Schiffstransporte, Wall of Worry und eine robuste Konjunktur – vielversprechende Signale

Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management

Wir beobachten derzeit ein interessantes Phänomen, das als ‘Wall of Worry’ bezeichnet wird. Gemeint ist hier eine sehr zurückhaltende Investorenstimmung aufgrund von Rezessionsängsten sowie Bedenken hinsichtlich anderer global relevanter Probleme. Genannt seien in erster Linie Handelskrieg, Brexit oder die Spannungen im Nahen Osten. Historisch bildete die ‘Wall of Worry’ allerdings stets ein stabiles Fundament für die Finanzmärkte, da die Anleger vorsichtig positioniert sind und deshalb keine Blasen auftreten. Die einzige Ausnahme ist hier der Staatsanleihenmarkt, der aufgrund der starken Flucht in Qualität sehr gut läuft und die Zinsen auf ein Rekordtief drückt. Aber dies ist gerade eine zusätzliche Bestätigung der Existenz einer massiven ‘Wall of Worry’.

Die Abwesenheit von Blasen wird derzeit aber noch ergänzt durch verschiedene positive und historisch recht zuverlässige Konjunkturfrühindikatoren. Aktuell fällt hier die Entwicklung der globalen Schiffstransporte auf. Der viel beachtete Baltic Dry Index (Frachtraten für Stückgutschiffe), der HARPEX (Harper Petersen Index, Frachtraten für Containerschiffe) und der RWI/ISL Index (Containerumschlag in den weltweit größten Häfen) befinden sich alle in einem stabilen Aufwärtstrend. Der Baltic Dry ist täglich und der HARPEX wöchentlich verfügbar. Dementsprechend liefern diese Indizes sehr aktuelle Daten zur globalen Konjunktur.

Gemäß diesen drei Indikatoren ist die globale Konjunktur derzeit noch weit entfernt von einer Rezession. Der Handelskrieg hat offenbar noch keine realwirtschaftlichen Spuren hinterlassen, sondern wirkt nur psychologisch. Gleichzeitig überfluten die Notenbanken die Märkte mit frischer Liquidität und die Inflation bleibt tief. Das bedeutet, dass zur ‘Wall of Worry’ auch noch ein ‘Goldilocks’-Umfeld hinzukommt. Insgesamt sehen wir hier eine recht vielversprechende Kombination für die Finanzmärkte. Allerdings kann es jederzeit zu einer Abschwächung der Schiffstransporte kommen. Dann müsste das derzeit noch positive Umfeld in Frage gestellt werden – aber nicht vorher.




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