VIX: Macht der Markt den nächsten Fehler?

Laut VIX, dem Index für die Marktvolatilität, fehlt es im Markt gegenwärtig an jeglicher Angst. Blickt man auf die aktuelle Weltlage mit ihrer politischen Instabilität, tragen die Anleger unseres Erachtens eine Sorglosigkeit zur Schau. Das gibt Grund zur Besorgnis, meint James Butterfill, der Head of Research & Investment Strategy bei ETF Securities ist.

Kurswechsel nach dem Misserfolg

Laut VIX fehlt es im Markt gegenwärtig an jeglicher Angst. Abgesehen von gelegentlichen Spitzen nimmt der Volatilitäts­index in diesem Jahr einen ungewöhnlich tiefen Verlauf. Im Jahresdurchschnitt lag er seit 1991 nur in 5 Prozent der Jahre so niedrig, den aktuellen Stand erreichte er sogar nur in 1 Prozent der Fälle. Das diesjährige Tief bei 9,75 war ferner der historisch fünfttiefste Stand, zuletzt erreicht Ende 1993. Blickt man aber auf die aktuelle Weltlage mit ihrer politischen Instabilität, tragen die Anleger unseres Erachtens eine Sorglosigkeit zur Schau, die Grund zur Besorgnis gibt.

Die jüngsten Spitzen des VIX unterstreichen, dass Anleger, die den VIX shorten, durchaus Opfer ihrer Sorglosigkeit werden können. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Anstieg am 17. Mai. Über Nacht explodierte der VIX von 10,6 um 46 Prozent auf 15,6. Grund waren Enthüllungen, dass Präsident Trump den ehemaligen FBI-Direktor Comey aufgefordert habe, die Untersuchungen über die russische Einmischung in den US-Wahlkampf einzustellen.

An der Oberfläche lässt der niedrige VIX vermuten, dass die Wahr­nehmung der künftigen Volatilität mit einer optimis­ti­schen Einstellung einhergeht. Unseres Erachtens aber unter­treibt der VIX das Risiko. Ein Blick auf unser VIX-Modell zeigt, dass der Index immer mehr vom Modellbefund ab­weicht. Der VIX sollte dem Modell zufolge, in das der Global Financial Stress Index und der US Economic Policy Uncertainty Index eingehen (s. VIX und Steuersenkungen wiegen Aktienanleger in trügerischer Sicherheit), eher bei 15 stehen, statt wie aktuell bei 10,6. Der Markt müsste also ein wesentlich höheres Risiko sehen. Das Absurde daran ist, dass diese Lücke zum Teil eine Folge der Instabilität auf Makroebene ist. Der marktbreite Anstieg des S&P 500 verschleiert die ungewöhn­lich hohe Korrelation zwischen Marktsektoren und Einzelaktien. Aber sie erklärt nicht, warum der VIX von unserem Modell abweicht, da es sich hierbei um ein neueres Phänomen handelt.

Der heikle Trend entstand 2013 in der Gruppe der „Shorties“. Wahrscheinlich drückten sie den VIX, als sie in den Jahren der lockeren Geldpolitik Renditen jagten. Entlang der steilen Terminkurve ließ sich nämlich mit VIX-Shorts Geld verdienen.

    




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