Rohstoffe – der Ausblick für 2017

Das vergangene Jahr entlarvte einige Ängste als überzogen. Ab Frühsommer 2016 stabilisierten sich die Rohstoffmärkte und die Industrie erholte sich von den Produktionsschwäche der Vorjahre. Wie setzt sich der Trend fort?

Anfang letzten Jahres fielen die Rohstoffpreise nahezu ins Bodenlose, als die Angst vor Chinas wirtschaftlicher Schwächephase und einer Rezession der US-amerikanischen Industrieproduktion die Märkte an den Rand der Verzweiflung drängten. Die Ängste sollten sich letztendlich als überzogen herausstellen. China konnte seine Wirtschaftslage stimulieren, die Verbraucher erwiesen sich als
starkes Standbein für das globale Wachstum und vor allem die Energieversorgung zeigte erste Anzeichen von Entspannung.

Somit konnten die Voraussetzungen für eine deutliche Erholung des Preisniveaus bis zum Frühsommer gelegt werden. Der Ölpreis schwoll auf über 50 US-Dollar pro Barrel an, weil die Ölförderung in den Vereinigten Staaten zurückging, die Nachfrage allerdings anzog und es zu unerwarteten Lieferungsausfällen kam. Die Sorge der Anleger vor einer Rezession führte zum vermehrten Ankauf von Gold. Daraufhin kletterte der Goldpreis auf über 1.300 US-Dollar pro Unze.

Deutlich wird dies am Bloomberg-Commodity-Index (siehe Grafik auf Seite 27), der einen Wertzuwachs von 15 Prozent zwischen dem Frühjahrstief und Hoch im Frühsommer verzeichnen konnte. In jüngerer Zeit reagierte der Ölpreis mit einem Preissprung auf die Ankündigungen der Produzenten, die Ölfördermenge beschränken zu wollen. Zudem dominierten China-zentrierte Rohstoffe wie Kohle, Eisenerz und Kupfer die Schlagzeilen. Trotz aller Diskussionen um Reflation wird diese gesamte Assetklasse in jüngerer Zeit seitwärts gehandelt und der Bloomberg-Commodity-Index konnte seit dem Höchststand im Frühsommer nur noch schwach zulegen.

Rückblickend lässt sich feststellen, dass sich die Prognosen als zu zurückhaltend herausstellten und, zu unser aller Erstaunen, die Rohstoffpreise einen außergewöhnlichen Aufschwung erlebten. Auch wenn die Bodenbildung aufgrund der schlechten Marktlage vorhergesagt werden konnte, zeigte sich die Welt und allen voran China in einer besseren wirtschaftlichen Verfassung, als zunächst angenommen. Vor diesem Hintergrund sollten Rohstoff-Investoren bedenken, dass Preise und Renditen nicht dasselbe Paar Schuhe sind. Insbesondere das Jahr 2016 charakterisierte sich durch große Abweichungen von Preisbewegungen und Anlagerenditen.

Investitionen in Rohstoffe sind Investitionen in Zukunftsmärkte. Große Lagerbestände und ein Überangebot an Handelsware führten zu einer besonders steil nach oben laufenden Futures-Kurve, d. h. der Preis der Futures lag über dem Kassakurs (Contango-Effekt). Dabei ist es für die Anleger unvermeidbar, mit dem Kauf teurerer Futures auch die damit einhergehenden Verlustvorträge und Rollverluste in Kauf zu nehmen. Das Comeback der Rohstoffe sah in einem Anlageportfolio weit weniger eindrücklich aus.

Die Anlageklasse ist kein zwingender Portfolio-Bestandteil im 2017 – denn der Preisausblick ist grundsätzlich verhalten und der Gegenwind durch Rollverluste hartnäckig. Der Makro-Superzyklus
ist zu Ende und wurde durch Mikro-Zyklen abgelöst. Aus der Sicht des Rohstoffmarktes ist die Reflationseuphorie überzogen. Der jüngste Anstieg des Ölpreises und der Aufschwung an den chinesischen Börsen sind Mikrozyklen, die nicht als grundlegende Wende missverstanden werden sollten. Die solide Wirtschaftstätigkeit lässt für 2017 ein deutliches Nachfragewachstum erwarten. Die Investitionen des vergangenen Jahres tragen weiterhin Früchte und insgesamt sollten die Rohstoffindustrien in der Lage sein, ihr Produktionswachstum in angemessenem Maße voranzutreiben. Aufgrund des reichen Angebots und einer lediglich geringfügigen Kosteninflation (ein starker Dollar deutet eher in Richtung Deflation) fällt der Preisausblick verhalten aus. Die Terminkurven verbleiben im Contango und die damit einhergehenden Rollverluste lasten auf den Renditen. Rohstoffe sind und bleiben auch 2017 eine taktische Anlageklasse mit kurzfristigen Handelschancen. Die interessantesten Themenbereiche werden in den nachfolgenden Absätzen näher erläutert.




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