Skandinavien-Fonds: Smøll is beautiful

Johan Stein, Fondsmanager des BNP Paribas Nordic Small Cap

Die Wirtschaft im Norden Europas gilt als innovativ, nachhaltig und solide – und als Vorbild für andere Volkswirtschaften, die mit steigenden CO2-Emissionen und schwindender Geltung zu kämpfen haben. Skandinavien ist geprägt von vielen kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die von dem Trend profitieren. Diese Vielfalt macht sich der BNP Paribas Nordic Small Cap zunutze, der ausschließlich in nordeuropäische Nebenwerte investiert.

Die nordischen Länder haben sich aus historischer Sicht als ein gut funktionierender Aktienmarkt erwiesen, auch wenn sie von den weltweiten Turbulenzen in den letzten Wochen stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Umso wichtiger ist es daher, Branche, Wettbewerbsposition und Innovationsfähigkeit der Unternehmen im Auge zu behalten. Und hier schneiden die Nordlichter gut ab.

Ein Hauptgrund für die hohe Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen im Norden: Die Länder sind sehr klein und daher können sich die Unternehmen nicht nur auf ihre Heimatmärkte verlassen. Infolgedessen müssen sie sich früh auf den Export konzentrieren und sind dadurch eher dem globalen Wettbewerb ausgesetzt als anderswo – das ist Vor- und Nachteil zugleich. Ein Großteil der Erträge vieler Unternehmen stammt aus dem Ausland, entsprechend abhängig sind sie von der Lage der Weltwirtschaft. Doch es schärft auch das Profil der Firmen und damit die Ertragschancen für Anleger.

Schweden ist Kraftzentrum von Innovationen in Skandinavien

Schweden ist hierbei das Kraftzentrum der nordischen Länder. Erst kürzlich wurde die Region Stockholm von der Europäischen Union als die wettbewerbsfähigste Region Europas eingestuft, London liegt auf Platz zwei. Die innovativen Unternehmen sind hier in den verschiedensten Sektoren zu finden: Allein im Health-Care-Bereich finden sich über 120 börsennotierte Unternehmen aus dem Small-Cap-Segment. Es ist schwierig, hier bestimmte Namen zu nennen, aber angesichts der weltweiten Corona-Krise dürfte es für viele dieser Titel ein interessantes Jahr werden.

Sedana Medical etwa entwickelt medizinische Einwegprodukte. Das Hauptprodukt ist jedoch das zur Sedierung oder Narkotisierung von Patienten eingesetzte Beatmungsgerät AnaConDa. Dieses Gerät ermöglicht es, mechanisch beatmeten Patienten flüchtige Anästhetika zu verabreichen und es ist dabei kleiner und einfacher zu bedienen als herkömmliche Narkosegeräte. Das Unternehmen hat in Nordeuropa, Deutschland und Frankreich bereits eine starke Marktpräsenz und wächst darüber hinaus in Großbritannien und Spanien. Innerhalb eines Jahres stieg die Aktie um 74 Prozent.

Derzeit läuft eine große Zulassungsstudie, um in Europa die Marktzulassung für die inhalative Sedierung auf Intensivstationen mit dem Arzneimittel IsoConDa zu erhalten. Sedana Medical rechnet damit, dass die Registrierung in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 erfolgt. Drei Jahre darauf erwartet das Unternehmen nach eigenen Angaben einen Umsatz von 500 Millionen Schwedischen Kronen in Europa und eine EBITDA-Marge von etwa 40 Prozent.

Sehr gründliche Unternehmensanalysen erforderlich

Um das Marktpotenzial solcher Neuheiten einzuschätzen, braucht es allerdings sehr gründliche Unternehmensanalysen und tiefe Marktkenntnis. Doch auch bei den Alltags- und Gebrauchsgegenständen finden sich starke Skandinavier: Ein Beispiel hier ist etwa Thule aus Malmö, der Hersteller von Dachgepäckträgern. Zu dessen Sortiment gehören aber auch Fahrradanhänger sowie Reisegepäck, Outdoor-Rucksäcke und Accessoires wie Spanngurte. Und nicht zuletzt seit 2011 auch hochwertige Kinderwagen, die Mütter und Väter beim Joggen vor sich herschieben oder nach einer Umrüstung als Fahrradanhänger nutzen können. Wer sich an einem sonnigen Tag im örtlichen Stadtpark umsieht, erkennt schnell die Bedeutung solcher Alltagsinnovationen.

Besonders spannend ist jedoch der Blick in die Sektoren IT, Clean-Tech und Energieeffizienz. Hier finden sich unter den Small Caps eine ganze Reihe von Unternehmen für zukunftsweisende Technologien: So etwa Gapwaves für energieeffiziente, für 5G geeignete Antennen. Das sind wertvolle Bauteile, etwa für die Automobilindustrie, denn die aktuell noch in Autos verbauten Antennen reichen für Senden und Empfang großer Datenmengen nicht mehr aus.

Ein weiteres Beispiel ist PowerCell, ein schwedisches Unternehmen mit Sitz in Göteborg. Es entwickelt und produziert Brennstoffzellensysteme für stationäre und mobile Anwendungen. Eingesetzt werden diese vor allem in der Nutzfahrzeug- und Automobilbranche, in der Schifffahrt und im stationären Bereich. Die Brennstoffzellen werden mit Wasserstoff betrieben und produzieren Strom und Wärme ohne jegliche Emissionen, abgesehen von Wasser. PowerCell arbeitet also an Lösungen für die Stromversorgung der Zukunft – mit minimaler Umweltbelastung.

Die PowerCell-Aktie ist seit ihrem IPO auch deutlich gestiegen: Während die Aktie zu ihrem Börsengang 2014 an der Börse in Stockholm noch zum Preis von 6,45 Schwedischen Kronen zu haben war, kostete sie am 19. Februar 2020 rund 321 Kronen und somit rund 50 Mal so viel. Nachdem die Aktie des Brennstoffzellenentwicklers mit einer echten Kursexplosion in das Jahr 2020 gestartet war, hat sie zuletzt – wie die Märkte insgesamt – einen deutlichen Rücksetzer erlebt.

Ein weiterer interessanter Kandidat ist etwa Nel Asa: Die norwegische Firma aus Oslo ist auf die Herstellung, Speicherung und den Vertrieb von Wasserstoff zur Energiegewinnung spezialisiert. Seit fast 100 Jahren stellt das Unternehmen Geräte zur Aufspaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff sowie Wasserstoff-Tankstellen her. Es arbeitet an sogenannten Rotolyzers, einer neuen Technik in der Wasserstoffproduktion: Das System ist fast 100 Mal kleiner als herkömmliche Anlagen und kann von einem Ort zum anderen bewegt werden. Die Firma mit Standorten in Skandinavien, Asien und den USA hat Tankstellenketten, Logistikunternehmen und Ölkonzerne als Kunden.

Anleger schätzen hohe Transparenz

Investoren schätzen vor allem die hohe Transparenz der Firmen und ihre Stabilität. Risiken, die im Zusammenhang mit der Unternehmensführung stehen, sind in Skandinavien eher gering. Solide sind auch die Aussichten in Sachen Konjunktur. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für die vier Staaten in diesem Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zwischen 1,5 und 2,4 Prozent. Zum Vergleich: Für Deutschland werden dagegen nur 1,1 Prozent erwartet, für die Schweiz 1,3 Prozent – wobei diese Zahlen vor dem Corona-Ausbruch veröffentlicht wurden.

Weiterer Pluspunkt: Skandinavien ist ein Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit. Im Environmental Performance Index von 2018, dem Länder-Ranking der Universität Yale und dem Weltwirtschaftsforum finden sich Dänemark, Schweden und Finnland unter den Top 10, Norwegen ist auf Rang 14 ebenfalls sehr gut platziert. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Ressourcen sowie hohe ökologische, soziale und rechtliche Standards sind entscheidend, um ein gutes Rating zu erhalten.

Thule etwa hat sich ganz spezifische Nachhaltigkeitsziele gesetzt: Für das laufende Jahr 2020 sollen 100 Prozent des verbrauchten Stroms aus Erneuerbaren Energien gewonnen werden, die CO2-Emissionen um 65 Prozent im Vergleich zu 2014 gesenkt und 96 Prozent aller Abfälle recycelt werden, Arbeitsunfälle auf unter 30 pro Jahr und auch der Wasserverbrauch durch geschlossene Wasserkreislaufsysteme und die verstärkte Nutzung von Regenwasser gesenkt werden.

Einen Wermutstropfen aber gibt es, auch bei den sonst so gefragten Anlagen im Norden Europas: Außer Finnland nimmt keines der nordischen Länder am Euro teil, insofern besteht immer das Risiko von eventuellen Währungsverlusten.




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