Compliance müssen den hohen Transparenzstandards börsennotierter Unternehmen entsprechen. Zusätzlich kann auf der Produktseite die Innovationskraft des Unternehmens gesteigert werden und somit auch die Attraktivität für Anleger bei einem möglichen Börsengang.

Private Equity als Zwischenschritt vor dem Konzerneintritt

Auch wenn es darum geht, das eigene Unternehmen optimal auf die Herausforderungen eines möglichen späteren Zusammenschlusses mit einem Konzern vorzubereiten, kann die Zusammenarbeit mit einem Finanzinvestor als Zwischenstufe sinnvoll sein. Dies geht über das reine Aufhübschen des Unternehmens hinaus und dient idealerweise dazu, zum Zeitpunkt der Fusion als integraler Bestandteil der neuen Konzernstrategie aufgestellt zu sein. Auf diese Weise lässt sich sicherstellen, dass die eigene Unternehmensidentität auch im Konzern bestehen bleibt.

Finanzinvestoren als dauerhafte Kooperationspartner

Eine dritte Möglichkeit, wie Unternehmen erfolgreich mit Finanzinvestoren kooperieren können, ist die langfristige Partnerschaft. Einige Unternehmen werden sogar wiederholt von Finanzinvestoren gekauft. Bei sogenannten Secondaries oder Tertiaries veräußern Finanzinvestoren ein Unternehmen zum zweiten oder dritten Mal zum nächsten Investor.

Das liegt daran, dass Private-Equity-Unternehmen sich nicht gleichen, sondern oft unterschiedliche Ansätze verfolgen. Manche wollen durch weitere Akquisitionen im gleichen Umfeld expandieren, andere dagegen fokussieren sich auf interne Veränderungen. Darüber hinaus bringen Finanzinvestoren ein großes Netzwerk an Managern und Beratern ein, die dem Unternehmen andernfalls nicht zur Verfügung stünden.

M&A-Umfeld in Zukunft weiterhin auch für Strategen attraktiv

Der Konkurrenzdruck in weniger stark wachsenden Märkten, wie im klassischen Industriesegment, ist etwas größer. Dadurch sind die teilweise aggressiveren Ansätze der Finanzinvestoren hier deutlicher spürbar. Allerdings dürften strategische Investoren sich immer schwerer gegen die Private-Equity-Konkurrenz durchsetzen können. Die Entwicklung wird sich zunächst in einigen Industrien wie dem Technologiesektor oder dem Healthcare-Bereich durchsetzen. Hier sind die Investitions- und Entwicklungsmöglichkeiten weiterhin so vielfältig, dass sowohl Finanzinvestoren als auch Strategen echte chancenreiche Alternativen zueinander darstellen.




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