Langfristige Rendite durch Streuung

Weniger Risiko bedeutet in der Regel weniger Rendite. Doch durch die richtige Asset-Allokation lässt sich die geringe oder negative Korrelation zwischen verschiedenen Anlageklassen ausnutzen, um langfristig Rendite zu erzielen.

Das Erzielen einer positiven Realrendite sollte die Zielgröße bei der Kapitalanlage sein. Ein Blick zurück auf die Entwicklung von Vermögensklassen in verschiedenen ökonomischen Szenarien kann hier hilfreich sein. So haben sich in einer Phase eines reiferen Konjunkturaufschwungs mit steigender Inflation reale Werte wie Aktien, Rohstoffe oder Immobilien zumeist gut entwickelt. In Erwartung eines steigenden Zinszyklus bildeten Staatsanleihen indessen eher das Schlusslicht, während sich Hochzins- und Unternehmensanleihen oder auch Schwellenländeranleihen gut behaupten konnten. Im Rahmen eines erwarteten Konjunkturabschwungs, insbesondere in einer erwarteten Rezession, waren es hingegen die risikobehafteten Vermögensklassen wie Aktien und Rohstoffe, die sich schlechter entwickelten. Staatsanleihen, Pfandbriefe und Gold bildeten in dieser Phase zumeist den „sicheren Hafen“. Doch die historische Entwicklung lässt keine Rückschlüsse auf die Zukunft zu.

Das größte Risiko besteht darin, kein Risiko einzugehen. Das Prinzip „Risikovermeidung um jeden Preis“ sollte daher auf keinen Fall zur Leitlinie der Kapitalanlage werden. Das Kapitalmarktumfeld ist von niedrigen realen Renditen geprägt. Die Zinsen herkömmlicher Anlageformen können kaum mehr die Inflation ausgleichen.

Nach der Finanz- und Schuldenkrise hat die „Politik des billigen Geldes“ einen gewichtigen Einfluss auf die Finanzmärkte gewonnen. Niedrige Nominalzinsen in Kombination mit zum Teil negativen Realrenditen bilden ein Umfeld, in dem die Staaten aus ihren Schulden herauswachsen können, wenn die Volkswirtschaft stärker wächst als die auf den öffentlichen Schulden liegende Zinslast. Es ist daher wahrscheinlich, dass das Niedrigzinsumfeld noch für geraume Zeit anhalten wird, während die Inflation leicht ansteigt. Ist die Erwartung moderater, aber positiver Inflationsraten richtig, sollten sich Vermögensklassen, die einen gewissen Schutz vor Inflation bieten, in einer Phase finanzieller Repression und künstlich niedrig gehaltener Realzinsen gut entwickeln. Reale Werte, wie Rohstoffe und Immobilien, bieten sich an, aber auch Aktien gehören dazu und sind besonders liquide. Gerade Letztere sollten regional breit gestreut sein, um an den globalen Wachstumschancen teilhaben zu können. Zudem erscheinen alternative Anlageklassen interessant. Das Renditepotenzial klassischer Staatsanleihen ist in Anbetracht der bereits historisch niedrigen Zinsen jedoch langfristig begrenzt. Mehr versprechen die Spread-Segmente, die aufgrund der Renditeaufschläge noch auskömmliche Realrenditen aufweisen.

Für Anleger mit einem langfristigen Anlagehorizont sollte das Timing eine untergeordnete Rolle spielen. Der volatile Kapitalmarkt und das Niedrigzinsumfeld rücken eine ausgewogene und der Risikoneigung angemessene Struktur des Portfolios in den Vordergrund. Um Risiken bei der Kapitalanlage zu reduzieren, sollte eine breite Streuung nicht nur über Einzeltitel, sondern auch über verschiedene Vermögensklassen der erste Schritt sein.

Diversifikation kann Verluste nicht verhindern, aber Risiken minimieren

Die schlechte Nachricht vorab: Diversifikation schützt nicht vor Verlusten. Aber sie hilft, Klumpenrisiken im Depot zu vermeiden. Bei nicht vollständig korrelierten Wertpapieren und Anlageklassen kann der Anleger durch die Streuung seines Vermögens Kursschwankungen seines Portfolios vermindern, ohne die Renditechancen zu schmälern. Dieser Risikodiversifikationseffekt ist die erste und einfachste Form des Risikomanagements und vielleicht der einzige „free lunch“ am Kapitalmarkt, im Widerspruch des durch Milton Friedman bekannt gewordenen Slogans: „There’s no such thing as a free lunch“. Um die Marktrisikoprämien verschiedenster Vermögensklassen abzuschöpfen, sollte der Anleger sein Geld auf mehrere Anlageklassen verteilen, da sich die Anlageklassen zum Teil sehr unterschiedlich zueinander entwickeln. Bestes Beispiel ist der Höhepunkt der Finanzmarktkrise im Jahr 2008: Die Kurse von Staatsanleihen der Industrieländer stiegen im Schnitt um 18 Prozent und Gold um acht Prozent, während Aktien mit Kursrückgängen von über 40 Prozent ihr schwächstes Jahr seit der Weltwirtschaftskrise 1931 erlebten. Auch die Aufholbewegung der Märkte 2009 fiel unterschiedlich aus. Hier waren es insbesondere die Aktien in den Schwellenländern, die mit einem Plus von 73 Prozent die anderen Vermögensklassen übertrumpften. Auch bei vermeintlich sicheren Staatsanleihen oder Gold sind jedoch Kursschwankungen zu beobachten. Deutlich wurde dies 2013, als der Goldkurs in der Spitze um 31 Prozent fiel.




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