Schwellenländeranleihen mit Nachholpotenzial

Colm McDonagh, Head of Emerging Market Fixed Income bei Insight Investment

Seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation im Jahr 2001 hat sich die Zusammensetzung des globalen Bruttoinlandsprodukts deutlich verändert. Auf nominaler US-Dollar-Basis ist der Anteil der Schwellenländer am globalen BIP von 20% auf 43% gestiegen. Dies spiegelt sich auch an den Finanzmärkten wider: Machten Emerging Market Bonds im Jahr 2000 nur 2% des globalen Anleihenuniversums aus, sind es heute fast 25%. Seit der globalen Finanzkrise sind Emerging Market Bonds zu einer eigenständigen Anlageklasse geworden, die sich vervierfacht hat und mit 3,1 Mio. US Dollar nun doppelt so hoch wie die Staatsanleihen der Schwellenländer und des US-High-Yield-Marktes.

Zugleich hat sich die Qualität der Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern verbessert, während sich die Bonität der Staatsanleihen leicht verschlechtert hat. Das durchschnittliche Rating für Emerging Markets-Staatsanleihen rangiert mit BB+ im High Yield-Bereich, während EM-Unternehmensschulden im Schnitt im Investment Grade-Bereich mit BBB- liegen. Ebenfalls positiv: Mit Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern lässt sich die Portfoliodiversifikation erhöhen. Gemessen am JPMorgan CEMBI-Index umfasst diese Anlageklasse derzeit mehr als 12 Sektoren in 50 Ländern.

Dennoch sind sie in den globalen Anleihenindizes mit einer Gewichtung von nur 7% im Bloomberg Barclays Global Aggregate Bond Index weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Da der Anteil der Schwellenländerbonds am globalen Anleihenmarkt indes weiter zunimmt und Banken mit ihren Aktivitäten abseits des klassischen Kreditgeschäfts gegenüber ihren Pendants in den Industriestaaten aufholen, erwarten wir ein weiterhin schnelles Wachstum in der Anlageklasse.

Hohe Schwankungen

Während die Renditen von Schwellenländeranleihen traditionell in Hartwährungen am attraktivsten sind, haben in Landeswährung notierte Bonds bisweilen die höchsten Gesamtrenditen erzielt. Gleichwohl sind sie die volatilste Sub-Asset-Klasse, was zu einer niedrigen Sharpe-Ratio führt und dieses Segment grundsätzlich weniger attraktiv macht.

Ein wesentlicher Einflussfaktor für die langfristigen Renditen sind regelmäßige Ausschüttungen, während die Volatilität der Spreads und der Zinsdurationen die Renditen über kürzere Zeiträume bestimmen.

Zu den wichtigsten Faktoren, die die Wertentwicklung von Schwellenländeranleihen beeinflussen, gehören die Wachstumserwartungen in den Schwellenländern im Verhältnis zu den Industriestaaten, die US-Zinsen und der US-Dollar. Ein höheres Wirtschaftswachstum trägt zu einer Verbesserung der Fundamentaldaten der Schwellenländer bei, was vermehrt Kapital anzieht und die Vermögenswerte unterstützt.

Hingegen verheißen höhere US-Zinsen und der damit verbundene stärkere US-Dollar in der Regel nichts Gutes für die Anleihen in lokaler Währung – wobei die unterdurchschnittliche Wertentwicklung vor allem auf der Währungsseite zu verzeichnen ist. Darüber hinaus könnten die EM-Zentralbanken gezwungen sein, die Inlandszinsen zu erhöhen, um den Kapitalabflussdruck zu begrenzen und damit die Anleiherenditen zu erhöhen.

Ebenfalls maßgeblich für die Performance von Schwellenländeranleihen ist die Entwicklung einer stärkeren inländischen Investorenbasis. Emerging Markets finanzieren sich zunehmend auf dem Heimatmarkt, wodurch Währungsrisiken vermieden und Abhängigkeite von ausländischen Investoren verringert werden. Dies führt zu einer geringeren Volatilität, da Inlandskapital stabiler ist als Fremdkapital.

Obwohl das Volumen der Emerging Market-Assetklasse tendenziell hinter der wirtschaftlichen Bedeutung der Schwellenländer zurückbleibt, ist es offensichtlich, dass hier aktuell ein Wandel stattfindet. Die Breite und Tiefe der Anlageklasse mag trotz ihrer zunehmenden Bekanntheit historisch übersehen worden sein, doch mit zunehmender Verbreitung erwarten wir, dass Schwellenländeranleihen bei der Vermögensallokation institutioneller Investoren weiter an Bedeutung gewinnen.




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