Anzeige

Mehr Sicherheit an der Wall Street

Der US-Markt zeigte sich seit der Eurokrise risikoärmer als europäische Werte. Mit defensiven Strategien kann auch zukünftig Renditepotenzial ausgeschöpft werden.

Seit Jahresbeginn konnte der europäische Aktienmarkt deutlich zulegen. Das Gleiche gilt für den Euro, der im Vergleich zum US-Dollar zehn Prozent im selben Zeitraum an Wert gewinnen konnte. Viele Anleger trauen dieser Hausse jedoch nicht. Sie befürchten vielmehr, dass es sich lediglich um die „Ruhe vor dem nächsten Sturm“ handelt – ausgelöst etwa durch die italienischen Banken oder ein erneutes Aufflackern der Griechenland-Krise. Doch wie sollen Anleger sich schützen? Vor dem Hintergrund von Negativzinsen bzw. durch die von expansiver Geldpolitik aufgeblähten Anleihenkurse sind Aktien nahezu alternativlos. Als wesentlicher Mechanismus zur Risikoreduktion hat sich in den vergangenen Jahren die internationale Diversifikation herauskristallisiert. In den Turbulenzen der vergangenen Jahre konnte sich vor allem der amerikanische Kapitalmarkt als „sicherer Aktienhafen“ etablieren.

Schwacher Dollar als Vorteil

Das Thema internationale Diversifikation hat vor allem an Bedeutung gewonnen, weil sich wesentliche Wirkungszusammenhänge im Zuge der Eurokrise substanziell verschoben haben. Früher gingen Ökonomen immer von einem negativen Zusammenhang zwischen der Stärke des US-Dollars und der relativen Rendite des amerikanischen Aktienmarkts aus – d.h. der amerikanische S&P-500-Index ist in Zeiten mit schwacher Dollar-Entwicklung tendenziell stärker als der Euro Stoxx, während er sich bei starker Dollar-Entwicklung eher schlechter entwickelt. Die Begründung für diesen Zusammenhang: Wenn der Dollar stark an Wert verliert, erfährt ein Euro-Investor zunächst einen direkten Währungsverlust auf seine US-Aktien. Für die US-Firmen ist der schwächere Dollar jedoch ein Segen: Im weltweiten Wettbewerb erfahren sie erhebliche Kostenvorteile und können sich so steigende Marktanteile sichern und/oder höhere Gewinnmargen erzielen. Beides sollte sich positiv auf die Aktienkurse auswirken. In Zeiten eines schwachen Dollars erwirtschaften amerikanische Aktien somit höhere Renditen als ihre europäischen Konkurrenten. Auf dieser Logik basiert auch der gern gegebene Ratschlag, aufgrund der „natürlichen Absicherung“ Aktienanlagen in Fremdwährungen nicht abzusichern. Dieser Wirkungsmechanismus bedingte eine hohe Korrelation der währungsbereinigten Aktienrenditen. Misst man bspw. die Korrelation der Quartalsrenditen des S&P 500 (in Euro) mit den Renditen des Euro Stoxx, so ergibt sich für die Zeit von 2000 bis 2008 ein Wert von 0,84. Dies hatte zur Folge, dass die Investoren durch Beimischung amerikanischer Aktien keine signifikante Risikoreduktion des Portfolios erreichen konnten.

Korellation der internationalen Aktienrenditen reduziert sich

In den vergangenen Jahren wurde dieser Zusammenhang durch die Finanzkrise und die Eurokrise empfindlich gestört. Durch die Verschuldungskrise wurde die Eurozone immer mehr zum Krisenzentrum der Weltwirtschaft und dadurch deutlich anfälliger für makroökonomische Turbulenzen. Selbst kleinere wirtschaftliche Probleme befeuerten die Angst der Investoren vor einem erneuten Aufflackern der Eurokrise, und haben bewirkt, dass sowohl der europäische Aktienmarkt als auch die gemeinsame Währung Euro erheblich unter Druck geraten sind. Diese erhöhte Krisenanfälligkeit der Eurozone hat auch Auswirkungen auf das Zusammenspiel der europäischen und amerikanischen Aktienmärkte: Die zuvor beschriebene hohe Korrelation der internationalen Aktienrenditen ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Lag die Korrelation der Quartalsrenditen des S&P 500 (in Euro) mit dem Euro Stoxx in der Zeit vor der Finanzkrise von 2000 bis 2008 bei 0,84, so reduzierte sie sich in der Zeit nach der Finanzkrise von 2009 bis Ende des zweiten Quartals 2017 deutlich auf 0,63. Dies hat zur Folge, dass die Investoren durch Beimischung amerikanischer Aktien heutzutage eine deutlich größere Risikoreduktion ihres Portfolios erreichen können als vor der Krise.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Bitte lasse dieses Feld leer.

Bei unseren Lesern momentan beliebt