Risikomärkte könnten ihre Zuwächse fortsetzen

Stephen Jones, Chief Investment Officer von Aegon Asset Management Europe

Der Kontext für die im vergangenen September begonnene Kurskorrektur waren eine Zunahme der geopolitischen Angst, einschließlich einsetzender Handelszölle, eine sich verlangsamende Weltwirtschaft und die anhaltende Straffung der US-Geldpolitik. Die Ereignisse dieses Jahres zeigen, dass politische Maßnahmen mehr zählen als reine Rhetorik. Risikomärkte konnten ihre Gewinne aufgrund einer steuerlich und geldpolitisch besser unterstützten chinesischen Wirtschaft und der Aussicht auf Zinssenkungen in den USA im ersten Quartal ausweiten. Die Spannungen zwischen China und den USA haben unterdessen zugenommen und auch die besorgniserregenden Entwicklungen im Iran setzten sich fort.

Die Märkte gehen derzeit davon aus, dass die Fed die Zinsen im Juli senken wird, was den Rückgang der Anleiherenditen bestätigt. 30-jährige US-Anleiherenditen sind mit 2,86% seit letztem November um einen viertel Prozentpunkt gefallen, was dem stärksten Rückgang innerhalb von 8 Monaten seit vier Jahren entspricht. Anstatt einmal zu senken, wartet die US-Notenbank normalerweise, bis die Bedingungen eine Reihe von Zinssenkungen rechtfertigen. Nachdem die Fed 1976 beispielsweise die US-Zinsen gesenkt hatte, waren sie nur sechs Monate später höher als zuvor. Im Jahr 1976 – auch in einer Zeit besorgniserregender Ölmarktentwicklungen – war die US-Inflation zuletzt auf 12% gestiegen.

Dies ist nicht der Kontext von heute (die aktuelle US-Inflationsrate liegt mit 1,8% unter dem Ziel). Selbst wenn die Fed die Märkte Ende dieses Monats enttäuschen sollte, scheint die Richtung klar zu sein. Im Zuge der anhaltenden Herabstufung des neutralen Leitzinses nach eigener Einschätzung der US-Notenbank (kürzlich auf 2,5% reduziert) ist der Straffungszyklus der letzten Jahre wahrscheinlich vorbei.

Dies ermöglicht es Aktieninvestoren, sich auf die Wachstumsaussichten und die Steigerung von Unternehmensgewinnen zu konzentrieren. Die Bewertungsmultiplikatoren liegen im langfristigen Durchschnitt und die Perspektiven erscheinen angemessen. Die US-Wirtschaft wächst derzeit mit einem annualisierten Wachstums von rund 2%. Die Aussichten für die Eurozone und Japan sind so positiv wie seit einiger Zeit nicht mehr und Chinas Wirtschaft hat sich stabilisiert.

In der Zwischenzeit verbessern sich die Prognosen für die Unternehmensgewinne. In einer Welt sinkender Anleiherenditen und extrem niedriger (oder negativer) Barrenditen reicht dies aus, um Aktien im Zweifel den Vorzug zu geben. Insbesondere manche Positionierungsdaten deuten darauf hin, dass Aktienanleger untergewichtet oder sehr defensiv exponiert sind. Abzüglich eines Spielraums für einen starken exogenen Schock, z.B. eines fortwährenden Angriffs auf den Iran, können die globalen Aktienmärkte ihre „Wall of Worry“ durchbrechen.

Im Vereinigten Königreich sollte das internationale Engagement des britischen Aktienmarktes den Anlegern einen gewissen Schutz vor der anhaltenden Brexit-Farce bieten. Die Wahrscheinlichkeit einer vorgezogenen Parlamentswahl in Großbritannien steigt jedoch weiter an, wobei die Möglichkeit einer von Corbyn geführten Regierung nicht ausgeschlossen werden kann. Die Labour-Politiker sind sich einig und versprechen ein radikales Gesamtkonzept aus Regierungspolitik, öffentlichem/privatem Eigentum und den britischen Finanzmärkten.

Obwohl die britische Wirtschaft die meisten Experten in ihrer Stärke seit dem Referendum 2016 überrascht hat, gibt es das Versprechen einer steuerlichen Dividende, sofern der Brexit reibungslos erreicht wird. Während britische Aktien günstig erscheinen, wird ein "radikales Gesamtbild" bewirken, dass sich internationale Investoren auf den Ausstieg stürzen. Dies ist nicht der Zeitpunkt, um britische Vermögenswerte – Aktien, Gilts oder Sterling – stark überzugewichten.

Die Aussichten werden dann sein, dass die jüngsten Kursgewinne anhalten, bis die nächste Rezession in Sicht kommt. Die Frage ist nur, "wann" und nicht "wenn". Auch dürften die Märkte weiterhin von scheinbaren Spielern herausgefordert werden – ermutigt durch seinen Erfolg in Mexiko, wird Trump seine Aufmerksamkeit auf Europa richten. Er wird Zölle einsetzen, um seine unterschiedlichen Ziele zu erreichen. Investoren sollten versuchen, sich gegen diese Störgeräusche abzuschotten, bis sich die harten Wirtschaftsdaten verschlechtern und/oder es so aussieht, als ob die politischen Entscheidungsträger Fehler machen würden.

Angesichts einer Rezession sind die USA am besten in der Lage zu reagieren. Die Geldpolitik hat sich etwas normalisiert, auch wenn sie sich bisher bei weitem nicht in der Nähe von "normal" befindet, wie von vielen Experten vermutet. Fast überall sonst wird die Reflation die Finanzpolitik belasten. Der nächste globale Konjunkturabschwung wird chaotisch sein!




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