Platin setzt zur Aufholjagd an

Önder Ciftci, Geschäftsführer der Ophirum GmbH

Die Edelmetalle profitieren von der zunehmenden Unsicherheit über die weltweite Konjunkturentwicklung. Für Platin sprechen langfristig aber auch andere Gründe, etwa die Entwicklung von Fahrzeugantrieben mit Wasserstoffbrennzellen. Die Nutzung dieser Technologie steht allerdings erst am Anfang.

Platin zeigte in den vergangenen Jahren oft die schwächste Kursentwicklung unter den Edelmetallen. Denn die Dieselkrise hat dem Rohstoff zugesetzt, da Platin bei Dieselkatalysatoren eingesetzt wurde, diese Autos sich aber nach der Krise schlecht verkauften. In diesem Jahr ist die Performance besser, da Edelmetalle insgesamt gefragt sind. Gold, Silber und Platin haben alle derzeit rund 20 Prozent in diesem Jahr zulegen können. Zwischenzeitlich erreichte Platin ein 18-Monatshoch.

Die Sorge der Anleger vor einer Rezession hat sie nicht nur in sichere Häfen wie Anleihen geführt, sondern auch in Edelmetalle. Die jüngsten Frühindikatoren haben die Befürchtungen bestätigt: Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren ist so mies wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Der ifo-Index für die Erwartungen der Exportindustrie sackte im September deutlich um 2,9 auf minus 5,2 Punkte ab. Im August gab es noch eine moderate Erholung. Die Krisen um den Brexit sowie den sino-amerikanischen Handelsstreit wirken sich immer noch negativ aus. Positive Signale von anderen Wirtschaftsdaten sind derzeit kaum auszumachen.

Wasserbrennstoffzellen werden zunehmend eingesetzt

Zwar wird von Klima-Aktivisten eine schnellere Einführung von E-Autos gefordert, doch es gibt auch alternative, umweltschonende Antriebsmöglichkeiten, wie der jüngste Bericht des World Platinum Investment Council (WPIC) zeigt. Demzufolge nimmt der Antrieb für Fahrzeuge zu, die mit Wasserstoffbrennzellen angetrieben werden – wenn auch von einem niedrigen Niveau aus. Der Einsatz von Platin beim Bau einer Wasserstoffbrennzelle hat Vorteile: Mittels einer chemischen Reaktion wird in einer mit Platin gebauten Wasserstoffbrennzelle Elektrizität erzeugt, die als Nebenprodukte nur Wasser und Wärme abgibt. Diese Brennstoffzellen bieten eine so große Menge am Elektrizität, wie sie von Bussen oder anderen großen Verkehrsmitteln benötigt werden. Elektrobatterien können derzeit mit dieser Leistung nicht mithalten. Ein weiterer Vorteil ist, dass Brennstoffzellen im Gegensatz zu Batterien keine längeren Ladestopps benötigen, um das Fahrzeug aufzuladen.

Großer Angebotsüberschuss noch

Diese Pluspunkte überzeugen: So nimmt nach den Daten der International Energy Agency die Anzahl von Bussen, die Wasserstoffbrennzellen einsetzen, immer weiter zu, vor allem in China. Dort sollen bis Ende 2020 mehr als 1.000 Fahrzeuge damit bestückt werden. Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten solcher Brennstoffzellen sollten die Nachfrage nach Platin langfristig unterstützen. Außerdem stellt das World Platinum Investment Council fest, dass auch an Zügen und Fähren der Einsatz von Wasserstoffbrennzellen auf Platinbasis getestet wird, auch hierzulande. In Großbritannien, wo nur rund ein Drittel des Schienennetzes elektrifiziert ist und die Regierung verpflichtet ist, Dieselzüge bis 2040 aus dem Verkehr zu ziehen, sind die ersten Brennstoffzellenzüge für 2022 geplant. Damit soll die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen weiter gesenkt werden. Allerdings wird sich das Angebots- und Nachfrageverhältnis nur allmählich ändern. Der World Platinum Investment Council geht weiterhin von einem großen Angebotsüberschuss in Höhe von 375.000 Unzen für Platin in diesem Jahr aus.




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