Smarte Indexfonds sind auf dem Vormarsch

Anleger können mit kostengünstigen passiv gemanagten Indexfonds an der Wertentwicklung eines Leitindizes teilnehmen. In volatilen Marktphasen wünschen sich Investoren Finanzinstrumente, die besser performen als der Markt. Hierbei können Investoren auf passive Investments, die smarte Investmentansätze verfolgen, zurückgreifen. Dominik Poiger, Portfoliomanager bei VanEck, erklärt dem Leser was zu beachten ist.

Wenn die Märkte nur noch eine Richtung kennen und wie an der Schnur gezogen nach oben laufen, ist erfolgreiches Investieren keine große Kunst. Mit kostengünstigen passiv gemanagten, börsengehandelten Indexfonds (ETFs) können Anleger nahezu eins zu eins an der Performance großer Leitindizes teilnehmen – und damit ganz einfach auf ganze Märkte setzen.

Da die Börsen jedoch bekanntlich keine Einbahnstraßen sind, ist erfolgreiches Investieren in der Praxis diffiziler. Insbesondere in volatilen Marktphasen wünschen sich Investoren Finanzinstrumente, die besser performen als der Markt. Dazu eignen sich beispielsweise passive Investments, die smarte Investmentansätze verfolgen, also auf alternativen Indexmodellen basieren. So ist es kein Wunder, dass beispielsweise die noch relativ junge Kategorie der Smart-Beta-Produkte immer beliebter wird: Weltweit waren bis zum 31. Dezember 2017 mehr als eine Billion US-Dollar in mehr als 1.300 verfügbaren Smart-Beta-Exchange-Traded-Products (ETPs) investiert.

Bei Smart-Beta-Indizes gelten andere Gewichtungsparameter

Insgesamt dürfte die Nachfrage nach passiven Investmentprodukten auf Indizes, die von der klassischen marktwertgewichteten Bauweise abweichen, weiter steigen. Während bei traditionellen Börsenbarometern wie dem Dax die Indexmitglieder allein nach Marktkapitalisierung gewichtet werden, gelten bei Smart-Beta-Indizes andere Gewichtungsparameter. Sie basieren zumeist auf speziellen Faktoren, die zum Beispiel besonders dividendenstarke Aktien übergewichten und mit dieser alternativen Gewichtung den breiten Markt schlagen sollen.

Während traditionelle Smart-Beta-Ansätze bei der Allokation in der Regel nur einen alternativen Indikator berücksichtigen, finden sich zunehmend Indizes, die mehrstufige Investmentansätze vollständig passiv investierter machen, wie etwa das sogenannte Moat Investing. Hierbei wird ein breites Aktienuniversum auf nachhaltige Wettbewerbsvorteile untersucht. Investoren halten bei der Strategie nach fünf verschiedenen Eigenschaften Ausschau, den sogenannten Sources of Moats.

Fünf verschiedene Eigenschaften erhöhen die Erfolgschancen

Die erste Quelle stellen immaterielle Vermögensgegenstände eines Unternehmens dar, etwa Patente, staatliche Lizenzen oder auch die Markenidentität. Man denke etwa an den Getränkehersteller Coca-Cola, der durch seine legendäre Rezeptur zu einer milliardenschweren Marke wurde. Obwohl das Getränk nicht aus viel mehr als aus Wasser, Zucker, Aroma- und Farbstoffen besteht, sind die Konsumenten bereit, für die weltbekannte Marke eine beachtliche Prämie zu zahlen.

(Quelle: Shutterstock)

Die zweite Quelle sind die Kostenvorteile. Wenn ein Unternehmen seine Produkte kostengünstiger herstellen und anbieten kann als die Konkurrenz, stärkt dies Margen und damit die Profitabilität. Unternehmen, die bei einem Produkt die Kostenführerschaft innehaben, sind zudem in der Lage, Marktpreise zu bestimmen. Außerdem entstehen dadurch hohe Einstiegshürden für potenzielle Wettbewerber. Die dritte Moat-Quelle ist eine effiziente Skalierung. Das könnte zum Beispiel ein Unternehmen sein, das in einem Umfeld mit wenigen Wettbewerbern tätig ist. Netzwerkeffekte stellen die vierte Quelle der Moats dar. Das Unternehmen Mastercard ist dafür ein gutes Beispiel. Die Kooperationspartner von Mastercard können ihre Kundenbasis ausbauen, indem sie von der steigenden Anzahl von Endnutzern profitieren. Umgekehrt können die Nutzer auf mehr Shops zurückgreifen, die Kreditkarten als Zahlungsmittel akzeptieren, wodurch sich deren Verbreitung im Einzelhandel weiter beschleunigt.

Als fünfte Quelle gelten die Wechselkosten, die einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellen. Die hohen Kosten, die ein Produkt- oder Dienstleistungswechsel mit sich bringt, schrecken Unternehmen ab, nach einem neuen Anbieter zu suchen. Beispielsweise setzt der Soft- und Hardwarehersteller Oracle auf hohe Wechselkosten. Das (Daten-)Risiko, das mit einem Anbieterwechsel verbunden wäre, ist vielen Unternehmen zu groß.

Mithilfe fundamentaler Daten bestimmt man den inneren Wert

Ein Unternehmen erhält dann ein „Morningstar Wide Moat Rating“, wenn es nach den genannten Kriterien seinen Wettbewerbsvorteil über mindestens 20 Jahre aufrechterhalten kann.

Neben diesen fünf Faktoren spielen faire Aktienbewertungen beim Moat Investing eine tragende Rolle. Morningstar-Analysten ermitteln zunächst Unternehmen mit einem breiten „Burggraben“. Danach filtert das Fondsanalysehaus die am günstigsten bewerteten Aktien heraus – auf Basis fundamentaler Daten. Um den inneren Wert einer Aktie zu bestimmen, nehmen die Experten Kennzahlen wie künftige Umsätze, Wettbewerbsposition, Marktanteile, operative Gewinnmargen und Cash-Flows unter die Lupe.

(Quelle: Shutterstock)

Wie erfolgreich diese Strategie sein kann, zeigt die historische Performance des Morningstar Wide Moat Focus Index. In ihm enthalten sind mindestens 40 US-Aktien mit langfristigen Wettbewerbsvorteilen, die am günstigsten bewertet sind. Die Marktkapitalisierung spielt bei dem Barometer keine Rolle. Seit seiner Auflage im Jahr 2007 erwirtschaftete der Morningstar Wide Moat Focus Index ein Plus von 230 Prozent. In diesem Zeitraum übertraf er den S&P 500 mit einer Gesamtrendite von 99 Prozent (Stand: 26. März 2018).

Fallen Angels stellen interessante Anlagealternative dar

Nicht nur an den Aktienmärkten, auch bei Anleihen (Fixed Income) finden sich Indizes mit innovativen Ansätzen, die eine Outperformance gegenüber einfachen, dem Markt folgenden Modellen bieten. Ein Beispiel dafür sind im Bereich der hochverzinslichen Unternehmensanleihen Investments in sogenannte Fallen Angels. Dies sind Emittenten, die sich früher durch ein Investment-Grade-Rating auszeichneten und später auf Non-Investment-Grade („High Yield“) herabgestuft wurden.

Die High-Yield-Anleihen werden von vielen Fonds aufgrund der Investmentrestriktionen verkauft. Ihr Risikoprofil entspricht nicht mehr den Anforderungen von einigen institutionellen Investoren oder die Anleihen werden aus Indizes entfernt. Daraus resultiert häufig ein Abverkauf und folglich ein Preisabschlag.

Mit einem entsprechenden ETF (Exchange-Traded-Fund) können Investoren von diesen temporären Fehlbewertungen, die im Zuge der Kreditrating-Herabstufungen erfolgen, profitieren. Solch ein ETF bezieht sich dann auf einen auf dem Fallen-Angel-Konzept basierenden Index, der Anleihen von Unternehmen enthält, die zum Zeitpunkt ihrer Emission mit einem durchschnittlichen Bonitätsrating eingestuft, seitdem jedoch auf Non-Investment-Grade herabgestuft wurden.

Ihren Bewertungstiefpunkt erreichen Fallen Angels im Schnitt rund sechs Monate nach dem Rating-Downgrade, auf den eine Erholungsphase folgt. Häufig erreichen die Emittenten dann wieder das Bewertungsniveau, das sie bereits vor der Herabstufung hatten.

Nachfrage nach ETFs steigt

Das Investmentkonzept der Fallen Angels basiert auf empirisch belegbaren Verhaltensmustern angesichts des Rating-Downgrades von Unternehmensanleihen. Diese Strategie hat in der Vergangenheit den globalen High-Yield-Markt absolut und risikoadjustiert outperformed. Das Fallen-Angel-Konzept ist ein Musterbeispiel für eine smarte passive Anlagestrategie, die einen Mehrwert gegenüber klassischen High-Yield-Produkten liefern kann.

In diesem Jahr dürften sich innovative Indexmodelle und darauf basierende ETFs durchsetzen. Sie liefern einen Mehrwert in einem Markt mit bislang weitestgehend homogenen Produkten und bieten durch ihre smarte Titelselektion eine Alternative zum aktiven Fondsmanagement.




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