„Sehnsüchtiges Warten auf deutsche Banken“

Global Investor hat mit Dr. Nader Maleki über Chancen, Risiken und mögliche Entwicklungen in Iran gesprochen.

Iran bekommt gerade viel Aufmerksamkeit aufgrund der Aufhebung der Sanktionen. Sie sagen, dass damit noch nicht alle Hürden für ausländische Investoren gefallen sind.

Dr. Maleki: Die Sanktionen wurden am 16. Januar fallengelassen. Das waren aber nur die Sanktionen, die wegen der Atomgespräche geführt wurden. Aber dahinter gibt es eine ganze Reihe weiterer Sanktionen, die auch zu Unsicherheit auf der iranischen Seite geführt haben. Gleichzeitig ist auch mit dem Fall der Sanktionen eine neue Visa-Vereinbarung eingeführt wurden. Wenn deutsche Investoren in den Iran reisen, können sie nicht wie in der Vergangenheit nach Amerika reisen, sondern sie müssen ein Visum beantragen. Das bekommt man ohne Probleme und es ist auch zehn Jahre lang gültig, aber dennoch ist es ein großes Hemmnis für Investoren, die regelmäßig in den Vereinigten Staaten aktiv sind. Auch die Vorzüge des Global Traveler Systems gehen alle verloren. Das heißt, es gibt noch eine ganze Reihe von Hürden für Ausländer, was den Iran betrifft.

Dennoch sehen Sie gute Grunde dafür, in Iran zu investieren?

Dr. Maleki: Man muss natürlich immer die Risiken und die Chancen gegeneinander abwägen. Ich kann zwar nicht in die Glaskugel schauen, aber nach meinem Gefühl sind die Chancen für Investoren im Iran wesentlich höher als die Risiken. Womit begründe ich das? Ich begründe das mit der Geschichte vieler anderer Länder. Jedes Land entwickelt sich weiter. Dazu kommt die Demografie. Das iranische Volk ist sehr jung, das Durchschnittsalter in Iran liegt bei 27 Jahren. Und die Iraner sind unglaublich gut ausgebildet, die Schulen und Universitäten haben einen wesentlich höheren Standard als hier in Europa. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, weil ich eine deutsche Schule in Teheran besucht habe und mein Bruder eine persische. Ein hoher Bildungsstand, auch an den Universitäten, in Verbindung mit einer Welt, in der man sich jederzeit über alles informieren kann führen dazu, dass man vor allem der iranischen Jugend entgegenkommen musste. Mit dem Sieg von Präsident Rouhani überwiegen die Chancen bei Weitem die Risiken.

Wie werden sich die Beziehungen zwischen Iran und Deutschland jetzt entwickeln?

Dr. Maleki: Natürlich schauen die Iraner nach wie vor stark auf die Bundesrepublik und die deutschen Banken sind bis jetzt zurückhaltend. Es ist wichtig danach zu sehen, was der Primus, die Deutsche Bank und der zweite, die Commerzbank, machen. Das Problem bei beiden Häusern war, dass sie erhebliche Strafzahlungen hatten und sie teilweise noch in der Abwicklung dieser Zahlungen sind und deswegen keinerlei Risiken eingehen wollen. Das macht formale Gespräche schwierig. Dazu kam das Problem mit der Hermesversicherung. Die Hermes hatte eine lange Zeit eine Forderung in Höhe von über einer halben Milliarde an Iran. Das hat sich erledigt, die Iraner haben gezahlt, somit ist eine Versicherung seitens der Bundesregierung möglich. Historisch gesehen ist es so, dass es immer sehr enge Verbindungen zwischen Iran und Deutschland gab, die man teilweise jahrhundertelang zurückverfolgen kann. Die Deutschen sind in Iran sehr beliebt. „Almanie“, der „Deutsche“ ist ein positiv besetztes Wort. Die Iraner warten sehnsüchtig darauf, dass sich die deutschen Banken einbringen. Die großen halten sich wie gesagt zurück. Jetzt gibt es seit Kurzem ja auch eine dritte sehr große Bank, die DZ Bank. Sie macht erste Überweisungen über die iranisch-europäische Handelsbank.




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