Rechenzentrum zwischen Geysiren und ewigem Eis

Die Datenmenge steigt weltweit immer schneller an und damit auch der Bedarf an Rechenzentren, die diese verarbeiten können. Island ist der ideale Standort.

Mit dem Internet der Dinge, Industrie 4.0 und Big Data sind wir in der vierten Industriellen Revolution angekommen. Da immer mehr Unternehmen Betriebs- und Maschinendaten sammeln und analysieren, um Prozesse effizienter und kostengünstiger zu gestalten, steigen die erzeugten Datenmengen immens. Um dieser Mengen Herr zu werden und die Daten zu analysieren, sind Rechenzentren und deren verfügbare Kapazitäten die Basis. Das Internet der Dinge ist also ein wesentlicher Treiber für das Wachstum von Rechenzentren.

Günstiger Strom im Norden

Ohne ein Rechenzentrum ist die Analyse der gesammelten Daten nicht möglich. Daher nennt jedes größere Unternehmen ein Rechenzentrum sein Eigen. Hierzulande ist der Betrieb eines eigenen Datacenters allerdings recht kostspielig. Große Rechenzentren können Stromrechnungen in Millionenhöhe produzieren. Laut Borderstep Institut verbrauchten Rechenzentren an deutschen Standorten im Jahr 2015 zwölf Milliarden Kilowattstunden Strom. Eine beachtliche Summe, die für Server und Storage gezahlt wurde. 2020 sollen es schon 14,3 Milliarden Kilowattstunden sein, und bis 2025 prognostiziert das Institut einen Stromverbrauch von 16,4 Milliarden Kilowattstunden im Jahr. 2015 zahlte die deutsche Industrie laut Statista circa 15 Cent pro Kilowattstunde bei einem jährlichen Stromverbrauch von 500 bis 2.000 Megawattstunden. Mit wesentlich günstigeren Angeboten locken die nördlichen Länder wie Schweden, Norwegen oder Island. So zahlt die dortige Industrie im kommenden Jahr schätzungsweise etwa fünf Cent pro Kilowattstunde bei einem jährlichen Verbrauch von 500 bis 2.000 Megawattstunden. Im Vergleich zu einem deutschen Standort lässt sich so bis um die Hälfte der Betriebskosten einsparen. Zusätzlich zu günstigem Strom besitzt Island mit Norwegen und Schweden eines der sichersten Stromnetze in Europa. Das wiederum macht isländische Rechenzentren extrem ausfallsicher.

Grüne Energie

Nicht nur hinsichtlich des Strompreises haben die nördlichen Länder die Nase vorn. Gerade wenn es um Energiegewinnung geht, ist Island anderen Ländern einen Schritt voraus: Begünstigt durch die natürlichen Gegebenheiten wird fast sämtliche Energie über Wasserkraft und Geothermie erzeugt. Das erlaubt den Rechenzentrumsbetrieb aus 100 Prozent erneuerbaren Energien. Unternehmen können so ihren CO2-Ausstoß deutlich verringern.

Mit der steigenden Zahl an Anwendungen, die auf Rechenzentrumskapazität angewiesen sind, steigt auch die Leistungsdichte in modernen Rechenzentren. Dementsprechend wächst der Energiebedarf für die Stromversorgung und effiziente Kühlung der Systeme. Analysen zeigen, dass durchschnittlich nur etwas mehr als die Hälfte des Energiebedarfs auf die eigentliche IT zurückgeht. Den anderen Teil verbraucht die versorgende Infrastruktur wie unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) und Klimatisierung. Laut Bitkoms Leitfaden „Energieeffizienz in Rechenzentren“ von 2015 lassen sich beispielsweise für ein deutsches Rechenzentrum mit 1.000 Quadratmetern Rechenzentrumsfläche 59 Prozent des gesamten Stromverbrauchs auf die IT-Landschaft wie Server, Netzwerk und Storage anrechnen. Da bis zu 22 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs auf die Kühlung entfallen, sollten Rechenzentrumsbetreiber ihr Augenmerk besonders darauf richten. Denn der Faktor Kühlung bietet dementsprechendes Sparpotenzial: Mit dem richtigen Standort und der passenden Kühltechnologie lassen sich Energie und somit Kosten sparen.




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